Bürgermeister von Barcelona

Das Jubiläum eines Kulturinstituts unserer Stadt ist stets ein Grund zum Feiern und erfüllt uns mit Zufriedenheit. Wieviel mehr noch, wenn es sich dabei um das angesehene Goethe-Institut handelt, das seinen fünfzigsten Geburtstag begeht!

Die Eröffnung des Goethe-Instituts vor fünfzig Jahren war für Barcelona und seine Bewohner von großer Tragweite. Es waren schwierige Zeiten für die Kultur. Die Niederlassungen einiger europäischer Kulturinstitute, unter ihnen das Goethe-Institut, brachten damals frischen Wind in die Stadt; sie wirkten wie wahre Inseln der Freiheit inmitten von Gleichförmigkeit, Zensur und kultureller und politischer Bevormundung, die unser Land zu jener Zeit erlebte. Diese Einrichtungen wurden dabei zu Treffpunkten, wo der Austausch mit den europäischen Strömungen in Kultur und Politik möglich war. Das Goethe-Institut vermittelte uns so nicht nur die deutsche Sprache und Kultur, sondern förderte zugleich auch den Dialog mit Vertretern profiliertester Weltanschauungen unserer Gesellschaft. Seitdem haben sich die Zeiten grundlegend geändert, und das Goethe-Institut ist beständig gewachsen und hat im intensiven Kontakt mit den verschiedenen Einrichtungen der Stadt engagiert die kulturelle Kooperation zwischen Deutschland und Katalonien fortgeführt.

In diesem Zusammenhang ist es für uns von großem Belang, was das Goethe-Institut in den letzten fünfzig Jahren mit der Vermittlung einer breitgefächerten Kultur geleistet hat, die uns so fern und zugleich so nahe ist. Wir befinden uns an einem wichtigen Punkt für die Konstruktion Europas. Dabei ist von vielem die Rede, doch ein wahrhaft geeintes Europa kann nur entstehen, wenn gleichzeitig auch der kulturelle Aufbau erfolgt. Kulturelle Vielfalt begünstigt die Entwicklung und den Fortschritt einer Gesellschaft. Die Kulturen des Mittelmeerraumes und Mitteleuropas bilden zwei der Säulen dieser Wirklichkeit, die miteinander in stetigem Kontakt bleiben sollten. Das Goethe-Institut wie auch die anderen europäischen Kultureinrichtungen ermöglichen es uns, diese Realität aus erster Hand kennenzulernen und im gegenseitigen Austausch, dem Dreh- und Angelpunkt des europäischen Gedankens, voneinander zu lernen.

Dem Goethe-Institut, dieser weltweit agierenden und von dem Wunsch geleiteten Institution, aufzuzeigen, was die deutsche Kultur ausmacht, weit über das oberflächliche Kennenlernen eines Landes hinaus, gratuliere ich herzlich und wünsche ihm noch viele weitere Jahre in unserer Stadt.

Joan Clos i Matheu
Bürgermeister von Barcelona (1997-2006) 

Aus dem Katalanischen übersetzt

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