Die 50 Jahre des Goethe-Institut

Deutschland
hat schon immer und in vielerlei Hinsicht eine wichtige Rolle in der
Welt eingenommen. Keinen Zweifel gibt es aber an den herausragenden
Leistungen Deutschlands in drei Gebieten der Wissenschaft und der
Kultur, mit denen die Fundamente der Moderne gelegt wurden und die
insbesondere seit dem 18. Jahrhundert den Fortschritt ermöglichten. Zum
einen handelt es sich dabei um die Bedeutung der deutschen Sprache als
Ausdrucksmittel philosophischer Überzeugungen. Mit den deutschen
Philosophen nahm die Herausbildung der modernen Philosophie ihren
Anfang. Ein wesentlicher Beitrag kommt des weiteren der
Naturwissenschaft und Technik zu. Kann sich noch irgend jemand unser
heutiges, von der Technik so abhängiges Leben ohne die deutsche
Technologie vorstellen? Und schließlich noch der dritte Bereich: Er
umfasst das kreative Können, das sich der abstraktesten und
universellsten Sprache bedient: die Musik. Wir alle kennen die Namen
ihrer besten Vertreter, sie müssen hier nicht eigens genannt werden.
Für mich wären diese drei Aspekte an sich schon Begründung genug, Deutschland eine Spitzenposition in der Geschichte Europas und der westlichen Kultur einzuräumen. Dabei ist noch gar nicht alles erwähnt worden, wie zum Beispiel die Literatur oder die bildende Kunst, die eine vorrangige Stellung einnehmen und Werte aus der Vergangenheit verkörpern, die es zu erhalten gilt. Daneben darf aber auch das nicht als Ausgangspunkt für zukünftige Herausforderungen vergessen werden, was Deutschland für sich selbst zu sein erhofft.
Aus all diesen Gründen ist das Goethe-Institut so wichtig für unsere Stadt, ist seine Präsenz so wertvoll für uns. Es setzt sich für die Bewahrung kultureller Werte der Vergangenheit ein, aber vor allem auch für die Förderung und Verbreitung neuer Ausdrucksformen und Tendenzen der gegenwärtigen deutschen Kultur sowie für die Förderung und Pflege der deutschen Sprache, diesem unverzichtbaren Kulturinstrument.
Persönlich fühle ich mich der deutschen Kultur sehr verbunden. Ich habe die Deutsche Schule in Barcelona besucht, wo man mir die deutsche Sprache beibrachte und ich jene drei entscheidenden Gebiete – die Philosophie, die Technik und die Musik – sowie die meisterhafte deutsche Literatur kennen gelernt habe, die Deutschland seine Vorreiterstellung einbrachten. Seit damals hat die deutsche Kultur mein Leben fortwährend beeinflusst. Manchmal direkt über das Deutsche, manchmal mittels exzellenter Übersetzungen ins Katalanische offenbarten sich mir so die Leitfiguren der Aufklärung – Herder, Goethe, Schiller –, aber auch Heine, Hölderlin oder Thomas Mann. Auch habe ich die beständige Neubelebung der Sprache durch deutsche Linguisten schätzen gelernt und konnte dank meiner Deutschkenntnisse die Relevanz einer gut strukturierten Sprache für den Ausdruck der Ideen und Weltanschauungen eines Landes erfassen. Bei allem hat mir die Tatsache sehr geholfen, dass sich Katalonien schon seit der Renaixença in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegenüber der deutschen Kultur sehr empfänglich gezeigt hat. Das Interesse, der eigenen Sprache Gestalt zu geben, Goethes, Schillers oder Nietzsches Einfluss auf den katalanischen Modernismus sind Beispiele dafür, aber auch Joan Maragalls brillante Übersetzungen von Goethe und Schiller ins Katalanische oder die Hölderlinübersetzung aus der Feder von Carles Riba. Und ganz augenscheinlich ist auch die Leidenschaft katalanischer Opernfreunde für die Wagneropern, seit 1883 „Lohengrin“ in Barcelonas Opernhaus Liceu uraufgeführt wurde.
Während meiner Zeit als Präsident von Katalonien hatte ich sehr viele Gelegenheiten, meine Beziehungen zu Deutschland zu pflegen. Der politische Alltag hat mich mit deutschen Politikern von Rang und Namen zusammengebracht, und meine Deutschkenntnisse haben sehr zum gegenseitigen Verständnis, zum Wohlwollen und zur zwischenmenschlichen Sympathie beigetragen. Mir kommen sehr viele bedeutungsvolle Menschen in den Sinn, die ich in dieser Zeit kennen gelernt habe, dennoch möchte ich hier nur die Namen der beiden ehemaligen Bundespräsidenten anführen, Richard von Weizsäcker und Johannes Rau, zwei Männern von großem Format, sowohl politisch als auch intellektuell betrachtet.
Abschließend möchte ich noch einmal unterstreichen, dass Deutschland
sehr viele grundlegenden Werte besitzt, die es ihm auch in der Zukunft
erlauben werden, eine wichtige Rolle in der Welt einzunehmen. Das
Goethe-Institut hat mit der Propagierung und Verbreitung dieser Werte
eine große Aufgabe vor sich, die es sicherlich wie auch in all den
Jahren zuvor meistern wird, mit der gleichen Vaterlandsliebe und dem
gleichen Idealismus, die auch schon seine Gründer 1955 angetrieben
haben. Ebenso sicher bin ich mir aber auch, dass Katalonien – das sich
anderen Kulturen gegenüber stets offen gezeigt hat – das
entgegengebrachte Interesse erwidern und, vor dem Hintergrund der
bisherigen positiven Erfahrungen, für den kulturellen Austausch und die
Entwicklung gemeinsamer Ideen bereit sein wird.
Ex-Präsident von Katalonien (1980-2003)
Aus dem Katalanischen übersetzt






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