Spannung - Entspannung
Joan Guinjoan: Diabolus in Música

Joan Guinioan ist derzeitig einer der hervorragendsten Komponisten Kataloniens und Spaniens. Seine künstlerische Laufbahn als Pianist begann in den fünfziger Jahren. Seit Beginn der sechziger Jahre ist in seinen Kompositionen der prägende Einfluss von Ravel und Debussy hörbar. Guinioan arbeitet auch als Musikkritiker für verschiedene Zeitschriften, ebenso wie er als Fachmann an Konferenzen teilnimmt und verschiedenen Sendungen beim spanischen Fernsehen leitet. Die Oper „Gaudí“ (1989 – 1991) wird als sein bisheriger künstlerisches Höhepunkt angesehen.
Als ich das freundliche Schreiben des derzeitigen Direktors des Goethe-Instituts, Dr. Ulrich Braeß mit der Bitte erhielt, anlässlich des fünfzigsten Jubiläums dieser Institution einen Artikel über dessen Präsenz in Barcelona zu schreiben, freute ich mich zwar sehr, aber gleichzeitig bereitete mir eine Sache etwas Sorgen: einerseits wären die vielen Jahre, die ich im Umfeld der Gran Vía 591 verbracht habe, es wert, in einem umfangreichen Artikel behandelt zu werden, andererseits hätte das mehr Zeit, als mir zur Verfügung stand, erfordert. Nichtsdestotrotz ergreife ich die Gelegenheit in wenigen Zeilen darzustellen, was ich mir vom Goethe-Institut als unvergessliche Erinnerung bewahrt habe.
Meine Zusammenarbeit mit dem Institut lässt sich auf drei Ebenen betrachten: ein Mal als Komponist, dann als Leiter der Gruppe „Diabolos in Mùsica“ und schließlich als musikalischer Ratgeber. In diesem Sinne muss ich an erster Stelle die Institutsleiter erwähnen, zu denen ich engen Kontakt hatte: zunächst Dr. Hans-Rudolf Picard (1959-1967), des weiteren Dr. Helmut Grunike (1969-1971) und von 1972 bis 1979 Dr. Hans-Peter Hebel, unbedingt muss Frau Rosemaria Hess Erwähnung finden, da sie im Kunstbereich wie auch auf anderen kulturellen Gebieten inhaltlich maßgeblich im Institut war und zudem als Gründerin der Deutschen Bibliothek in Barcelona angesehen werden kann.
Nach meiner Rückkehr aus Paris, ich hatte bereits eine kurze aber intensive Karriere als Pianist vorzuweisen, war mein Name in Barcelona noch völlig unbekannt. Schon in diesen „heroischen“ Jahren (zwischen 1960 und 1965) leistete das Goethe-Institut auf musikalischem Gebiet wichtige Arbeit und so war es auch genau dort, wo ich meine ersten Stücke als Autodidakt dank der Unterstützung von Dr. Picard und von Frau Hess aufführen konnte. Wegen dieser Pianostücke, auf CD bei Columna Música veröffentlicht, wurde ich Maestro Mompou weiterempfohlen, was für mich ein Stipendium zur Fortführung meiner Kompositionsstudien in Paris nach sich zog.
Unter der Leitung von Dr. Grunike wurde das Institut zu einem Treffpunkt für Vertreter sämtlicher künstlerischer Disziplinen der Stadt. In Bezug auf meine Tätigkeit als Leiter der Gruppe „Diabolus in Música“ befand sich mein musikalisches Schaffen in voller Entwicklungsphase. Einen krönenden Abschluss fand diese Zeit in einem außergewöhnlichen Konzert, das 1979 vom Institut organisiert und finanziert wurde. Die Aufführung fand in der Escuela de Ingenieros Industriales (Hochschule für Technik) statt und bot durch den Auftritt der berühmten deutschen Sängerin Helga Pilarczyk, die einen wundervollen „Pierrot Lunaire“ von Schönberg interpretierte, ein außergewöhnliches Ereignis für das Publikum und die Kritik.
In den Jahren von 1972 bis 1979 erreichten sowohl die Aktivitäten des Instituts, was zeitgenössische Musik betrifft als auch meine Beschäftigung mit moderner Musik einen Höhepunkt, war doch das Goethe-Institut unbestritten das Zentrum für diese Art von Musik in Barcelona. Dr. Hebel, der noch nicht lange die Leitung des Instituts in Barcelona innehatte, setzte sich schon bald mit mir in Verbindung und bat mich um meine Mitarbeit als musikalischer Ratgeber. Ich nahm diese Aufgabe gerne an, zumal die großzügigen finanziellen Mittel, die das Institut zur Verfügung stellte, noch von der fachlichen Vorbereitung, den künstlerischen Anforderungen und den geradlinigen Kriterien, die immer schon die jeweiligen Institutsleiter ausgezeichnet hatte, übertroffen wurden. Für Dr. Hebel, einen wahren Liebhaber zeitgenössischer Musik, war der Anspruch, die Stadt mit dieser Musik im internationalen Rahmen vertraut machen zu wollen, hinreichend Antrieb, sich an der Suche und Aufstellung der entsprechenden Kriterien zu beteiligen. Für mich war das eine wunderbare Zusammenarbeit; noch heute zähle ich diese Zeit zur künstlerisch fruchtbarsten Periode meines Lebens.
Dank dieser Initiative wurden Seminare ins Leben gerufen, Diskussionsrunden, Konferenzen, Konzerte, die immer Uraufführungen, Musikkino (Kagel…), Theater und musikalische Aktivitäten beinhalteten. Unbedingt muss bei all diesen Unternehmungen der außergewöhnlichen Unterstützung durch Katinka Ditrich gedacht werden, die im Institut als Kulturreferentin eine wichtige Stellung innehatte. Ich entsinne mich immer noch gerne der Stunden, die wir damit verbrachten, die Durchführungsmodi jedes einzelnen Konzerts zu diskutieren und zu überlegen Als Leiter der Gruppe „Diabolus in Música“ war ich für viele Aufführungen verantwortlich, ganz besonders möchte ich an dieser Stelle an die Uraufführung der Zweiten Kammer-Sinfonie von Schönberg in Spanien erinnern, die am 15. Dezember 1975 im Palau de la Música Catalana stattfand.
Zum Abschluss dieser Zeilen möchte ich gern meiner vorerst letzten Kontakte mit dem Goethe-Institut gedenken, die noch nicht so lang zurückliegen. Von 1991 bis 1998 lag die Leitung des Instituts in den Händen von Dr. Karl-Josef Niggestich, mit dem ich beruflich verschiedentlich zusammentraf, woraus eine wahre Freundschaft entstanden ist.
Komponist
Text aus dem Katalanischen übersetzt






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