Überleben

Kauderwelsch

Foto (Ausschnitt): Nico Schober (schobi @flickr), CC BY 2.0Foto (Ausschnitt): Nico Schober (schobi @flickr), CC BY 2.0

Foto (Ausschnitt): Nico Schober (schobi @flickr), CC BY 2.0


Griaßdi, Griaß God und Pfiaddi - auch das ist Deutsch. Jeder, der Deutsch lernt, steht vor einer echten Herausforderung, wenn er es mit den deutschen Dialekten zu tun bekommt.

Wer schon einmal in Deutschland war und dabei auch Bayern, Sachsen oder das Rheinland besucht hat, weiβ, wovon die Rede ist: Von diesem seltsamen Kauderwelsch, das manchmal so gar nicht nach dem klingt, was man im Deutschkurs gelernt hat.
Die deutsche Sprache besitzt viele Färbungen und Dialekte, je nach Region können diese ganz schön stark vom Hochdeutschen abweichen. Doch gerade auch diese Fleckchen Deutschlands sind einen Besuch wert. Zur Orientierung in der deutschen Dialektvielfalt werden hier in den nächsten Wochen die wichtigsten deutschen Dialekte mit einer kleinen Vokabel-Liste vorgestellt.

Kauderwelsch, Teil 1: Bayerisch


Griaßdi – Hallo (unter Freunden)
Griaß God – Guten Tag (formell)
Pfiaddi – Tschüss
Auf Wiederschau’n – Auf Wiedersehen
Wos gibts Neis? – Was gibt es Neues?
Dusl g’habt! – Glück gehabt!
Mei, is des schee! – Oh, ist das schön!
fei – ohne Entsprechung, ein verstärkendes Füllwort
Ha? – Wie bitte?
Semmel – Brötchen
a Boar Weißwürscht, bittschen – ein Paar Weißwürste, bitte
Kreizbirnbamundhollastauern – Kraftausdruck
Samma wieda guad! – Es tut mir leid!

Kauderwelsch, Teil 2: Sächsisch


Besonders charakteristisch ist am Sächsischen, dass einerseits zwei Worte gerne verkürzt und zusammen gezogen werden können und andererseits insgesamt sehr weich gesprochen wird. So klingt das „a“ manchmal wie ein „o“ und das „o“ wiederum wie ein „u“.

Morschn! – Guten Morgen!
hammer – haben
wir simmer – sind wir
Disch – Tisch
Ährborn – Kartoffel
ausbaldoworn – auskundschaften
düschtsch – tüchtig
feixn – lachen
guggn – schauen
nee – nein
nu – ja
Radscho – Radio
Schälschn Heeßn – Tasse Kaffee
Schuldschung – Entschuldigung

Kauderwelsch, Teil 3: Kölsch

Wusstet ihr, dass Kölsch auch eine Art von Bier ist? In schmalen 0,2-Liter-Gläsern ausgeschenkt, ist es einer der Exportschlager aus dem Rheinland, der inzwischen in den Kölsch-Kneipen in ganz Deutschland verbreitet ist.
Der Dialekt, der zu diesen Kneipen gehört, klingt für mich immer ein wenig nach Karneval, denn Köln ist berühmt für sein närrisches Treiben und die Karnevals-Sitzungen mit ihren endlosen Büttenreden, die natürlich auf Kölsch gehalten werden.
Außerdem klingt Kölsch ein wenig so, als hätte der Sprecher gerade den Mund voll Glasmurmeln – oder als hätte er ein paar Kölsch zu viel getrunken...
Besonders typisch für Kölsch ist der rheinische Singsang, dabei wird zum Beispiel „g“ zu „j“ und „das“ zu „dat“. In einigen kölschen Redensarten drückt sich auch die Lebenseinstellung der Kölner aus:

Et kütt wie et kütt. - Es kommt, wie es kommen muss.
Levve un levve loße! - Leben und leben lassen!
jeck sein – Verrückter, verrückt sein
Butz – Kuss
Sabbelschnüß – Schwätzer

Außerdem kennt das Kölsch sogar eine eigene Grammatik. Hier die kölsche Deklination von „kommen“: ich kumme, do küss, hä kütt, mir kumme, ehr kutt, se kumme

Kauderwelsch, Teil 4: Berlinerisch


Im Berlinerischen gibt es Einflüsse aus dem Sächsischen, dem Jiddischen und dem Französischen. In dieser wilden Mischung wird beispielsweise „g“ zu „j“, „au“ zu „o“ und „ei“ oft zu einem langen „e“. Deshalb „jibt“ es in Berlin „och“ Leute, die „Beene“ statt Beine sagen.
Andere typische Vokabeln des Berlinerischen sind:

icke – ich
kiecken – gucken, schauen
Ooge – Auge
verduften – abhauen
Flosse – Hand
Fatzke – arroganter Kerl
Schrippe – Brötchen

Am schönsten – wenn auch nicht unbedingt grammatikalisch korrekt – ist aber eine Liebeserklärung auf Berlinerisch: „Ick liebe dir.“

Kauderwelsch, Teil 5: Schwäbisch


Gerade die Schwaben sind es, die mit ihrer Kampagne „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ für sich Werbung machen. Dabei überwindet das Schwäbische auch die Landesgrenzen zwischen Baden-Württemberg und Bayern: Der Dialekt wird in der Mitte und im Südosten Baden-Württembergs ebenso gesprochen wie im Südwesten Bayerns – mit kleinen regionalen Unterschieden, versteht sich.
Gemeinsam ist den Schwaben, dass sie Dinge gerne kleiner machen als sie sind. Eine Tür ist hier ein „Türle“, eine Straße ein „Gässle“ und selbst das Bundesland Baden-Württemberg wird zum „Ländle“. Allgegenwärtig ist im Schwäbischen auch das „Sch“: ich bin, du bisch, er isch...
Weitere Wörter, die man zu hören bekommt, wenn jemand Schwäbisch „schwätzt“:

Reigschmeckte – Bewohner, die nicht aus Schwaben kommen
Flädlasupp – Pfannkuchen-Suppe
bäbba – kleben
hudla – etwas schnell (und schlampig) machen
Gschäft – Arbeitsstelle
Vierdele – Glas Wein (Viertelliter)
a bissle – ein wenig
Noi – Nein
Ade – Tschüss

Kauderwelsch, Teil 6: Norddeutsch


An der Ostseeküste und in Mecklenburg-Vorpommern muss man sich auf eine ganz besondere regionale Spezialität gefasst machen: Plattdüütsch, also Plattdeutsch. Dabei sagen Platt-Sprecher zu Recht: „Platt is keen Dialekt, Platt is 'ne Sprok.“ Platt ist tatsächlich eine eigene Sprache mit einer langen Tradition. Dementsprechend schwierig zu verstehen sind manche Vokabeln – und das, obwohl die Norddeutschen nicht einmal besonders schnell sprechen, sondern die Wörter gerne dehnen und langziehen:

'n Hus – ein Haus
Buddel – Flasche
Klönschnack – Gespräch
Diern – Mädchen
lütt – klein
tüddeln – verrückt sein, herumspinnen
vertellen – erzählen
tauhöan – zuhören

Karin Janker,
aus der Nähe von Regensburg. Während ihres Journalistik-Studiums absolvierte sie ein Auslandspraktikum in Buenos Aires; im Rahmen ihrer Diplomarbeit über die Aufarbeitung der argentinischen Militärdiktatur kehrte sie für einen Recherche-Aufenthalt dorthin zurück. Dem Journalistik-Studium folgte ein Master-Studiengang, in dem sie sich nun vor allem mit romanischer Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte beschäftigt. Neben ihrem Studium arbeitet sie als freie Journalistin für verschiedene deutsche Printmedien.

Copyright: Todo Alemán
September 2012

Originalsprache: Deutsch

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