Überleben

Schwein gehabt! Was die Deutschen für Glücksbringer halten –
und warum

Foto (Ausschnitt): superscheeli @flickr, CC BY-SA 2.0Foto (Ausschnitt): superscheeli @flickr, CC BY-SA 2.0

Foto (Ausschnitt): superscheeli @flickr, CC BY-SA 2.0

Schwarze Katzen, Freitag der Dreizehnte, umgestoßene Salzstreuer – das bringt alles Unglück, glaubt man in Deutschland. Doch es gibt ein Gegenmittel: Glücksbringer sollen das Unheil auf Abstand halten. Die Tradition klassischer deutscher Glücksbringer reicht teilweise Jahrhunderte zurück. Oft ist sie christlichen Ursprungs.

Klee und Käfer: christliche Symbole als Glücksbringer

Christlichen Ursprungs ist zum Beispiel das Kleeblatt, das in Deutschland wie kein anderes Symbol für Glück steht. Achtung: Vier Blätter muss es haben! Drei gelten nicht. Denn es heißt, dass Eva bei der Vertreibung aus dem Paradies ein vierblättriges Kleeblatt mitnahm – um sich später an die schöne Zeit im Paradies erinnern zu können. Zu Silvester wird Glücksklee millionenfach in Gärtnereien gezüchtet, um ihn als Topfpflanze verschenken zu können. Hardliner sagen:
Das ist geschummelt. Um tatsächlich Glück zu bringen, muss das vierblättrige Kleeblatt in freier Natur gefunden werden. Weil das gar nicht so einfach ist, hat der Finder erst recht Glück gehabt. Die Glücksspirale schließt sich.

Auch der Marienkäfer ist ein christliches Glückssymbol. Wie sein Name schon verrät, wird das rote Insekt mit schwarzen Punkten der Jungfrau Maria zugeschrieben. Sie schickte ihn angeblich als Geschenk auf die Erde – ein Geschenk, das vor allem den Bauern nutzte. Denn der Marienkäfer frisst Läuse und andere Schädlinge von den Pflanzen. Die Ernte wurde ertragreicher, wenn Marienkäfer auf Getreidehalmen krabbelten und von Baum zu Baum flogen. Reiche Ernte war früher ein großes Glück. Noch heute glauben die Deutschen daran, dass es Glück bringt, wenn ein Marienkäfer Mensch mit Baum verwechselt – und auf ihm landet.

Her damit! Für manche Talismane werden Deutsche sogar handgreiflich

„Schwein gehabt“ ist eine Redewendung, die man in Deutschland öfter hört. Sie bezieht sich auf einen deutschen Glücksbringer, der mittlerweile gern als Marzipanfigur verschenkt wird: das Schwein. Mit dem Christentum haben Schweine nichts am Hut. Dass sie als Glücksbringer gelten, hat einen recht simplen Grund: Viele Schweine zu haben, galt im Mittelalter als Zeichen von Reichtum und Wohlstand. Ihre Besitzer mussten nie hungern. Ähnlich wie eine gute Ernte galt auch erfolgreiche Viehhaltung als Zeichen großen Glücks. Schon war das Schwein als Glücksbringer geboren. Warum es Rinder, Schafe oder Hühner nicht zum Glückssymbol geschafft haben, ist nicht überliefert.

Beim Schornsteinfeger denken die Deutschen ähnlich: War der Kamin verstopft, musste der Mann in Schwarz ran, um ihn wieder frei zu bekommen. Anschließend konnte endlich wieder gekocht werden. Auch die Brandgefahr ging zurück. Noch heute bringt es deshalb angeblich Glück, einen Schornsteinfeger zu sehen. Noch mehr Glück hat jeder, der an einem silbernen Knopf seiner schwarzen Uniform, dem sogenannten Rußgewand, dreht. Viele deutsche Schornsteinfeger beschweren sich deshalb über Knopfverlust. Beim Drehen reißen Glückssuchende den Knopf nämlich auch gerne einmal ab.

Falsche Richtung? Bei Glücksbringern herrscht Ordnung

Reichtum und Essen stehen in Sachen Glück hoch im Kurs. Aber es gibt auch Romantiker. Den Verliebten verdanken die Deutschen das Hufeisen als Glückssymbol. Denn in Zeiten vor Telefon und SMS kamen Liebesbriefe per Postkutsche. Und die wurde von Pferden gezogen. Das Hufeisen eines solchen Pferds zu ergattern, galt als noch größeres Glück als der Liebesbrief selbst. Traditionell wird das Hufeisen über die Eingangstür gehängt. Nur am „wie“ scheiden sich die Geister: Manche hängen das Hufeisen mit der Öffnung nach oben auf, damit das Glück nicht herausfällt. Manche hängen es aber auch mit der Öffnung nach unten auf. Begründung: Das Glück soll ja gerade herauskommen.

Von Socken und Unterhosen: moderne deutsche Glücksbringer

Neben dem Vertrauen in traditionelle Glücksbringer glaubt ein Viertel der Deutschen auch an die Wirkung von persönlichen Talismanen. Es gibt wohl keinen Gegenstand, den nicht mindestens ein Deutscher zum Glückssymbol auserkoren hätte. Manche schreiben Prüfungen immer nur mit ein und demselben Stift, tragen verschiedenfarbige Socken oder sogar Glücksunterhosen – der Fantasie und dem Aberglauben sind keine Grenzen gesetzt.
Das Schöne ist: Es hilft tatsächlich. In einer Studie aus dem Jahr 2010 bewies die Wissenschaftlerin Lysann Damisch, dass sich Glücksbringer tatsächlich positiv auf den Erfolg bei Prüfungen auswirken. Allein der Glaube daran, einer Herausforderung mit einem Talisman begegnen zu können, zaubert schon neue Kraft. Ganz egal, ob Klee, Schwein oder Unterhose.

Tatjana Kerschbaumer
ist Absolventin der Deutschen Journalistenschule, sie arbeitete bisher für den „Münchner Merkur“, die „Abendzeitung“ und den Berliner „Tagesspiegel“ – vor allem im Bereich Kultur.

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Juni 2014

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