Überleben

Herr Doktor, was fehlt mir?

Foto: (CC0 1.0) DarkoStojanovic, pixabay.com

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Ein Besuch beim Arzt ist eine der größten Herausforderungen für Spanier, die in Deutschland leben.

Zu den rein sprachlich bedingten Verständigungsproblemen zwischen Patient und Arzt kommt noch das mangelnde Wissen über das deutsche Gesundheitswesen – es ist so komplex, dass wir manchmal, wenn wir krank werden, lieber zu Hause bleiben und darauf warten, dass die Krankheit genauso verschwindet, wie sie gekommen ist: von allein.

Schon beim Betreten der Arztpraxis werden die Unterschiede deutlich. Als ich das erste Mal ein Wartezimmer betrat, verschlimmerten sich meine Schmerzen mit jedem „Luxusdetail“, das ich entdeckte, denn ich war felsenfest davon überzeugt, dass mein Besuch ein Riesenloch in mein Budget reißen würde. Sitzplätze für gerade einmal zehn Patienten, dazu Wasser für alle und ein kleiner Spielbereich für Kinder – es konnte sich nur um eine Privatpraxis handeln! Als mir der Arzt sagte, dass es sich um keine Privatpraxis handele und dass alle Kosten durch meine Krankenversicherung gedeckt seien, war ich so erleichtert, dass ich die Praxis viel gesünder verließ, als ich sie betreten hatte.

Ein weiterer großer Unterschied zum spanischen System besteht in der freien Arztwahl. Wenn Ihr also kein Deutsch sprecht, könnt Ihr Euch einen Arzt suchen, der die Sprache von Cervantes beherrscht. Aber Vorsicht! Es gibt einige Vertreter der Zunft, die auf Ihren Websites behaupten, dass sie perfekt Spanisch sprechen, und dann entdeckt man schnell, dass diese Behauptung falsch ist.

Ich habe das selbst am eigenen Leib erlebt, als ich bei einer Dermatologin in Behandlung war, die laut eigenen Aussagen Spanisch sprach.

Als sie mir ihre Diagnose mitteilen wollte, deutete sie über fünf Minuten lang auf eine Lampe aus Metall neben ihrem Schreibtisch, während ich Blut und Wasser schwitzte, weil ich einfach nicht wusste, worauf sie hinauswollte. Auf wundersame Weise verstand ich schließlich, was sie mir sagen wollte: meine Eisenwerte waren genauso mangelhaft wie ihre Spanischkenntnisse.

Ana Gragera
arbeitet als Spanischlehrerin in München, und diese Arbeit verbindet sie mit ihren beiden anderen Leidenschaften: dem Journalismus und dem Schreiben. Sie liebt die Natur im Süden Deutschlands, insbesondere die Alpen und die majestätischen Seen, von denen es in Bayern reichlich gibt.

Copyright: rumbo @lemania
September 2015

Originalsprache: Spanisch

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