Überleben

Tageszeitungen direkt an der Straßenecke

© Ana Gragera

© Ana Gragera

Sicher habt Ihr die folgende Szene schon einmal gesehen, sie kommt in zahlreichen amerikanischen Filmen vor: Der Hauptdarsteller geht zu Fuß durch die Stadt und mitten auf der Straße trifft er auf einen durchsichtigen Kasten, in dem ein großer Stapel Zeitungen liegt. Er nimmt eine Münze aus seiner Geldbörse, wirft sie in den Schlitz am Rand des Kastens, hebt den Deckel hoch und nimmt sich eine Tageszeitung heraus. Ganz einfach.

Bevor ich nach Deutschland kam, hatte ich immer gedacht, dass es diese Kästen voller Zeitungen nur in den USA gäbe. Wenn man sich in Spanien informieren möchte, muss man den nächsten Kiosk aufsuchen und hoffen, dass er gerade geöffnet ist – sonst geht man leer aus.

So war es für mich eine Überraschung, als ich bei einem Spaziergang durch München zum ersten Mal diese Kästen entdeckte, die in Deutschland an fast jeder Straßenecke stehen. Im Unterschied zu den USA hebt man hier zuerst den Deckel hoch, nimmt sich eine Zeitung und bezahlt dann. Ja, die Leute zahlen wirklich! „Bild“ und andere Boulevardzeitung kosten weniger als einen Euro, sie liegen in offenen Kästen aus, an deren Seite eine kleine Büchse mit einem Schlitz angebracht ist – im Vertrauen darauf, dass die ehrlichen Leser nach der Entnahme der Zeitung es nicht „vergessen“, die Münze einzuwerfen.

Es gibt aber auch gut geschützte, mit Spezialschlössern gesicherte Kästen mit vielen unterschiedlichen, kompliziert anmutenden Schlitzen, und man vermutet zunächst, dass im Kasten eher Goldbarren als Zeitungen aufbewahrt werden. Hier muss man zuerst das Geld einwerfen, sonst kriegt man den Deckel partout nicht auf. In diesen Kästen liegen die seriöseren Tageszeitungen aus, die pro Ausgabe bis zu 2,50 Euro kosten können. Es gilt der althergebrachte Grundsatz: „Zuerst zahlen, dann lesen!“

Wie dem auch sei: Dank dieser Kästen kann man sich immer und fast überall eine Tageszeitung besorgen. Also: „insert coin“, und los geht's mit der Lektüre.

Ana Gragera
arbeitet als Spanischlehrerin in München, und diese Arbeit verbindet sie mit ihren beiden anderen Leidenschaften: dem Journalismus und dem Schreiben. Sie liebt die Natur im Süden Deutschlands, insbesondere die Alpen und die majestätischen Seen, von denen es in Bayern reichlich gibt.

Copyright: rumbo @lemania
Oktober 2015

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen.

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