Überleben

Grüße aus Deutschland

Foto: (CC0 1.0) DasWortgewand, pixabay.com

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Zwei Küsse auf die Wangen, ein fester Händedruck oder eine herzliche Umarmung – dies sind nur einige Beispiele dafür, dass wir Spanier der Person, die wir begrüßen oder von der wir uns verabschieden, unsere Zuneigung gerne durch Körperkontakt zeigen. Wir wissen ganz genau, wie man sich – zumindest in Spanien – zu begrüßen und zu verabschieden hat und zweifeln nie daran, wie wir dies je nach Situation, Ort und der Person, die wir vor uns haben, tun müssen.

Diese Sicherheit schwindet jedoch dahin, wenn man in Deutschland lebt, denn hier spielt die Distanz zu anderen Personen eine größere Rolle. Uns Spaniern fällt es schwer, die richtige Form einer Begrüßung oder Verabschiedung zu finden und dabei nicht unhöflich zu wirken. Wir alle kennen diesen Blick nach dem Motto „Wieso gibst du mir zwei Küsse, wenn wir uns gar nicht kennen?“ nur allzu genau.

Es ist mir schon häufiger passiert: Als ich einem Jungen, der mir gerade vorgestellt worden war, zwei Küsse geben wollte, ging er auf halbem Weg auf Distanz, er unterband meine Absichten, indem er mir sein Hand entgegenstreckte. Denn Deutsche küssen im Allgemeinen nur die Familie oder sehr enge Freunde. Sie sind die einzigen, die nicht mit einem kalten Händedruck begrüßt werden. Aber Vorsicht, bitte nur einen Kuss, denn zwei Küssen wären wirklich zu viel des Guten.

Eine weitere spanische Angewohnheit ist in Deutschland ebenfalls unbekannt: der „Abschiedsgruß“, den wir verwenden, wenn wir einen Bekannten auf der Straße treffen, aber keine Zeit haben, stehenzubleiben. Dann sagen wir anstatt „hola“ nämlich „hasta luego“, bis demnächst.

Und noch ein Tipp: Wenn du nicht unbedingt bei den Deutschen als unzuverlässig gelten möchtest, dann spare dir den typisch spanischen Abschiedssatz „Ich rufe dich an, und wir machen was aus!“, wenn du deiner Ankündigung keine Taten folgen lässt. Die Deutschen können sich häufig nämlich einfach nicht vorstellen, dass wir Spanier sogar beim Begrüßen und Verabschieden nicht alles wortwörtlich meinen.

Ana Gragera
arbeitet als Spanischlehrerin in München, und diese Arbeit verbindet sie mit ihren beiden anderen Leidenschaften: dem Journalismus und dem Schreiben. Sie liebt die Natur im Süden Deutschlands, insbesondere die Alpen und die majestätischen Seen, von denen es in Bayern reichlich gibt.

Copyright: rumbo @lemania
November 2015

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen

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