Chance

Spanier sagt aus Berlin Schach an

 Foto: privat

Der junge Emilio Moreno bei einem Schachturnier, im Hintergrund die Großmeister Schirov und Anand


Emilio Moreno Tejera stammt aus einem kleinen Dorf in der Extremadura. Er ist alles andere als ein gewöhnlicher junger Mann. Im Alter von nur 27 Jahren wurde Emilio internationaler Schachmeister. Zwei Jahre später feierte er sein Debüt in der ersten Schachbundesliga.
Zurzeit spielt Emilio für den Berliner Club SK König Tegel; neben ihm gibt es nur noch einen weiteren Spanier, der in der Bundesliga spielt – einer der stärksten und ältesten Schachligen der Welt. Emilio muss seine Tätigkeit als Architekt in Berlin mit den Schachturnieren an den Wochenenden unter einen Hut bringen. An diesen Turnieren nehmen viele Großmeister der internationalen Schachelite teil.

In welchem Alter hast du mit dem Schachspielen begonnen und woher kam die Begeisterung für diesen Sport?
Ich kann nicht mehr genau sagen, wie alt ich damals war. Ich glaube neun oder zehn Jahre, ich fing also relativ spät an. Mein Vater brachte mir das Schachspielen bei, wobei sich seine Begeisterung auf mich übertrug.

Während deiner Studienzeit trat das Schachspiel in den Hintergrund und du nahmst auch nicht mehr an hochklassigen Wettbewerben teil. Fiel dir das damals schwer? Wann fiel die Entscheidung, wieder an Wettbewerben teilzunehmen?
Zunächst war es keine leichte Entscheidung, nicht mehr an Wettkämpfen teilzunehmen, ich spielte auf sehr hohem Niveau und hatte beste Zukunftsaussichten, hatte mich aber entschlossen, mein Architekturstudium abzuschließen. Danach musste ich feststellen, dass die Berufsaussichten für Hochschulabgänger desaströs waren. Dies erlaubte mir jedoch, meine Leidenschaft für das Schachspiel wiederzubeleben.

Mit nur 27 Jahren wurdest du Internationaler Meister und gehörst seitdem zur Elite der 113 spanischen Schachspieler, die diesen Titel tragen. Wie fühltest du dich, als dir dieser Titel verliehen wurde?
Ich empfand eine große persönliche Genugtuung, es war eine Belohnung für meine Arbeit und Mühe, aber nicht nur für mich, sondern für alle Menschen, die mich in meiner Laufbahn unterstützt und mir vertraut haben, insbesondere mein Vater.

In welchem Jahr bist du nach Deutschland gezogen und warum hast du dich gerade für Berlin entschieden?
Das war 2013, und eigentlich habe ich diese Entscheidung relativ spontan getroffen. Die Lage auf dem spanischen Arbeitsmarkt war schlecht. Ich hatte Berlin bereits 2010 besucht – die Architektur dieser Stadt und ihr kulturelles Leben hatten mein Interesse geweckt.

In der Saison 2014/2015 begannst du deine Laufbahn als spanischer Schachspieler in der deutschen Bundesliga im Team des SF Berlin 1903. Konntest du einen Unterschied zwischen deutschem und spanischem Wettbewerb bemerken?
Es gibt einen bemerkenswerten Unterschied. In gewisser Weise läuft der Wettbewerb in Deutschland zu strukturiert ab, man muss aber anerkennen, dass er besser organisiert ist.

In dieser Saison spielst du für den SK König Tegel. Wie geht es dir in diesem neuen Team und warum hast du den Club gewechselt?
Es gibt bestimmte Momente, in denen man sich entscheiden muss, und ich wollte mir die Gelegenheit eines Wechsels nicht entgehen lassen. Der SK König Tegel ist ein sehr bescheidener, unprätentiöser Club. Zwar bleiben die erhofften Erfolge noch aus, ich durfte abet gegen international sehr starke Gegner antreten. So konnte ich zum Beispiel gegen den Großmeister Alexei Schirow spielen, eine wahre Schachlegende. Schon als Kind war er ein Idol für mich.

Bist du in der Bundesliga auch auf andere Schachspieler aus Spanien gestoßen? Gibt es noch andere Nationalitäten, die in der Bundesliga spielen?
Bisher hatte ich leider noch nicht das Glück, hier gegen andere Schachspieler aus Spanien antreten zu können. Dieses Jahr nehmen am Wettbewerb nur zwei spanische Schachspieler teil, es gibt aber viele Spieler aus anderen Ländern. So habe ich dieses Jahr beispielsweise gegen Gegner aus Russland, Holland, Österreich, Tschechien, Polen, Rumänien, Lettland usw. gespielt.

In Deutschland ist Schach sehr populär, es hat eine lange Tradition. Wo steht das Schachspiel heute in Deutschland? Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Schach ist in Deutschland wirklich sehr populär, und der Nachwuchs ist vielversprechend. Dank der neuen Technologien hat sich dieser Sport weiterentwickelt, so kann man über das Internet heute bequem von zu Hause aus eine Partie spielen. Es gibt Plattformen, auf denen die Spieler gegeneinander antreten können, ohne sich auch nur einen Meter von zu Hause fortzubewegen. Es wäre sehr wünschenswert, dass Schach fester Bestandteil des Unterrichts und auch in Krankenhäusern gelehrt würde, denn es fördert strategisches Denken und Kreativität. Schach eignet sich auch sehr gut als therapeutische Maßnahme für kranke Kinder oder ältere Menschen.

Als Spieler der ersten Liga musst du viel reisen, um an Turnieren teilnehmen zu können. Wie siehst du deine Zukunft als Schachspieler in Deutschland? Wie schwierig ist es für dich, deinen Beruf mit einer so starken Liga wie der Bundesliga zu vereinbaren?
Ich finde es sehr schwierig, Beruf und Hobby miteinander in Einklang zu bringen. Schach ist eine meiner großen Leidenschaften; da ich aber als Architekt viel beschäftigt bin, bleibt mir nicht die Zeit, die ich gerne für dieses Hobby hätte. Trotzdem kann ich an Wettbewerben teilnehmen, wobei es mir vor allem um die Freude am Spiel geht.



Ana Gragera arbeitet als Spanischlehrerin in München, und diese Arbeit verbindet sie mit ihren beiden anderen Leidenschaften: dem Journalismus und dem Schreiben. Sie liebt die Natur im Süden Deutschlands, insbesondere die Alpen und die majestätischen Seen, von denen es in Bayern reichlich gibt.

Copyright: rumbo @lemania
Juni 2017

Bei diesem Text handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Spanischen.

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