Kristina Bodnar in London

Ein bisschen 'deutsches' sollte bleiben!

Kristina Bodner besucht das GI-London
Kristina Bodner besucht das GI-London
Ich bin Studentin beim MPW College in South Kensington, London. Es ist ein 'Sixth Form College' und ich bin in meinem letzten Jahr. Nach der Schule möchte ich Deutsch bei University College London studieren.

Ich bin halb Deutsche und halb Russin, bin aber in Budapest, in der Hauptstadt von Ungarn, geboren. Es ist mir immer schwer gefallen, mich zu einer bestimmten Nation dazugehörig zu fühlen. Aber seitdem ich vor drei Jahren nach London gezogen bin, fühle ich mich nicht mehr Fehl am Platz.

Ich habe 9 Jahre lang die Deutsche Schule in Budapest besucht und deswegen war ich immer mit deutschen Schülern zusammen. Aber nicht nur aus Deutschland, auch aus Osterreich und der Schweiz, deswegen habe ich viel von diesen Ländern und ihren Traditionen gelernt, obwohl ich nie anderswo gelebt habe. Das hat mir auch erlaubt, viel nach Deutschland zu reisen, da ich Freunde die zurück nach Deutschland gezogen sind, besuchen wollte. Ich hatte auch viele Klassenfahrten nach Deutschland unternommen und deswegen viele interessante Städte besichtigt.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal nach Ulm mit meinen Klassenkameraden gefahren bin. Wir haben eine Woche lang im Ulmer Museum gearbeitet und mit den Schülern aus Ulm die Stadt entdeckt. Ich habe mich sehr wohl dabei gefühlt und es ist mir so vorgekommen, als ob ich da gewohnt hätte. Ich fühle mich zur Deutschland hingezogen da ich so viele gute Erinnerungen habe und mich so viel mit der deutschen Kultur und Geschichte in der Schule beschäftigt habe.

Ich war immer etwas isoliert in Ungarn gewesen, da ich mich fast nur mit Deutschen unterhalten habe, deutsches Fernsehen geguckt habe und deutsche Zeitungen gelesen habe. In der Schule gab es immer einen Weihnachtsbazar im Winter, den ich immer noch vermisse. Ich habe mich sehr an die deutschen Traditionen gewöhnt und das ist etwas komisch, da schon wie gesagt ich nie in Deutschland gelebt habe.

Am meisten liebe ich die Winterzeit in Deutschland. Wenn es hier den ‘Winter Wonderland’ in Hyde Park gibt, versuche ich fast jeden Tag dahin zu gehen. Es gibt eine tolle Atmosphäre, fast wie in Deutschland. Das erinnert mich an die tollen Christkindlmärkte in München, wo man Plätzchen, Glühwein und Punsch kaufen kann.

Ich fand es schwierig, mich an die Engländer zu gewöhnen, nachdem ich mein ganzes Leben lang in einem sozusagen ‘deutschen Umfeld’ verbracht habe. In der Deutschen Schule hat man mir beigebracht, immer pünktlich und organisiert zu sein. Ich kann jetzt behaupten, dass ich mich sehr viel verändert habe. Was mich am Anfang sehr geärgert hat, macht mir jetzt nichts mehr aus.

Ich habe sehr viel von den Engländern gelernt und das wichtigste war bestimmt ‘take it easy’. Als ich nach London gezogen bin, hatte ich das Gefühl, dass alle gegen mich arbeiten und ich wollte immer alles selber kontrollieren und planen. In dieser Hinsicht sind die Engländer sehr anders und am Anfang war mir das ziemlich fremd. Auch mit der Sauberkeit haben sie es nicht am Hut. Als ich mit meinen Eltern eine Wohnung gesucht habe, sind mir alle Wohnungen sehr dreckig vorgekommen. Ich bin zwar immer noch Sauberkeitsfanatikerin aber sicher nicht so wie früher.

Ich stelle fest, dass obwohl ich mein Leben in London sehr genieße, vermisse ich vor allem die deutschen Traditionen, an die ich so gewöhnt bin. Deswegen möchte ich auch Deutsch studieren, damit ich London nicht verlassen muss, aber ein bisschen ‘deutsches’ in meinem Leben habe.

Artikel von Kristina Bodnar in London

November 2010

Kristina ist neunzehn Jahre alt, und lernt Deutsch, Photographie und Kunstgeschichte beim privaten Sixth Form College (Gymnasium) Mander Portman Woodward, in South Kensington, London. Naechstes Jahr möchte Kristina Deutsch beim UCL in London studieren um spaeter in PR/Marketing oder Journalismus zu arbeiten.

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