Liebe zwischen den Kulturen

Liebe zwischen zwei Kulturen

Copyright: ColourboxCopyright: ColourboxDie Deutschen sind mobil, reisen um die Welt, im Job, im Urlaub. Und nicht selten lernen sie dabei ihren Partner fürs Leben kennen. Fast zweieinhalb Millionen Ehepaare, von denen nur einer oder keiner der Partner die deutsche Staatsangehörigkeit hat, leben in Deutschland.

Bi- und multinationale Paare leben mit, manchmal auch zwischen zwei Kulturen. Hiltrud Stöcker-Zafari, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin beim Verband binationale Familien und Partnerschaften iaf kennt die typischen Konfliktlinien: "Oft gibt es Meinungsverschiedenheiten zu den Themen Familie, Geld und Erziehung. Der Familienbegriff kann unterschiedlich gefasst sein, zum Beispiel kann es Unterschiede darin geben, wer zu der Familie zählt oder auch wie sehr Familienmitglieder finanziell unterstützt werden sollen und müssen."

Der Mix der Kulturen hat aber vor allem positive Seiten: "Die Paare empfinden es oft als eine enorme Erweiterung ihres Horizonts, direkte Einblicke in das Alltagsgeschehen anderer Länder, in das Familienleben einer anderen Kultur zu bekommen, sind neugieriger und interessierter Menschen fremder Länder gegenüber, die Partnerschaft bietet Möglichkeiten, eigene Einstellungen und Haltungen zu überprüfen und eröffnet eine Vielfalt an Verhaltensmöglichkeiten", so Stöcker-Zafari.

Zitat Heimat: Ipek und Domna, MP3, 1:07 Min.
Zitat Kulturmix: Kai, MP3, 0:27 Min.
Zitat Kulturmix: Peter, MP3, 1:02 Min.
Zitat Sprache: Lars, MP3, 0:22 Min.
Zitat Zuhause: Linda und Lars, MP3, 1:24 Min.

"Man wird toleranter und offener"

Copyright: ColourboxPeter Böhm aus Österreich und die Griechin Domna Xanthopoulou können das nur bestätigen. "Ich lerne die Kultur aus einem anderen Blickwinkel kennen, nicht nur als Tourist, sondern im täglichen Leben. Das finde ich nach wie vor sehr spannend", sagt der Diplompsychologe, der seit 2006 mit Domna verheiratet ist und mit ihr in München lebt. "Man lernt viel von dem anderen, wird toleranter und offener. Das ist für mich etwas Besonderes", fügt Domna hinzu. Für Kai Blask bedeutet die Ehe mit seiner aus der Türkei stammenden Frau Ipek vor allem einen Familienzuwachs "von vier auf vierzig".

Im Gegensatz zu Domna und Ipek ist Linda Galetzki nicht in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie kam über das Austausch-Programm AIESEC von Australien nach Deutschland und lernte dabei in Hamburg ihren Mann Lars kennen. Ihre Ehe ist dreifach international, denn Lars ist bereits eine Mischung: seine Mutter ist Finnin. "Das finde ich toll", sagt Linda. "Sie versteht, wie das ist, wenn ich Heimweh oder das Gefühl habe, dass Manches zuhause besser ist." Doch Linda fühlt sich aber ebenso wie Domna und Ipek, die inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat, in Deutschland sehr wohl. Ipek fühlt sich sogar als Deutsche. Zumindest in Deutschland. "In der Türkei ändert sich das, ich spreche türkisch und es ist, als wäre ich immer dort." Domna denkt da anders: "Deutschland ist mein Zuhause, ich bin hier voll integriert, aber ich fühle mich absolut als Griechin. Ich bin eine Griechin, die in Deutschland lebt."

In Griechenland zu leben, können sich Domna und Peter nicht vorstellen, in Österreich eher. Dennoch lernt Peter Griechisch, um sich mit seiner Verwandtschaft und mit der Bevölkerung vor Ort unterhalten zu können – und vor allem, um später einmal seinen Sohn Andreas zu verstehen, der zweisprachig aufwachsen soll. Auch Liam, der Sohn von Linda und Lars lernt zwei Sprachen, englisch und deutsch. Für die drei steht ein Umzug derzeit auch nicht auf dem Plan, vorstellen können sie sich ein Leben in Australien oder Skandinavien aber schon. Ähnlich geht es Ipek und Kai. Pläne, in der Türkei zu leben, haben sie derzeit keine, ausgeschlossen aber ist es nicht. Kai lernt auf jeden Fall schon mal Türkisch.

Viel Bürokratie

Copyright: ColourboxEuropäer wie Domna und Peter können in der Europäischen Union leben und arbeiten, wo sie wollen. Linda dagegen brauchte anfangs eine Aufenthaltsgenehmigung. Papiere sind immer ein großes Thema, bi- oder gar multinationale Hochzeiten oft mit enormem bürokratischem Aufwand verbunden. Besonders wenn ein Partner aus einem Land mit Visa-Pflicht und vor allem aus einem der so genannten "Problemländer" kommt, wie Stöcker-Zafari sagt. Dazu gehören zum Beispiel die Länder Westafrikas oder Südostasiens. "Immer öfter zweifeln Behörden die Gültigkeit von Urkunden oder Dokumenten und die Aufrichtigkeit der Verbindung an."

Wenn die Paare sich zu einer deutsch-ausländischen Ehe entschlossen haben, so ist neben dem deutschen auch das nationale Recht des nichtdeutschen Partners beziehungsweise der nichtdeutschen Partnerin zu berücksichtigen, damit die Eheschließung auch im jeweiligen Heimatland gültig ist. Am Standesamt wird geprüft, ob die Verlobten nach ihrem jeweiligen Recht die Ehe schließen dürfen. Deutsche brauchen dann zur Anmeldung der Eheschließung in Deutschland einen gültigen Personalausweis oder einen Staatsangehörigkeitsnachweis, eine Geburtsurkunde und eine Meldebestätigung. Bestand schon einmal eine Vorehe, muss das rechtskräftige Scheidungsurteil vorgelegt werden. Ausländische Verlobte benötigen ebenfalls eine Geburtsurkunde/Abstammungsurkunde, einen Reisepass, aus dem die Identität und die Staatsangehörigkeit hervorgeht, eine Melde- beziehungsweise Aufenthaltsbestätigung und darüber hinaus sofern das Heimatrecht dieses Dokument kennt ein Ehefähigkeitszeugnis.

Viele ausländische Dokumente müssen inzwischen nicht nur übersetzt, sondern von der Innenbehörde des ausstellenden Staates beglaubigt und von den deutschen Auslandsvertretungen (Botschaften, Konsulate) legalisiert werden. In einigen Ländern (zum Beispiel Indien, Nigeria, Pakistan, Sri Lanka, Demokratische Republik Kongo) fordern die deutschen Auslandsvertretungen zur Glaubhaftmachung der Dokumente zusätzliche Unterlagen oder schalten einen so genannten Vertrauensanwalt ein, dessen Ermittlungen die binationalen Paare bezahlen müssen. Das kann bis zu eineinhalb Jahren dauern. Manchmal ist mit der Prüfung der Unterlagen auch eine persönliche Befragung verbunden. Weitere Informationen gibt es beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf.

Sechs Prozent aller in Deutschland lebenden Paare sind binational, zählt man die Paare dazu, bei denen beide Teile Ausländer sind, steigt die Zahl gar auf zwölf Prozent. Insgesamt gibt es rund 1,3 Millionen ausländisch-ausländische Paare rund ebenso viele deutsch-ausländische Paare, die meisten von ihnen sind verheiratet. Laut dem Mikrozensus 2005 des Statistischen Bundesamtes heirateten deutsche Männer vor allem Frauen aus Polen, der Russischen Föderation und der Türkei. Deutsche Frauen sind dagegen vor allem mit Türken, Italienern und Österreichern verheiratet.

Nicola Jacobi,
freie Journalistin in München

Copyright: Goethe-Institut, Online-Redaktion

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Dezember 2007

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