ihre Berufsträume

Die Qual der Berufswahl – Jugendliche hoffen auf Glück und Geld

„Und was kommt jetzt?“ Jugendliche vor der Frage aller Fragen (Foto: © dpa)

Was soll aus mir werden? Im Moment der Entscheidung werden Kinderträume meist mit Berufen ersetzt, die Erfüllung oder das große Geld versprechen. Das Richtige zu finden, ist gar nicht so leicht. Fünf Jugendliche sprechen über das Suchen und Finden der Profession.

Laurenz Schreiner (18) aus Hildesheim

Laurenz Schreiner (18) aus Hildesheim | Foto © privat Mein Traumberuf war lange Zeit Sportjournalist. Schon in der Grundschule habe ich täglich den Sportteil der Zeitung verschlungen. Die Mitarbeit bei der Schülerzeitung hat mir dann gezeigt, dass ich mich thematisch nicht einschränken möchte. Weil ich nach dem Abitur mit 17 noch nicht ins Ausland durfte, absolviere ich gerade ein Freies Soziales Jahr (FSJ) am Schauspiel in Hannover. Dort arbeite ich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Meldungen und Pressespiegel schreiben, Interviews organisieren und Flyer gestalten gehören zu meinen Aufgaben. Die Arbeit ist eine gute Vorbereitung auf das Journalistik-Studium, das ich anpeile. Das ist nach wie vor mein Ziel. Meine Eltern lassen mir freie Wahl, sind aber skeptisch, was meine späteren Berufschancen betrifft. Natürlich ist mir klar, dass immer auch Glück dazugehört, damit alles gut geht.

Thao Nguyen (20) aus Berlin

Thao Nguyen (20) aus Berlin | Foto © privat Seit meine Eltern vor 20 Jahren aus Vietnam nach Deutschland gekommen sind, arbeiten sie jeden Tag in ihrem Restaurant. Mein Vater hat eine kreative Ader, aber damit konnte er keine Familie ernähren. Vielleicht akzeptiert er deshalb, dass ich mich verwirklichen will und bezahlt mir das Studium an einer privaten Modeschule in Berlin. Auf Mode bin ich in der Schulzeit gekommen. Ich habe wenig Beachtung gefunden, bis ich anfing mich individueller zu kleiden. Die Leute sehen dich mit anderen Augen und hören dir plötzlich zu, wenn du anders angezogen bist. Ich habe über Mode Anerkennung bekommen. Weil ich gut zeichnen kann und mich fürs Nähen interessiere, überlegte ich mir, wie ich das zusammenbringe. Designen hat etwas Sorgloses. Es geht mir nicht um Ruhm. Ich möchte mich und andere glücklich machen. Ein persönlicher Bezug zu meiner Arbeit ist mir wichtig. Nur so wird sie wirklich gut. Das schönste Kompliment ist für mich, wenn die Leute sagen: „Thao, das sieht voll nach dir aus!“

Katherina Eisele (16) aus Badenweiler

Katherina Eisele (16) aus Badenweiler | Foto © privat Ich gehe gerne zur Schule. Aber ich finde, dass viele Lehrer ihren Job nicht so gut machen, wie sie eigentlich sollten. Oft sind sie stur und intolerant in der Bewertung. Ich denke, dass ich das besser könnte. Darum möchte ich Lehrerin für die Fächer Mathe, Chemie oder Geschichte werden. Einen sicheren Job zu haben, ist mir gerade in Zeiten der Finanzkrise wichtig. Allerdings muss ich für den Lehrerberuf noch mein Abitur nachholen. Jetzt schließe ich aber erst einmal die Realschule ab und gehe dann für ein High-School-Jahr in die USA. Ich werde bei einer Gastfamilie wohnen und ganz normal zur Schule gehen. Mir ist es wichtig, eine andere Kultur kennenzulernen und danach möglichst perfekt Englisch zu sprechen. Wenn es später mit dem Lehrerberuf nicht klappt, kann ich mir vorstellen, so wie meine Eltern, im Hotelgewerbe zu arbeiten. Praktika in dieser Richtung habe ich schon gemacht.

Patrick Depari (20) aus Berlin

Patrick Depari (20) aus Berlin | Foto © privat Schon in der Schule habe ich in der Theatergruppe mitgespielt. Als dort ein Vorsprechen stattfand, habe ich die Dozenten einer Schauspielschule so überzeugt, dass sie mir einen Studienplatz angeboten haben. Spontan habe ich zugesagt. Meine Mutter war geblendet. Sie dachte, ich werde ein Superstar. Mein Vater hingegen wollte, dass ich „etwas Richtiges“ mache, also Jura studiere. Mittlerweile ist er stolz auf mich. Schauspielern sehe ich als Handwerk an. Wir lernen mit unserem Körper umzugehen, wie man richtig spricht, atmet, sich bewegt. Ich bin ein spezieller Typ. So ist es schwer für mich, an große Rollen zu kommen. Momentan spiele ich den Pip, eine kleine Rolle in Melvilles Moby Dick. Mein Traum ist es, ein Leben lang zu schauspielern. Ich hoffe, dass das Verhältnis zwischen Spaß und Geld auf die Dauer stimmt.

Zaher Abdelkhaleq (18) aus Berlin

Zaher Abdelkhaleq (18) aus Berlin | Foto © privat Weil ich zu Hause gerne koche, wollte ich das zu meinem Beruf machen. Aber Koch ist ein sehr anstrengender Job. Bei der Vorstellung, mein ganzes Leben nur Hühnchen zu braten, habe ich das verworfen. Ein Freund von mir arbeitet als Kellner in einem noblen Restaurant. Er hat wie ich einen Hauptschulabschluss, verdient nicht schlecht und bekommt zusätzlich sehr viel Trinkgeld. Dadurch kann er sich vieles leisten. Um einen Fuß in die Tür zu bekommen, beginne ich im August eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe. Schließlich möchte ich ein angenehmes Leben führen und später meine Familie ernähren können. Ich möchte auch meine Mutter unterstützen, die für mich und meine Brüder hart gearbeitet hat, als sie aus Ägypten nach Deutschland kam.
Stefan Brückner
hat Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und arbeitet als Autor unter anderem für die Berliner Kommunikationsagentur Redaktion und Alltag. Früher wollte er Polizist werden.

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August 2012

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