ungewöhnliche Namen

Von Geburt an lebenslänglich – ungewöhnliche Namen

Eine Namensänderung ist in Deutschland nur möglich, wenn hierfür ein wichtiger Grund vorliegt. Foto: styleuneed © 123RFEine Namensänderung ist in Deutschland nur möglich, wenn hierfür ein wichtiger Grund vorliegt. Foto: styleuneed © 123RFPeter Monitariabeliogelader klingt schön. Aber kaum jemand möchte wohl Blödmann oder Kotflügel heißen. Deshalb können Menschen, die todunglücklich mit solchen Nachnamen leben, diese bei den Behörden ändern lassen.

Das Namensrecht in Deutschland ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) umfassend geregelt. Eheschließung, Ehescheidung oder Adoption rechtfertigen zum Beispiel eine Namensänderung. Aber auch Einzelfälle, die dann zuweilen die Gerichte beschäftigen, können dazu führen, dass aus einem „Blödmann“ vielleicht ein „Blörmann“ wird. „Öffentlich-rechtliche Namensänderung nach dem Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ heißt das dann im Juristendeutsch – sie ist aber nur möglich, wenn hierfür ein wichtiger Grund vorliegt. Das persönliche Interesse des Antragstellers muss jedes andere Interesse überwiegen. Und ob das der Fall ist, hängt von den Gründen ab, die der Antragsteller für die Änderung des Familiennamens vorträgt. Allerdings hat das öffentlich-rechtliche Namensrecht Ausnahmecharakter. Es dient ausschließlich zur Korrektur von Unzuträglichkeiten, die mit der Führung des bürgerlich-rechtlich bestimmten Namens im Einzelfall verbunden sein können, heißt es im Behördendeutsch.

„Eine Namensänderung kommt danach unter anderem nicht in Betracht, wenn sie nur damit begründet wird, dass der bestehende Name dem Antragsteller nicht gefällt oder dass ein anderer Name klangvoller ist oder eine stärkere Wirkung auf Dritte ausübt“, erklärt Dr. Philipp Spauschus, Sprecher des Bundesinnenministeriums. Allerdings rechtfertigten Familiennamen, die anstößig oder lächerlich klingen oder Anlass zu frivolen oder unangemessenen Wortspielen geben können, regelmäßig eine Namensänderung.

Kriterium: Länge des Namens

Jeder darf zunächst frei wählen, welchen anderen Familiennamen er führen möchte.  Foto: zimmytws © 123RFDas gilt jedoch nicht für den bloßen Wunsch, einen anderen Namen zu tragen, hat etwa das Verwaltungsgericht Koblenz im Mai 2009 entschieden. Auch die Absicht, sich von einem Teil der Familie zu distanzieren, stelle keinen wichtigen Grund für eine Namensänderung dar. Es ging dabei um den Wunsch, das Verwandtschaftsverhältnis zum leiblichen Vater zu dokumentieren.

Trotzdem darf jeder zunächst frei wählen, welchen anderen Familiennamen er führen möchte. Einen Anspruch darauf hat er aber nicht. Ein Widerspruch? Nein, denn unerwünscht ist zum Beispiel, dass der neue Name voraussichtlich neue Schwierigkeiten verursachen wird. Fantasienamen etwa werden die Behörden wohl nur dann akzeptieren, wenn sie wie Namen klingen und zu schreiben sind. Auch die Länge des Namens ist ein Kriterium. Wer zum Beispiel als Müller, Meyer, Schulze künftig unbedingt „Moridalberedertuderupp“ heißen möchte, kann es versuchen, ein erfolgreicher Antrag beim Amt ist aber eher unwahrscheinlich. Nicht jedoch die umgekehrte Namensänderung.

Philipp Spauschus: „Führen Schwierigkeiten in der Schreibweise oder bei der Aussprache eines Familiennamens zu einer nicht nur unwesentlichen Behinderung des Antragstellers, so ist eine Namensänderung gerechtfertigt. Gleiches gilt für Doppelnamen und sehr lange oder besonders umständliche Familiennamen.“

Adelsname heiß begehrt

Adelsnamen sind im Wege der Namensänderung nur in seltenen Ausnahmefällen zu gewähren.  Foto: Collpicto © iStockphotoAuch den Kindern einer geschiedenen Ehefrau, die als Stalking-Opfer jahrelangen Psychoterror vom Vater ertragen mussten, gewährte das Verwaltungsgericht Freiburg einen schnellen Namenswechsel. Weil sie von dem Mann bedrängt, verfolgt und belästigt wurden, durften sie sofort den Nachnamen ihrer Mutter statt den des Vaters führen.

Erfolglos hingegen war eine Frau, die unbedingt fortan einen Adelsnamen führen wollte. Sie gab an, wegen ihres Namens immer wieder gehänselt und lächerlich gemacht worden zu sein, habe sich dann zunehmend von der Umwelt abgekapselt, sei immer selbstunsicherer geworden und schließlich in Depressionen verfallen. Mit dem Namen „von P.“ könne sie sich jedoch identifizieren. Adelsnamen sind demnach im Wege der Namensänderung nur in seltenen Ausnahmefällen zu gewähren. Die Gefahr einer psychischen Erkrankung im Falle der Versagung des gewünschten Adelsnamens begründet einen Ausnahmefall anscheinend nicht.

Wenn Straftaten eine Rolle spielen

Der Beamte im Amt vor Ort hat immer einen Berurteilungsspielraum.  Foto: tupungato © 123RFAuch eine Beate aus Münster hatte kein Glück mit ihrer begehrten Namensänderung. Ihren Vornamen wollte die Frau in Béatrice ändern lassen. Die Klägerin trug vor, der Name Beate löse aufgrund seiner phonetischen Nähe zu dem französischen Wort béate (übersetzt: Betschwester, scheinheilig, in Verbindung mit être umgangssprachlich: „Maulaffen feilhalten“) in Frankreich Aversionen aus. Sie sei im Wesentlichen in Frankreich beruflich tätig und werde dort in erheblichem Maße verulkt. Dem Gericht reichte das als Grund jedoch nicht aus.

Bei Straftaten liegen die Dinge schon ganz anders – wenn etwa ein seltener oder auffälliger Familienname durch die Berichterstattung über eine Straftat so eng mit Tat und Täter verbunden ist, dass in weiten Kreisen der Bevölkerung auch nach längerer Zeit noch immer ein Zusammenhang hergestellt wird. Dann könne der Familienname des Täters und gegebenenfalls auch der seiner Angehörigen zur Erleichterung der Resozialisierung geändert werden, sagt Ministeriumssprecher Philipp Spauschus.

Der Sachbearbeiter im Amt vor Ort ist jedoch zunächst immer der, den man zuerst davon überzeugen muss, dass man einen neuen Namen braucht – und zwar schriftlich. Dabei hat der Beamte einen Berurteilungsspielraum, wie die Juristen sagen. Er kann „ja“ sagen, muss es aber nicht. Die Zuständigkeit für die Entgegennahme eines Antrags auf Namensänderung ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt und sollte bei der jeweiligen Wohnsitzgemeinde erfragt werden.

Daniel Grosse
ist freiberuflicher Journalist, Redakteur und Jurist in Marburg.

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November 2012

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