Kress von Kressenstein

Kress von Kressenstein

von Kressenstein
Die Einflussnahme des kaiserlichen Deutschlands in Georgien ist untrennbar mit der Person Friedrich Freiherr Kress von Kressenstein, dem Leiter der militär-diplomatischen Mission im Kaukasus verbunden. Der am 24. April 1870 in Bayern geborene Artillerie Offizier, diente schon vor Ausbruch des 1. Weltkriegs, im Kontext der deutsch-osmanischen Allianz, als militärischer Berater in der Türkei. Als Planer und Befehlshaber des missglückten Angriffs der vierten türkischen Armee auf den Suezkanal im Januar 1915 trug er die Hauptverantwortung für dieses militärische Desaster, konnte aber seine Reputation durch Erfolge bei der Verteidigung des Sinai 1916 und Gazas 1917 wieder aufwerten. Am 4. September 1917 wurde Kressenstein die Pour le Merite- Medaille (die höchste deutsche militärische Ehrung während des ersten Weltkriegs) verliehen. Nachdem er am 5. November 1917 als Oberkommandierender von Gaza, durch General Erich Falkenhayn abgelöst wurde, befehligte er die achte türkische Armee zur Sicherung der Küstenlinien, bis ihm schließlich im Sommer 1918 das Kommando einer deutschen militärischen Mission im Kaukasus übertragen wurde.

Die Erfahrungen die er während seines Aufenthaltes in der Region machte, fanden in seinen Tagebuchaufzeichnungen detailliert Ausdruck und dienen als Hauptquelle des hier dargestellten Geschehens. Unter Berücksichtigung ihres subjektiven Charakters, kann seinen pointierten Erinnerungen, viel Belangreiches über die deutschen Ziele im Kaukasus, aber auch die georgische Gesellschaft jener Zeit und deren Reaktion auf die deutsche Präsenz entnommen werden. So beschreibt er die vielen Missstände, die Schwierigkeiten zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen, die schlechte wirtschaftliche Lage sowie Korruption und Unfähigkeit der georgischen Regierung. Seine kritische Wahrnehmung mischt sich aber oft mit tiefer Bewunderung, ja Faszination für die georgischen Menschen und ihre reiche Kultur. Anlässlich eines großen Empfangs für die deutsche Delegation notierte Kressenstein:

„So sehr liebenswürdig und gastlich die Kaukasier und insbesondere die ritterlichen Georgier sind, so ist ihre Geselligkeit für den Arbeitsmenschen doch außerordentlich anstrengend. Alle Feste dauern bis in die frühen Morgenstunden und man muss sehr viel trinken.“

Seine tiefe persönliche Verbundenheit mit dem georgischen Volk wird in zahlreichen Textpassagen deutlich. In Folge einiger Kämpfe mit plündernden tatarischen Banden vermerkte Kressenstein:

 “Wenn es sich bei der Expedition unserer Truppen in Südgeorgien auch nicht um schwere Kämpfe gehandelt hatte, so hatten sie dem Jägerbataillon doch 4 Tote und 12 Schwerverwundete gekostet. Unsere Freundschaft mit den Georgiern war mit deutschem Blut besiegelt worden.“

von Kressenstein
In seinen Aufzeichnungen kommt deutlich zum Ausdruck wie sehr ihn die Niederlage im Krieg und das beifolgenden Ende seiner Mission enttäuschte. Nach dem er Georgien verlassen hatte, verbrachte er fast ein halbes Jahr in englischer Kriegsgefangenschaft auf der Insel Prinkipo. Nach seiner Entlassung traf er am 27. Juni 1919 in Bremerhaven ein. Kressenstein ging 1929 in den Ruhestand und starb 1948 in München.