Auswanderung

Pastor Mayers Familie
Die Vorfahren der Interviewten hatten die unterschiedlichsten Gründe, um in den Kaukasus auszuwandern. Frieda Mayers Familie gehörte zu den ersten Kolonisten, die 1817 aus Reutlingen nach Tbilisi bzw. Marienfeld kamen. Ihr Großvater war Mitglied im Stadtrat von Tbilisi und ließ sich – einmal reich geworden – ein Hotel am Michael-Prospekt (heute Aghmashenebeli-Prospekt) bauen.

Waldemar Gutbrodts Vorfahren kamen im selben Jahr nach Marienfeld, wo der Großvater eine Bierbrauerei eröffnet hatte. In seinem Haus in der Nähe des Dynamo-Stadions lebten später seine drei Kinder mit ihren Familien. 1818 ließen sich die Großeltern von Gertrud Habicht in Tbilisi nieder, weil der Großvater als Sattler in einer Fabrik Arbeit gefunden hatte.

Otar Watschnadses Urgroßvater Paul von Franken (1818 - 1884)kam 1842 mit seiner Frau Helene nach Tbilissi. Er war einer der letzten Vertreter der Romantik und zeigte seine im Kaukasus erstellten Werke jeweils in Ausstellungen in Europa. Seine Tochter, die Großmutter von Otar Watschnadse, heiratete den bekannten Kaukasiologen Carl Hahn, der als Gymnasiallehrer in Tbilissi tätig war.

Knapp zwanzig Jahre später, 1860 brach Elsa Gilberts Großvater 1860 mit fünf Kollegen aus Stuttgart auf, weil sie von Kolonisten gehört hatten, dass es in den Bergen Georgiens Silbersand (Erz) gäbe. In Madeneuli haben sie schließlich Gruben gekauft und nachdem sie ein kleines Kraftwerk, fünf Häuschen und eine Erzgießerei gebaut hatten, konnten sie Waffeleisen, Bügeleisen und Pfannen herstellen. Später hat Großvater Gilbert eine Nagelfabrik in Tbilissi gebaut, in welcher er sowohl deutsche als auch georgische Angestellte beschäftigte.

Ebenfalls 1860 nach Georgien kam Irma Weiss’ Urgroßvater, der von der Firma Siemens & Halske beauftragt worden war, eine Telegraphenlinie aufzubauen. Später arbeitete er jedoch im Observatorium als Mechaniker. Ende 19. Jh. und Anfang 20. Jh.

Diana Kessners Großvater kam nach einer Konzertreise in Russland auf Einladung eines Mäzens das erste Mal nach Georgien. Dort verliebte er sich in die Ukrainerin Natalja, heiratete sie 1881 und blieb im Kaukasus. In Tbilissi konnte er eine Professur im Fach Klavier am Konservatorium übernehmen und gründete gleich nach seiner Ankunft ein deutsches Quartett, das im Laufe der Zeit immer professioneller wurde.

Elsa Renate Mühlmanns Großvater kam als Wandergeselle, der erst quer durch Deutschland gereist ist, um 1890 nach Georgien. Er arbeitete als Optiker und Mechaniker und hat schließlich eine eigene Werkstatt eröffnet, in der er Brillen, Ferngläser und als erster auch Landvermessungsgeräte herstellte. Es war die Zeit des technischen Fortschritts in Georgien.

In dieser Zeit kam Isolde Dandurowas Mutter nach Tbilissi. Sie hatte das russische Gymnasium in Windau absolviert und sich anschließend zur Lehrerin ausbilden lassen. Eine Anstellung jedoch fand sie nicht, weswegen sie 1914 der Aufforderung einer entfernten Verwandten folgte, nach Georgien zu kommen. In Tbilissi bekam sie die Möglichkeit, am Jungengymnasium Französisch und Deutsch zu unterrichten.