Sprache

Kaukasische Post 1912

Nicht nur der Sowjetisierung wegen, sondern auch weil Tbilissi das Zentrum Transkaukasiens war, sprach man in den 30er und 40er Jahren meist Russisch in der Stadt. Ausserdem lebte zu dieser Zeit der grösste Teil der Georgier sowieso auf dem Land und nicht in der Stadt.

Nelli Kreuz erinnert sich, dass sie zu Hause eher Russisch als Deutsch gesprochen haben, weil ihre Familie häufig russische Gäste zu Besuch hatte. Doch wurde in den Familien natürlich nicht nur Russisch, sondern auch Deutsch, Französisch und teilweise sogar Englisch gesprochen. Isolde Dandura hat mit ihrer Mutter Deutsch gesprochen. Mit ihrem georgischen Vater, der nebst seiner Muttersprache auch des Russischen, des Französischen und des Armenischen mächtig war, sprach sie Russisch. Elsa Renate Mühlmann sprach mit ihren Eltern zwar Russisch, hat aber im Kindergarten Deutsch gelernt. Sie erinnert sich daran, dass sie – obwohl sie später auf eine russische Schule gegangen ist – nicht nur fließend Deutsch sprach, sondern auch deutsch träumte. Die Vorstellung, die Sprache eines Tages fast gänzlich zu vergessen, schien für sie zu jener Zeit ein absurder Gedanke zu sein.

Emilia Gabriel wuchs ebenso mit der deutschen Sprache auf und besuchte eine deutsche Schule. Ihre Familie, die in einer deutschen Siedlung lebte, besuchte jeden Sonntag die deutsche Kirche und pflegte deutsche Traditionen. Russisch lernte sie erst, als sie aus ihrem Dorf weggebracht worden ist. Anders war dies bei Frieda Mayer. Sie sprach neben Deutsch zuerst Russisch, später in der Schule dann auch Georgisch, privat außerdem Französisch wie auch Englisch.