Kooperativen

Kooperativen und Kolchosen

Manche Siedler bildeten Weinhandelgenossenschaften. In Helenendorf wurde die Genossenschaft "Concordia" gebildet. Aber für die Weine aus Helenendorf fand man in Kaukasien zu wenig Käufer. Deshalb wollten sie diese in Russland, besonders in Sibirien verkaufen. Aber in Russland waren trockene, qualitativ hochwertige Weine wenig populär. Man passte sich an. Im Genossenschaftskeller kamen in den trocknen Wein Zucker, Alkohol und verschiedene Speisewürzen. Aus einer Sorte erzeugten sie fünf bis sechs Weintypen und verschiedenartige Getränke: Schaumwein, Süßwein, Wein mit Muskataroma. Um den Preis des Weines stabil zu halten, destillierte man nach ertragsreichen Jahrgängen die überschüssige Produktion zu einem kognakähnlichen Getränk.

Ende des 19. Jhs. war die "Concordia" eine der erfolgreichsten Genossenschaften. Das durch Weinbau und Kellerwirtschaft erworbene große Einkommen wurde für die weitere Entwicklung des Weinbaus eingesetzt. Tabelle 1 zeigt Rebflächen und Erträge in einzelnen deutschen Kolonien. Die Erfolge auf dem Gebiet der Kellerei der Siedler belegt die Tatsache, dass um 1900 die 2000 Einwohner von Katharinenfeld 150 000 Eimer (1, 845 Mio. l) Wein und 10 000 Eimer (123 000 l) Weinbrand erzeugten. Die reichste Weinhandlerfirma "Brüder Forers" war, nicht nur in Transkaukasien, sondern auch am Hofe des russischen Zaren hoch geachtet. So wurde dieser Firma anfangs des 20. Jhs. die Versorgung des russischen Heeres mit Wein anvertraut. Auf die fortschrittliche Tätigkeit der deutschen Siedler verweist die Tatsache, dass der deutsche Winzer Schall aus Elisabethtal, im Wald des Assurethigebiets die georgische Rebensorte fand, die nun unter dem Namen "Assurethuli" bekannt ist. Damals nannte man sie "Schalltraube". Um 1900 wurde sie auf mehr als 100 Dessjatine angepflanzt.

Nach der Revolution von 1917 wurde in ganz Russland (auch in Georgien) das Privateigentum aufgehoben. Die Sowjets gründeten auf den Territorien der deutschen Kolonien Kollektivwirtschaften. Das Prinzip dieser Organisation ist folgende, die ganze Fläche, auch die Weinberge gehen in gemeinsame Nutzung über. Auch die Einnahmen wurden kollektiviert. Von 1932-1938 bestanden auf dem Gebiet von Katharinenfeld und Elisabethtal große Kollektivwirtschaften. Die Kolchose "Concordia" brachte einen Gewinn von jährlich 200 Millionen Rubel.

" Das Kollektiv "Concordia" war trotz starker staatlicher Beschränkungen so erfolgreich, daß es bis 1929 rund 160 Verkaufsstellen in der ganzen Sowjetunion einrichten konnte. "Concordia" stellte nicht nur Wein her, sondern richtete Schulen ein, finanzierte Kultureinrichtungen und unterhielt chemische Forschungslabors, in denen unter anderem Schädlingsbekämpfungsmittel hergestellt wurden. Die Mitgliederzahl des Kooperatives ,,Concordia" stieg an. So zählte sie 1926 1.587, 1927 1.832 und 1928 2.100 Mitglieder. Außer in Baku eröffnete die ,,Concordia" in Tiflis, Moskau, Kiew, Leningrad, Rostow, Samar, Saratow, Perin und Swerdlowsk Filialen. Gegen Ende des Jahres 1929 erreichte die Zahl der Geschäfte, die in den verschiedenen Regionen der UdSSR die Produktion der ,,Concordia" verkaufte, die Zahl von 160. Die wichtigsten Aufgabenfelder der ,,Concordia" blieben Bildung, Kultur und wissenschaftliche Forschungsprojekte. Die ,,Concordia" finanzierte auch wissenschaftliche Untersuchungen im Kampf gegen Schädlinge der Landwirtschaft, die Schaffung neuer Technologien für die Bearbeitung der Weinstöcke und des Bodens in Aserbaidschan. In der Genossenschaft in Helenendorf wurde ein insektenkundliches (entomologisches) Arbeitszimmer geschaffen. Den Moskauer Stellen passte der Erfolg der Deutschen nicht ins Konzept. Ende 1929 wurden die Kollektive der Siedler kurzerhand umstrukturiert und schließlich gewaltsam in Kolchosen integriert. 1935 stellten Gerichte offiziell die vermeintliche Schädlichkeit der deutschen Kollektive fest; Ende des gleichen Jahres waren fast alle führenden "Concordia"-Mitarbeiter verhaftet. Drei Jahre später durfte in den Schulen der Siedler nicht mehr in deutscher Sprache unterrichtet werden. In die Häuser und Einrichtungen verhafteter oder vertriebener Deutscher quartierten die Behörden insbesondere Armenier ein. Die Dörfer verloren alle ihre deutschen Namen."(Quelle: http://www.baku-az.com/jafarli/statya_panorama.html ; "InfoDienst" Unabhängige Wochenzeitung der Rußlanddeutschen "Rundschau")

Ungeachtet dieser Erfolge wurden auf Befehl von Josef Stalin im Oktober 1941 die deutschen Siedler (23 000 Person) im Laufe von zwei Tagen nach Mittelasien deportiert. Damit endete nach über 200 Jahren das Leben der deutschen Siedler in Transkaukasien und ihre Tradition auf dem Gebiet des Weinbaus und Kellerwirtschaft in Georgien. (1 Dessjatine = 1,09 ha, 1 Eimer = 12,3 l)

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