Gemeindeleben

Diakoniestation, Sonntagsschule, Jugendkreis, Konfirmandenunterricht, Frauengruppe, Bibelstunde und Kirchenchor, ja, es gibt sogar einen wöchentlichen Taizé-Nachmittag und Deutschkurse, die angeboten werden. Auch christliche Jugendsommerlager im eigenen Freizeithaus in Kwareli werden organisiert, und regelmäßig bietet die Versöhnungskirche in Tbilissi auch Raum für Konzerte, wo oft talentierte Musiker auftreten, die frisch vom Konservatorium kommen, aber hierzulande keine Auftrittsmöglichkeit haben.

Der „Kirchenbote“, die von Elena Iljinez und Irina Solej zusammengestellte Programmzeitschrift der ELKG berichtet uns monatlich von diesen Veranstaltungen der Kirche. Kurz: In der evangelischen Gemeinde in Tbilissi brodelt das Leben, und etwa 400 bis 500 Menschen nehmen an diesem Gemeindeleben regelmäßig teil. Die eine Hälfte der Gemeindemitglieder besteht aus Georgiern, Russen, Ukrainern und anderen osteuropäischen Nationalitäten, die andere Hälfte aus Deutschstämmigen, die aber größtenteils keine guten deutschen Sprachkenntnisse mehr besitzen, da das Deutsche durch die Sowjetisierung zurückgedrängt werden musste.

Gottesdienste werden in drei Sprachen abgehalten. Bischof Hummel predigte in deutscher Sprache, welche von einem Mitarbeiter ins Georgische übersetzt wurde. Die beiden Pastoren der Gemeinde, Harry Asikow und Viktor Miroschnitschenko predigen meist in russischer Sprache, wobei man sich nach Christiane Hummel noch mehr der georgischen Sprache widmen müsse, um im Interesse der Zukunft der Gemeinde zu handeln.

Nachdem Bischof Hummel im Jahre 2004 gestorben war, übernahm Bischof Andreas Stökl die geistliche Leitung der ELKG. Er war zuvor in Hamburg tätig war und auch eine zeitlang in Russland als Pastor.
Er erfreute sich vor allem unter den Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit und war voller Tatendrang und Humor. Er verstarb am 2. Mai 2006 ganz plötzlich an einem Herzinfarkt auf der Bischofssynode in Omsk, nachdem er noch nicht einmal mal zwei Jahre im Dienst war. Am 4 November 2006 wurde Propst i. R. Dr. Johannes Launhardt von der Synode der ELKG zum geistlichen Leiter der Lutherischen Kirche im Südlichen Kaukasus gewählt und am 5 November 2006 von Erzbischof Ratz und Vertretern der Ev.- Lutherischen Landeskirche in Württemberg in sein Amt eingeführt. Er ist seitdem nicht nur damit beschäftigt, die Gemeinden in Georgien zu begleiten, sondern hat auch die Gemeinden in Baku und Suchumi besucht, um die dort anstehenden Probleme anzugehen. Erfreulich ist die Arbeit mit der Jugend. Ein Partnerschaftsbesuch georgischer Jugendlicher in Geisingen hat stattgefundenund der Gegenbesuch der deutschen Jugendlichen ist für 2008 geplant.Während der Weihnachtszeit wurden in der Gemeinde verschiedene Konzerte durchgeführt, die großen Anklang fanden. Erfreulich ist auch, daß in Asureti, früher Elisabethtal, jetzt vierzehntägig Gottesdienste gehalten werden und eine Gruppe von 30 Personen dabei ist, eine neue Gemeinde zu gründen.

In Rustawi, einem ehemaligen Industriezentrum unweit von Tbilissi, ist eine weitere Kirche der Lutherischen Gemeinde, die im Jahre 1999 eingeweiht wurde. Sie entstand auf dem Grundriß eines alten Wohnhauses und besteht aus einem einfachen, kleinen Versammlungszimmer und einem Gottesdienstraum. Dort engagiert sich vor allem die Familie Babajew, die mit anderen Gemeindemitgliedern das freundliche Gemeindeleben vor Ort gestaltet. Es gibt einen Bibel- und Bastelkreis, einen Musik- und Singunterricht, einen Jugend- und Konfirmandenkreis sowie einen Chor. Außerdem wird auch ein Deutschkurs angeboten. Wenn der Bischof aus Tbilissi vor Ort den Gottesdienst nicht leitet, so wird dieser mit Hilfe von Lesepredigten gestaltet. Die Gemeinde umfasst etwa 80 Mitglieder.

Gardabani ist auch eine postindustrielle Stadt, die nur wenige Kilometer von Rustawi entfernt ist. Auch hier bildete sich eine kleine Gemeinde. Es ist die kleinste Gemeinde der lutherischen Kirchen in Georgien und umfasst etwa 20 Mitglieder. Man versammelt sich in einem winzigen Raum eines privaten Wohnhauses, um den Gottesdienst zu feiern, während nebenan derweil hauseigenen Kühe, Schweine oder Hühner auf sich aufmerksam machen. Die Gemeindeleiterin Irma Tsitsikaschwili hält die Sonntagslesegottesdienste, anschliessend wird ein Bastelkreis für Kinder veranstaltet. Das Gemeindeleben vor Ort wächst langsam, aber stetig.

Anderthalb Autostunden von Tbilissi entfernt liegt die Gemeinde von Bolnisi. Bis in die 30er Jahre lag hier die zweitgrößte deutsche Siedlung namens Katharinenfeld, welche 1819 von einem schwäbischen Auswanderer nach der Schwester des Zaren benannt wurde, die mit dem württembergischen König Wilhelm I. verheiratet war. Von der Kirche, die 1858 von den schwäbischen Kolonisten dort gebaut wurde, sind nur noch Reste zu sehen, da ihr zu Sowjetzeiten der Turm abgerissen wurde, um sie als Kinosaal umzugestalten. In dieser Zeit trug die Stadt den Namen Rosa-Luxemburg, wo das kirchliche Leben bis auf die Gottesdienste verboten wurde. Heute wird die ehemalige Kirche aus Katharinenfeld, in der bis zu 400 Menschen Platz fanden, als Sportschule genutzt, sodaß sich die kleine Gemeinde mit ihren rund 40 Mitgliedern in einem angemieteten Gebäude an der Hauptstraße trifft. Unter der Leitung von Irina Peder und der aus Württemberg stammenden Heyke Walter wird das Gemeindeleben vor Ort gestaltet. Neben dem Gottesdienst werden Bibelstunde, Bastelkreis, Exkursionen, Deutschkurse und auch diakonische Arbeit geboten.

Borjomi bezeichnet den Ort im Kernland Georgiens, wo sich mineralische Heilquellen befinden. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet zum Kurort ausgebaut, über dessen Nutzung die Zarenfamilie bestimmte. Und auch hier, etwa 150km von Tbilissi entfernt, findet das evangelisch-lutherisches Gemeindeleben statt. Einmal im Monat versammelt sich die kleine Gemeinschaft mit der Gemeindeleiterin Nana in einer Hauskirche, um den Gottesdienst zu feiern. Es ist die jüngste Gemeinde in Georgien, in der Bischof Hummel am 19. April 2003 den ersten Gottesdienst abgehalten hat. Bis jetzt umfasst die Gemeinde nur wenige Mitglieder, etwa 30, die sich regelmäßig zur Bibel-, Musik- und zur Deutschstunde treffen.

Auch entlang der Dorfstraße nach Asureti zeugen die ehemals gutgeführten Häuser von vergangener Lebensqualität. Hier war die Kolonie Elisabethtal, ein ehemaliges Weingebiet schwäbischer Einwanderer. Nur sehr wenige Deutschstämmige sind hier am Leben geblieben oder in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Nach der Wende entstand hier keine neue Gemeinde mehr, und einzelne begaben sich Sonntags auf die zweistündige Fahrt nach Tbilissi, um dort am Gottesdienst teilzunehmen. Heute ist die Gemeinde sehr langsam dabei, wieder neu zu entstehen. Ausschlaggebend dafür war sicher auch ein von Tbilissi aus geplantes Jugendsommerlager im letzten Jahr, an dem auch Jugendliche aus Asureti teilnahmen, die nun ihren Kontakt zur Gemeinde verstärken möchten. Etwa 30 junge Menschen engagieren sich dafür, dass die Gemeinde neu zum Leben erweckt wird.

An letzter Stelle muß noch die Gemeinde in Suchumi erwähnt werden, obgleich sich diese ja nicht wirklich in Georgien, sondern in Abchasien befindet, in einem Gebiet, dass jedoch von keinem anderen Land auf der Welt als eigenständig anerkannt wurde. Einst war es ein moderner Badeort an der Schwarzmeerküste mit internationalem Flair. Es hieß, dass hier Milch und Honig flossen, und dass die Zarenfamilie hier oft das subtropische Klima genoss. Später tat dies Stalin neben vielen DDR-Bürgern. Heute leben dort nur noch Mitbeteiligte und Opfer des Bürgerkrieges der Jahre ´92 und ´93. Alle Georgier, die einst in diesem Teil Georgiens lebten, wurden vertrieben, wobei viele in Tbilissi Zuflucht fanden. Trotz der Konflikte blieb das Kirchlein in Suchumi stehen, da dort das Stadtarchiv untergebracht war. Gert Hummel trat in Verhandlung, ob die Kirche wiederzugewinnen sei, erfolgreich, denn im Jahre 2002 wurde sie renoviert und stand von nun an wieder der Gemeinde zur Verfügung, kostenlos und unbefristet. Auf dem gleichen Grundstück befindet sich auch eine römisch-katholische Kirche, welche auch von den Katholiken wiedergewonnen wurde. Früher war in erster Linie Lektorin Juliane Kreuz Vorsitzende der lutherischen Gemeinde vor Ort, heute ist es vielmehr der 20jährige Prediger Mischa, der auch in Zukunft eine theologische Ausbildung in dem EVLKA-Seminar der ELKRAS in Novosaratovka nahe St. Petersburg machen möchte. Kinder, Jugendliche und ältere Menschen besuchen in Suchumi regelmäßig den Gottesdienst, der auch in unregelmäßigen Abständen vom Bischof gehalten wurde. Die Anfahrt dorthin ist jedoch nur mit einem speziellen Visum möglich und auch nur in Begleitung der UN-Soldaten, welche von Kutaissi mit dem Hubschrauber über das Meer nach Abchasien fliegen.