Theodor Horschelt (1829 - 1871)

Biographische Notizen:


Begegnung mit der Malerei, künstlerische Ausbildung, erste Reisen

Theodor Horschelt kam am 16. März 1829 in München als Sohn des Ballettmeisters Friedrich Horschelt zur Welt. Schon in jungen Jahren zeigte er eine besondere Neigung zur Kunst und so erhielt er gemeinsam mit seinem fünf Jahre älteren Bruder Albumblatt Zeichenunterricht bei Michael Echter.
In den Jahren 1847 und 1848 studierte Horschelt sporadisch an der Münchener Akademie der Künste, doch konnte er sich nicht für die Malschule von Professor G. Anschütz begeistern. Häufiger besuchte er das Atelier eines Freundes seines Vaters, des Malers Albrecht Adam, und ließ sich von den Schlachtenbildern des Meisters begeistern.
Auf diese Weise in die Pferde- und Schlachtenmalerei eingeführt, verbrachte Horschelt einige Zeit in Stuttgart, um sich am Hofe des Königs von Württemberg ausgiebigen Pferdestudien zu widmen.
Schon zu dieser Zeit träumte Horschelt von großen Reisen und schwärmte vom Kaukasus. 1853 nahm er an einer Spanienreise des Literaten Hackländer teil und besuchte dabei auch Algier Von dieser ersten Reise brachte Horschelt zahlreiche Skizzen mit,  die er später in Aquarellen und Ölbildern verarbeitete. Mit dem Erlös aus dem Verkauf dieser Bilder finanzierte der junge Maler seine schon lange ersehnte Reise in den Kaukasus.


Reise in den Kaukasus, Teilnahme an Expeditionen, militärische und akademische Ehrungen

Im Jahre 1858 traf Horschelt, versehen mit Empfehlungsschreiben des berühmten russischen Malers Kotzebue und des russischen Konsuls in München, von Severin, über Odessa und Sewastopol in Tiflis ein. Aslan Beg
Kaum angekommen bat er um die Möglichkeit der Teilnahme an einer militärischen Expedition nach Daghestan, welche unter der Führung des Baron Wrewskij stattfinden sollte. Nach Horschelts eigenen Aussagen war dies „die wohl erfolgreichste Expedition gegen die Bergbewohner seit langem, wenn auch mit sehr hohen Verlusten“.
Er selbst nahm ebenfalls an den Gefechten teil, wenn auch immer mit der Waffe in der einen und dem Zeichenblock in der anderen Hand. In einem Brief an seinen  Freund Friedrich Pecht schrieb er:

“Von vierzig oder fünfundvierzig Aulen, die genommen wurden, war ich bei etlichen zwanzigen selbst zugegen; besonders die letzte Affaire war höchst blutig und höchst malerisch. Denken sie sich ein großes, an einen ungeheuren Berg angelehntes Dorf, über die Hälfte schon brennend und die Feinde, die sich Haus für Haus zurückziehen. Es war ein wunderbares Bild, hat aber Menschen gekostet, darunter unsere besten Offiziere und den Baron Wrewskij.“

Für seine tapfere Teilnahme in den Kämpfen um das Aul  Kituri  wurde Horschelt vom russischen Zaren der „Orden des heiligen Stanislaus dritter Klasse mit den Schwertern“ verliehen, eine ruhmvolle, wohlverdiente Auszeichnung, welche Horschelt jedoch erst nach der Einnahme der Festung Weddin erreichte.
Ein Großteil der russischen Streitverbände belagerte zu dieser Zeit Weddin, die  Bergfestung des Imam Schamils.Zu Beginn des Jahres 1859 hatte sich Horschelt auf den Weg nach Weddin gemacht um die Ereignisse in Zeichnungen und Skizzen festzuhalten. Kosake Am 1. April 1859 stürmten die russischen Truppen Weddin. Der Imam entkam jedoch und verschanzte sich auf dem Berg Gunib. Nach hartem Kampf kapitulierte Schamil am 25. August 1859. Horschelt eilte sofort nach Tiflis zurück um seine Werke General Barjatinskij vorzulegen, welcher deren Erhalt schon ungeduldig erwartet hatte. Für seine Teilnahme an den Kämpfen um Weddin und Gunib erhielt Horschelt den Annenorden dritten Grades. Darüber hinaus ehrte ihn die St. Petersburger Akademie der Künste durch die  Aufnahme Horschelts in die Reihe der wichtigen Mitglieder.


Studien in Lesgien, im Gefolge des Zaren, Reise nach Erewan

Im Januar 1860 nahm Horschelt an der Winterexpedition des Generals Jevdokimov gegen die Tschetschenen teil und kehrte erst im November des gleichen Jahres nach Tiflis zurück. Für den Fürsten Barjatinskij malte er einige Pferdeportraits sowie weitere Bilder und arbeitete an den schriftlichen Aufzeichnungen zu seinen Reisen.
Im Sommer desselben Jahres besuchte Horschelt nochmals das gesamte Gebiet der lesgischen Linie um die Dörfer Gunib und Weddin, um detailliertere Studien anzustellen.
Im August überraschte den Maler die Nachricht, dass er den Zar Alexander II. auf einer ausgiebigen Reise durch das gesamte Kuban-Gebiet begleiten solle. Für zwei Wochen schloss sich Horschelt dem Gefolge des Zaren an und erhielt von diesem den Auftrag für ein Gemälde.
Nach einer Reise von Baku nach Erewan auf Einladung des Prinzen Albrecht von Preußen im September 1862, reiste Horschelt im Januar 1863 nach St. Petersburg, um sein Bild Alexander vorzustellen. Dieser fand Gefallen an dem Werk und ließ Horschelt höchste Ehren zuteil werden.


Rückkehr nach Deutschland, Vollendung bedeutender Werke, Deutsch-Französischer Krieg, Früher Tod in München

Nach seinem Aufenthalt in St. Petersburg kehrte Horschelt über Berlin und Weimar in seine Heimatstadt München zurück. In seiner Tasche brachte er Aufträge für etliche Gemälde und Aquarelle mit nach Hause. Die Gefangennahme Schamils
Er vollendete „Die Gefangennahme Schamils“ und „Die Erstürmung einer Verschanzung auf dem Berge Gunib“. Letzteres Bild erhielt 1867 auf der internationalen Kunstausstellung in Paris die große goldene Medaille.
Im Herbst 1870 plante Horschelt auf die persönliche Einladung des Zaren hin eine erneute Reise in den Kaukasus. Der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges vereitelte jedoch die Ausführung dieser Pläne. Nach seinem Umzug nach Straßburg erlebte Horschelt dort die Belagerung der Stadt und die Kapitulation Frankreichs. Wieder in  München erkrankte Horschelt an Diphtherie und starb am 3. April 1871 im Alter von nur 42 Jahren.


Die wichtigsten Werke Horschelts:

Horschelts bekanntesten Gemälde sind  „Die Gefangennahme Schamils“ und „Sturm auf den Aul Kituri“. Mit einigen wenigen Ausnahmen befinden sich fast alle Werke Horschelts in den Museen Russlands und Georgiens, sowie in Privatbesitz.
Horschelts Schaffen als Künstler wies nicht nur während seines Aufenthaltes im Kaukasus eine besondere Intensität auf. Auch in den acht Jahren nach seiner Rückkehr arbeitete der Maler wie ein Besessener. Die Anzahl der in dieser Zeit entstandenen Werke kann nur geschätzt werden.
Es entstanden die Ölgemälde „Ein Flussübergang“ und „Heitere Fahrt“, sowie Aquarelle für den Prinzen Albrecht von Preußen, welche Gefechtsdarstellungen als Thema behandeln. Auch der sorgfältig ausgeführte Karton „Kosaken von einer Razzia mit Gefangenen heimkehrend“ und die Zeichnung „Russische Artillerie“ verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Die zum Teil veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen Horschelts zeigen diesen auch als einen exzellenten Literaten.