Giwi Margwelaschwili

Giwi Margwelaschwili: ein deutsch-georgischer Schriftsteller und Philosoph!

Giwi Margwelaschwili wurde am 14. Dezember 1927 in einer georgischen Emigrantenfamilie in Berlin geboren. Sein Vater, Tite Margwelashwili, Gelehrter und Philosoph, studierte in Leipzig und promovierte in Wittenberg (Halle). Danach kehrte er in seine Heimat zurück, wo er bis zur Okkupation des unabhängigen Georgiens durch Russland tätig war. Im Jahre 1921 emigrierte er mit Familie nach Deutschland. An der Berliner Universität hielt er Vorlesungen in Philosophie und Orientalistik. Ab 1941 leitete er die georgische Landmannschaft in Berlin.

Giwi Margwelaschwili besuchte verschiedene Gymnasien in Berlin. Er gehörte jenem deutschen Jugendkreis an, der der Hitlerdiktatur äußerst kritisch gegenüberstand. Misstraurisch betrachtete er auch die Sowjetmacht, die das Hitlerregime in einem Teil Deutschlands abgelöst hatte. Nach dem Kriegsende hoffte Giwi Margwelaschwili auf eine bessere Zukunft, da seine Familie im Westen Berlins lebte. Alleine das Schicksal wollte es anders... Im Dezember 1945 wurden der Vater und sein 18 Jahre alter Sohn (die Mutter starb, als Giwi erst vier Jahre alt war) mit "Hilfe" eines Schulfreundes von Tite Margwelaschwili, hinterlistig in den Ostsektor gelockt und dann nach 6 Wochen Bunkerhaft ins sowjetische Internierunglager „Sachsenhausen“ verbracht. Der Schriftsteller G. Margwelaschwili hat diese Ereignisse in seinem autobiographischen Roman "Kapitän Wakusch" in meisterhafter Weise geschildert . Der Vater, der sich von seiner Gesinnung nicht lossagen wollte, wurde nach achtmonatiger Vernehmung und Folter erschossen.

Nach seiner Freilassung aus dem Internierungslager, wo Giwi anderthalb Jahre verbringen musste und erkrankte, wurde er von seinen Verwandten in Tbilissi herzlich aufgenommen. Er absolvierte sein Studium an der Fakultät für englische Sprache der Universität Tbilissi und anschließend die Aspirantur in der Fachrichtung Sprachwissenschaften. Die relative Freiheit, die nach dem Tod Stalins eintrat, ermöglichte es, dass Giwi Margwelaschwili am Institut für Fremdsprachen in Tbilissi als Englisch- und Deutschlehrer (1954-1970) tätig sein konnte. In den 50er Jahren beginnt er an "Kapitän Wakusch" zu schreiben.

In den Jahren 1969 und 1970 besuchte er zusammen mit georgischen Künstlern und Kulturschaffenden Deutschland – zum ersten Mal nach 1946. 1970 heiratete Giwi Margwelaschwili die bekannte georgische Schriftstellerin und Germanistin Naira Gelaschwili, die ihn bis heute freundschaftlich betreut und praktisch unterstützt. 1975 wurde dem Ehepaar eine Tochter geboren, die, dem Beispiel der Eltern folgend, auch Germanistin geworden ist.

1970 erscheint Giwis erste philosophische Arbeit „Die Rolle der Sprache in Heideggers Philosophie“. 1971 wurde er an das Philosophische Institut der „Georgischen Akademie der Wissenschaften“ berufen. 1972 besuchte Heinrich Böll, der für das Schaffen des deutschsprachigen Georgiens großes Interesse zeigte, Giwi Margwelaschwili in Tbilissi. Heinrich Böll war beeindruckt vom ersten Band des „Kapitän Wakusch“ („In Deuxilland“, 1991, „Sachsenhäuschen“, 1992), konnte ihm jedoch auf Grund der Überwachung durch den KGB nicht weiterhelfen. In den siebziger Jahren erhielt er, aufgrund des Kontaktes mit Wolf Biermann, ein bis 1987 andauerndes Ausreiseverbot.

„Als ich mich 1983 zu einer Reise nach Georgien anschickte, empfahlen mir Elke Erb und Adolf Endler, den seltsamen Dissidenten Giwi Margwelaschwili zu besuchen, einen Schriftsteller, der dort auf deutsch schreibe. Giwi empfing mich auf seiner „Wartburg“ in Tbilissi mit Swing von Benny Goodman. Eine „Wartburg“, das erfuhr ich sogleich bei der Lektüre von Giwis autobiographischem Roman „Kapitän Wakusch“, ist eine Wohnung mit jedweder Art von Unzulänglichkeiten [...]“, schrieb der Ostberliner Russland- und Georgienexperte Ekkehard Maaß.

In der Perestroikazeit konnte erreicht werden, dass Giwi Margwelaschwili die DDR und Westdeutschland wiederholt besuchen konnte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion konnte Giwi Margwelaschwili nach Deutschland/Berlin übersiedeln, wo er 1994 seine deutsche Staatsangehörigkeit wiedererhielt.

Es kam zur Veröffentlichung der ersten Bände seines umfangreichen literarischen Werkes. 1991 erschien der erste Band seines autobiographischen Roman „Muzal. Ein Georgischer Roman“, der u.a. von Dantes „Göttlicher Komödie“ inspiriert ist. Der stark von politischen Auseinandersetzungen geprägte Roman, der sich kritisch gegen gesellschaftliche Zwangssysteme wendet, ist von einem überlebensnotwendigen Humor durchsetzt. Die beiden Protagonisten des Romans sind „Lesefiguren“ aus einem georgischen Gedicht und werden herbeizitiert und aus dem Handlungsverlauf herausgerissen, um in der Phantasie des Lesers weiterzuexistieren.

Neben Sammlungen seiner philosophischen Arbeit, publizierte Giwi Margwelaschwili zudem poetologische Schriften, so z.B. „Gedichtwelten-Realwelten“ (1994) zur Poetikvorlesung in Bamberg. Im Dezember 1995 erhielt Margwelaschwili für sein Gesamtwerk den „Brandenburgischen Literatur-Ehrenpreis“. Bald wurde er Mitglied des Pen-Clubs und erhielt ein Ehrenstipendium des deutschen Bundespräsidenten. Zuvor war er Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung und erhielt die Bamberger Poetik-Professur. Für sein gesamtes Schaffen wurde ihm der Literatur- und Kunstpreis der Stadt Berlin verliehen. 2002 erhielt er den Gustav-Regler-Literaturpreis der Stadt Merzig, 2006 auf Antrag des Goethe-Instituts Tbilissi die Goethe-Medaille. Giwi Margwelaschwili ist Ehrendoktor der Staatlichen Universität Tbilissi.