Biographie

Biographie:


Schulausbildung, Apothekerlehre, erste Reise auf die Krim, Kontakt zu führenden Wissenschaftlern seiner Zeit

Am 27. November 1831 wurde Gustav Radde in Danzig als Sohn eines unbemittelten Lehrers geboren. Radde musste sich ohne Universitätsstudium unter großen Entbehrungen einen Weg zur Wissenschaft bahnen.
Nach Abschluss des Gymnasiums begann er, entgegen seinen persönlichen Wünschen, eine Apothekerlehre. Gustav Radde (1857) Seine naturwissenschaftlichen Interessen erfuhren jedoch vielfältige Unterstützung und so gelang es Radde, dank der Hilfe durch die Danziger Naturforschende Gesellschaft, im Jahr 1852 für zunächst 6 Monate auf die Krim zu reisen.
Schlussendlich sollte Radde bis 1855 auf der Krim bleiben. Dort widmete er sich ausführlichen Naturbeobachtungen und legte botanische und zoologische Sammlungen an. Im Kontakt mit dem damals berühmten Botaniker Christian von Steven und dem Mitglied der „Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg“, Pjotr Iwanowitsch Köppen, erweiterte Radde während des Aufenthaltes auf der Krim seine autodidaktischen Kenntnisse der Naturwissenschaften, vor allem auf dem Gebiet der Biologie.


Teilnahme Raddes an Ostsibirienexpedition, Kustos am Zoologischen Museum in St. Petersburg

Durch erste Veröffentlichungen und Empfehlungen auf den jungen Radde aufmerksam gemacht, lud die „Kaiserlich Russische Geographische Gesellschaft zu St. Petersburg“ den jungen Wissenschaftler ein, als Naturforscher an einer Ostsibirienexpedition teilzunehmen.
Dieses Unternehmen gab Radde nicht nur die Möglichkeit der eigenen Weiterbildung, sondern eröffnete ihm auch durch die Beteiligung an einem großen Forschungsunternehmen eine wissenschaftliche Laufbahn, wie er sie in Deutschland nicht erhoffen konnte. Stanitsa Radde
Von 1855 bis 1859 war Radde in Sibirien tätig, unternahm verschiedene Expeditionen und sammelte eine große Anzahl physisch-geographischen Daten. Nach Abschluss seiner Sibirienforschungen erhielt Radde die Gelegenheit von 1860 bis 1863 als Kustos4 am Zoologischen Museum der Petersburger Akademie seine Forschungsergebnisse und Sammlungen zu bearbeiten.


Radde zieht nach Tiflis, Arbeit am physikalischen Observatorium der Stadt, Forschungsreisen durch Kaukasien



Raddes weitere Pläne waren auf Expeditionen in noch unerforschte Gebiete gerichtet. In der Hoffnung, dieses Ziel in Kaukasien erreichen zu können, nahm er 1863 eine Stelle am physikalischen Observatorium in Tiflis an, bis es ihm 1864 gelang, seinen Plan der biologisch-geographischen Erforschung Kaukasiens im Auftrag der Zivilverwaltung des Landes zu verwirklichen.
1864 veröffentlichte er sein ausführliches Forschungsprogramm, das wohlüberlegt und gut durchdacht ein wissenschaftlich-progressives Unternehmen darstellte. Dass seine Forschungen im Kaukasus zu seiner Lebensaufgabe werden sollten, erkannte Radde schon bald.



Gründung des Kaukasischen Museums in Tiflis, Raddes Bedeutung für die Wissenschaft



1867 gründete Radde in Tiflis das kaukasische Museum, welches er, ebenso wie die öffentliche Bibliothek der Stadt, bis zu seinem Tod leitete.
Sein Anliegen war es, die natürlichen Verhältnisse der Kaukasusländer und das Leben Das Kaukasische Museum ihrer Bewohner durch anschauliche Exponate und Sammlungen darzustellen. Raddes Forschungsreisen hatten zum Ziel, möglichst alle Gebiete Kaukasiens nacheinander eingehend zu untersuchen.
Er unternahm Reisen nach Armenien und Daghestan, in das Talysch-Gebirge in Nordpersien, nach Chewsuretien, Abchasien, Tuschetien, Pschawi, die kolchische Tiefebene und in viele andere Gebiete des Kaukasus.
Für dessen Erforschung hat Gustav Radde eine unschätzbare Bedeutung. Seine wissenschaftlichen Abhandlungen wurden sowohl auf Russisch, als auch auf Deutsch in den renommiertesten Fachzeitschriften seiner Zeit veröffentlicht.
Er wurde mit einer Reihe von Auszeichnungen für seine wissenschaftliche Tätigkeit geehrt.
Hoch geachtet starb Gustav Radde am 15. März 1903 in Tiflis und wurde bei Borshomi an der Kura beigesetzt.

Der Text ist mit Erlaubnis des Autors dem Artikel „Gustav Radde und sein Wirken als Geograph“, Sonderdruck,  Petermanns Geographische Mitteilungen, 2/1983 entnommen.

    1Arendts, C.: Berühmte Geographen, Naturforscher und Reisende. Gustav Radde. Deutsche Rundschau für Geographieund  Statistik, 2, Wien 1880, Seiten 137- 140

2Drude, O. u. Taschenberg, O.: Gustav Radde. Sein Leben und Wirken. Leopoldina, 39, Halle 1903, 11,
Seiten 121-128; 12, Seiten 139- 146.

3Wolkenhauer, W.: Geographische Nekrologe für die Jahre 1902 und 1903. Geographisches Jahrbuch, 26,
Gotha 1903 Seiten 423- 446 [Gustav Radde: S. 439]

4Kustos: Wissenschaftlicher Sacharbeiter in einem Museum