Film und Medien

Fernsehen in Deutschland

Je höher der Bildungsstand, desto weniger wird ferngesehen. So sagen zumindest entsprechende Erhebungen. Und wenn, werden vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender oder Kulturkanäle eingeschaltet.

Im Vergleich zu den bevorzugt Serien, Soaps, Dokusoaps oder Castingshows ausstrahlenden privaten Sendern bieten die öffentlich-rechtlichen wie die ARD mit ihren sechs Länderanstalten und das ZDF eine Art solider Verlässlichkeit im Angebot und in der Programmstruktur. Zwar gehören auch dort inzwischen romantische Telenovelas oder leicht verdauliche Seifenopern ganz selbstverständlich zum Fernsehalltag, aber die Nachrichtensendungen, Polit- und Kulturmagazine haben nach wie vor ihren Platz.

Öffentlich-rechtliche Sender: bieder aber verlässlich

Alles wirkt etwas bieder und zeugt nicht gerade von überbordender Kreativität. Aber das gewohnte, fast familiäre Klima, das diese Sender mit ihren vielen, lang bekannten Gesichtern ausstrahlen, hat auch etwas Beruhigendes. Der Tatort am Sonntag, ein Krimi-Dauerbrenner seit den 1970er-Jahren, die Sportschau, die Tagesschau um 20.00 Uhr, die Tagesthemen um 22.15 Uhr, Kulturmagazine wie ttt – Titel, Thesen Temperamente oder aspekte, Politmagazine wie Report oder Panorama, alles gehört seit Urzeiten zum TV-Alltag der Bundesbürger. Wenn etwas Brisantes passiert, gibt’s einen Brennpunkt nach der Tageschau, der detailliert über die Ereignisse informiert. Das deutsche TV-Publikum ist in den Studios der öffentlich-rechtlichen Sender fast zu Hause. Man kennt die Bewohner der sonntäglichen Dauerserie Lindenstraße schon von Kindesbeinen an, den Sportmoderator oft seit Jahrzehnten, und wenn ein Star wie Thomas Gottschalk seinen Job in der Samstagabend-Show Wetten dass..? quittiert, dann diskutiert die ganze Nation – ob im Waschsalon oder in den Tageszeitungen – seine mediale Zukunft und die angemessene Nachfolge.

Folgt man den einschlägigen Untersuchungen, erreichen die öffentlich-rechtlichen Sender allerdings hauptsächlich ein Publikum höheren Alters, etwa ab 40 Jahren. Dass sie trotzdem noch relativ entspannt an die Programmplanung gehen können, erklärt sich auch dadurch, dass sie sich von Beginn an – die ARD ging nach dem Vorgänger NWDR 1950 auf Sendung, das ZDF 1963 – hauptsächlich durch Gebühren finanzieren. Werbeeinnahmen kommen hinzu.

Die Privaten: Quote als Maßstab

Bei den privaten Sendern, die erstmals in den 1980er-Jahren zugelassen wurden, sieht das ganz anders aus. Sie finanzieren sich selbst. Im Kampf um die erklärte Zielgruppe der unter 50-Jährigen wird allerlei aufgefahren, in der Hoffnung, irgendwie fesseln zu können. Anders als bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, die, kontrolliert von Rundfunkräten, die Pluralität aller gesellschaftlich relevanten Gruppen im Programm gewährleisten sollen, ist hier die Zuschauerquote der Maßstab für die Programmgestaltung.

Einige Sender zeigen wie in Endlosschleife Wiederholungen amerikanischer Serien oder Soaps. Bei anderen Sendern werden Prominente, deren Ruhm verblasst ist, in ein Dschungelcamp gesteckt und gnadenlos auf ihr Durchhaltevermögen hin getestet. Es werden Shoppingqueens gekürt, die in der Lage sind, zu einem bestimmten Thema im Eiltempo ein Outfit zusammenzustellen und zu kaufen. Leute werden dabei gefilmt, wie sie ohne jegliche Sprachkenntnisse ins Ausland gehen und sich zum Beispiel mit einem Sonnenstudio auf Mallorca oder einem Imbisswagen mit Bratwurst und Kartoffelsalat in Italien durchschlagen wollen. Castingshows, in denen Superstars, Supermodels oder Supertalente gesucht werden, erleben seit Jahren einen Boom. Aus Gerichtsshows werden kamerataugliche Anwälte oder Staatsanwälte ausgegliedert und erhalten eigene Sendungen. In immer mehr Dokusoaps werden „Familienfälle“ nachgestellt, Promi-Magazine befassen sich mit Klatsch und Tratsch.

Entspannung für alle

Kein Wunder, dass da so mancher auf die gediegenen, aber gewohnten öffentlich-rechtlichen Kanäle zurückschaltet. Und das sind ganz sicher nicht nur Zuschauer mit gehobenem Bildungsniveau. Wer die garantiert seriöse Nachricht sucht, tut es sowieso. Und auch Krimiklassiker und hochkarätige Spielfilme ohne dauernde Werbeunterbrechung sind dort zu finden. Zwar kommen auch die Ur-Sender nicht ohne Werbung aus. Aber sie läuft nur in Blöcken im Vorabendprogramm. Um 20.00 Uhr ist damit Schluss. Auch darauf kann man sich verlassen.

ARD und ZDF betreiben seit Anfang der 1980er-Jahre auch das deutschsprachige Gemeinschaftsprogramm mit dem Österreichischen Rundfunk und dem Schweizer Fernsehen auf 3sat. Anfang der 1990er-Jahre kam Arte als deutsch-französischer Kulturkanal hinzu. Darüber hinaus wurden der Ereignis- und Dokumentationskanal Phönix und Kika, ein werbefreier Kinderkanal ins Leben gerufen. Bei den Privatsendern haben sich mit der ProSiebenSat1Media und der RTL-Group zwei große Konzerne herausgebildet. Neben ihren überwiegend mit Unterhaltungsprogrammen bestückten Sendern betreiben sie auch die Nachrichtenkanäle N24 (ProSiebenSat1) und n-tv (RTL-Group). Daneben gibt es in Deutschland eine Reihe von privaten Spartenprogrammen wie unter anderen Eurosport oder Viva sowie kleinere lokale Sender. Markführer der Sparte Pay-TV ist der Sender Sky.

Sabine Pahlke-Grygier
ist freie Journalistin und Autorin. Sie schreibt unter anderem für Tageszeitungen und Stadtmagazine.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Juli 2012

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