El Salvador

Elena Salamanca

© Esteban ChinchillaElena Salamanca © Cristian Vides “Ich bin Elena Salamanca, ich bin die erstgeborene Tochter meiner Eltern und die erste Enkelin meiner Großmutter. Ich wuchs in einem Matriarchat aus Frauen auf, die in jungen Jahren zu Witwen wurden und nicht wieder geheiratet haben. Ich wurde von unmotivierten spanischen Schwestern und mit Büchern erzogen.“ Das ist ein Vorstellungstext, den die Autorin über sich selbst geschrieben hat, und er ist wahr.

Im Leben von Elena haben Frauen ein starkes Gewicht. Seit ihrer Kindheit ist sie von ihnen umgeben und von ihnen bekommt sie die Inspiration für das Drama mit dem sie Politik, Geschichte und Literatur denkt.
Von der Politik behauptete sie, dass sie ihr helfe, sich von ihrem eigenen Leben abzulenken, die Geschichte entspräche ihrer Form, die Welt zu verstehen, und die Literatur bringe all dies schwarz auf weiß aufs Papier.

Ihr Werk wurde veröffentlicht in: L´Amerique Centrale reconte (Látinoir, Francia, 2014); Theatre under my skin (Editorial Kalina, El Salvador, 2014); Hijas del diablo, hijas del santo (Niñobúho cartonera, Argentina, 2014); Barcos sobre el agua natal (editorial Literal, México-España, 2012); 4M3R1C4 2.0 (Editorial de la Universidad de Nuevo León, México, 2012); Hallucinated Horse (Pighog Press, Inglaterra, 2012); Voces de mujeres en la literatura centroamericana (Universidad Alcalá de Henares, España, 2012); Una madrugada del siglo XXI (El Salvador, 2010); Selección literaria de las Estancias artísticas para creadores de Iberoamérica y Haití (FONCA, México, 2009) y Nuevas Voces Femeninas (Editorial Universitaria, El Salvador, 2009).

Elena wurde 1982 in einem Land geboren, in dem Krieg herrschte: El Salvador. Aus dieser Zeit erinnert sie noch die Anfänge der in Esquipulas, Guatemala, gefeierten Friedensverhandlungen sowie zwei Plastikpuppen, die ihr ihre Großmutter geschenkt hatte und mit denen sie spielte: Esquipulas I und Esquipulas II. Vielleicht ist deswegen der Krieg eines der zentralen Motive in ihrem Werk. Der Krieg und die verschiedenen Strategien, die der Mensch entwickelt hat, um mit der Gewalt fertig zu werden.

Nach ihren Einflüssen gefragt, gerät Elena ins Zweifeln. Nachdem sie einige Namen genannt hat, schließt sie mit Salarrué, Marosa di Giorgio und Djuna Barnes. Allerdings fügt sie dem hinzu, dass sie die Lektüre dieser Autoren nie zum Nacheifern angeregt, sondern ihr vielmehr dabei geholfen habe, ihre eigene Stimme zu finden. Der Einfluss, sagt sie, liege demnach eher ihrem grundsätzlichen Literaturverständnis begründet.
Ihre literarische Besessenheit besteht dabei zweifelslos in der Suche nach einer Antwort auf die salvadorianische Identitätskonstruktion, die dabei helfen kann, die Gegenwart zu verstehen. Ihre Hauptquellen, die Malerei und Literatur, sind dabei wenig alltäglich. Elenas kontroverse Arbeiten über das Thema, angereichert mit viel Sinn für Humor, erscheinen in regelmäßigen Abständen auf ihrem Blog Landsmo(r)der in der digitalen Zeitschrift El Faro.

Im Jahr 2004 war sie Finalistin für den Alfaguara-Preis für Romane. Im Jahr 2012 veröffentlichte sie Último viernes (Dirección de Publicaciones e Impresos, El Salvador, 2008) und ihre Gedichtesammlung Landsmoder (Editorial Equizzero, San Salvador, 2012), welche von einer poetischen Performance im öffentlichen Raum, nämlich auf der Plaza Morazán im Zentrum von San Salvador, begleitet wurde
Peces en la boca (Editorial Literal, México, 2013 y Editorial Universitaria, San Salvador, 2011) ist das Produkt eines digitalen Logbuchs, das sie in Spanien begann.

Elena erklärt, dass sie über einen bestimmten Zeitraum ihre Literatur plastisch zu erforschen versuchte. In dieser Zeit realisiert sie eine Performance und zwei Installationen, die mit ihren Texten in Verbindung standen und mit denen sie die gedruckte Literatur zu entweihen suchte, um zu zeigen, dass es bei der Literatur um mehr als das Objekt Buch geht.

Im Jahr 2009 bekam Elena ein Stipendium zum Verfassen eines Romans innerhalb des Programms für künstlerische Residenzen in Iberoamerika und Haiti vom Nationale Mexikanischen Fond für Kunst und Kultur (FONCA) und der Spanischen Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (AECID).

Ihre Literatur ist, genau wie ihre Sicht auf die Welt, spielerischer Natur und versucht stets, komplexe Fragen in Form von Rätseln zu beantworten, was fast immer zu neuen Fragestellungen führt.

Eine ihrer bekanntesten Forschungsarbeiten verschlug sie in die Familienbibliothek von Juan Rulfo in Mexiko-Stadt und wurde schließlich veröffentlicht unter dem Namen Correspondencias literarias entre Juan Rulfo y Salarrué. La resonancia de Cuentos de barro en El llano en llamas (Centro Nacional de Investigaciones en Ciencias Sociales y Humanidades, El Salvador, 2013). Als Wissenschaftlerin hat Elena zudem die Arbeit Historia de la Sala Nacional de Exposiciones y la Colección nacional de pintura y escultura (2010) veröffentlicht.

Elena Salamanca ist Gründerin und Leiterin des Festivals Fiesta Ecléctica de las Artes (FEA) in San Salvador, ein Festival eklektischer Kunst, das die Reaktivierung der zeitgenössischen Kunstszene in einem Land anstrebt, in dem es über Jahrzehnte an Kunst mangelte.

Momentan promoviert sie in Geschichte am Colegio de México und bereitet eine Studie über die Guirnalda in El Salvador vor, eine Gedichtsammlung der Barden aus El Salvador von 1888. In Planung ist außerdem eine Gedichtband über Lilian Serpas.

Ein Portrait von Vanessa Núñez Handal.
Übersetzung: Christoph Schabasser

Auszüge

Elena Salamanca: La familia o el olvido1 Elena Salamanca: La familia o el olvido

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