Büchertisch

Melanie Taylor: A falta de ficción

A FALTA DE FICCIÓN | AUS MANGEL AN FANTASIE

Es war einmal ein Land, aus dem die Schriftsteller ausgebürgert wurden. Oder vielleicht bürgerten sie sich selbst aus, als sie feststellten, dass ihre literarischen Schöpfungen, sogar noch die verücktesten, einen realistischen Touch bekamen, noch bevor sie die Druckerei verlassen hatten. Wie schrecklich war es, sich eine Szene vorzustellen, um sie dann in den Fernsehnachrichten zu sehen! Wie völlig unmöglich, zu Abend zu essen, wenn der Schurke der Geschichte neben dem Suppenteller sitzt! Als die Regierung einen Krieg ankündigte, träumten die Schriftsteller unbeschreibliche Szenen, über die sie nicht schreiben wollten. Da flohen aus dem Land Dichterinnen, deren Koffer aus Gedichtzeilen gemacht waren, Schriftsteller mit grauen Bärten, die zerknitterte Geschichten in der Hosentasche trugen und junge Leute, die ihre Hoffnung in den Schuhsohlen schmuggelten.

Ein paar Schriftsteller sind noch übrig geblieben. Sie sitzen und trinken Kaffee, kommen um vor Schlaflosigkeit und halten ihre Ideen fest, bevor sie fortfliegen können, drücken sie an sich, bis von ihnen weniger übrig ist als Schatten, weniger als Staub … nichts.

Übersetzung: Lutz Kliche

Diese Mikrogeschichte wurde im Jahre 2013 im Blog des spanischen Literaturkritikers Fernando Valls, „La nave de los locos“ (Das Narrenschiff) veröffentlicht.

    Zur Autorin

    Melanie Taylor erzählt, dass sie schon als kleines Mädchen spontan zu schreiben begann. Sie schrieb Geschichten, Briefe an Empfänger ihrer Phantasie, Gedichte, Tagebücher. Die Entscheidung, sich ernsthaft dem Schreiben zu widmen, entstand jedoch in zwei Etappen. Mehr...

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