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Yaoska Tijerino: 30 veces Isha

30 MAL ISHA | 30 VECES ISHA

Am Tag, als ich starb,
hielt ich ein Gedicht
in den Händen.
Das Herz zerfloss mir
wie Wein langsam
am Rande der Nacht.
Jemand sagte „Spiegel“
und ich hörte „“Schatten“.
Dieselbe Stimme
murmelte „Leben“
und ich fand STEIN.

Wasmachtesmirschon
Es macht nichts
wenn man die Nacktheit mit dem Papier zu verbergen sucht
während man nach dem Bleistift kramt.
Es macht nichts
den fremden Schritt zu hören
wie ein Stück Porzellan, das mit trägem Klang zerspringt.
Es macht auch nichts
die Augen so weit aufzumachen, um sich von außen zu sehen.

Den Blick üben
damit die Blume mir ihren Tod anvertraut
und ein abwesender Vogel
mir in der Kehle seines Sanges Zuflucht schenkt.

Der Fall
Im Fall des weiblichen Lides ist es
wo etwas verloren geht oder gefunden wird.
So versucht die Pupille ihren Blick voll Argwohn zu verbergen,
so voller Argwohn wie der Evas
vor dem Vergessen des Garten Eden.
Die Unbeständigkeit des Lehms ist wieder da.

Ich bin Ischa,
oft aus dem Paradies verstoßen
schaffe ich hier unten meinen eigenen Himmel.
Ischa,
der Teufel selbst,
an seinen eigenen Schwanz gekettet.
Ich lerne langsam und mit Vorsicht
diese hintere Verlängerung meines Fleischs zu zähmen
die sich da einfach meinen Vorhaben entgegenstellt.
Ich muss wirklich lernen, mich zu setzen!

Übersetzung: Lutz Kliche

    Zur Autorin

    Von der Lyrik von Yaoska Tijerino zu sprechen heißt auch von einer sehr fleißigen und sorgfältig poetisch arbeitenden Lyrikerin zu sprechen. Yaoska hat wie einen Staffelstab das Wort von ihren Vorgängerinnen übernommen: Gioconda Belli, Ana Ilce Gómez, Carola Brantome, Marianela Corriols. Die Poesie zieht sich wie ein Strom durch ihre DNA, denn sie wuchs mit den Versen und Gedanken ihres Onkels Flavio Tijerino auf. Mehr...

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