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„Der Aufenthalt“
Film nach dem Roman von Hermann Kant

Film
13. Oktober 2010, 18:30 Uhr
Goethe-Institut Warschau, ul. Chmielna 13A

Vorführung in deutscher Sprache
Hermann Kant, Foto: Burkhard LangeRegie: Frank Beyer
Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase
DDR, 1983

1976 veröffentlichte Hermann Kant seinen Roman „Der Aufenthalt“. Am Beispiel eines irrtümlich als Kriegsverbrecher beschuldigten jungen Deutschen thematisiert er die Frage von kollektiver Schuld und (Un)Schuld des Einzelnen.

In dem Buch verarbeitet Hermann Kant seine eigenen Erlebnisse während der polnischen Kriegsgefangenschaft zwischen 1945 und 1949. Kant war u.a. im Gefängnis in der ul. Rakowiecka in Warschau inhaftiert.

1983 wurde der Roman in der DDR von Frank Beyer verfilmt, nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase. Auf Intervention von polnischer Seite lief der Film aber nur kurze Zeit in größeren Kinos.

Inhalt:
Oktober 1945. Der 19jährige Mark Niebuhr kommt mit anderen deutschen Kriegsgefangenen auf einem Warschauer Bahnhof an. Eine polnische Frau, glaubt in ihm den SS-Offizier zu erkennen, der ihre Tochter in Lublin ermordet hat. Kurz darauf wird er abgeführt und im Rakowiecka-Gefängnis in eine Einzelzelle gesperrt.

Der ehemalige Grenadier einer Infanterieeinheit weiß nicht, warum er festgehalten wird. Nach langen Wochen, in denen nichts passiert, fordert ihn ein junger polnischer Offizier in Verhören immer wieder auf, seinen Lebenslauf aufzuschreiben und zu sagen, wie er wirklich heißt. Niebuhr begreift die Schikanen nicht, denen er unterworfen wird und beteuert immer wieder, nur Mark Niebuhr zu sein.

In der Haft erlebt er den Hass eines polnischen Mitgefangenen, bei Arbeitseinsätzen wird er zu den gefährlichsten Aufgaben eingeteilt. So muss er ungesichert, auf der Wand eines zerbombten Warschauer Hauses sitzend, Steine abtragen. Bei einem Unfall bricht er sich den Arm.

Im Krankenhaus erfährt er, dass gegen ihn wegen Mordes ermittelt wird. Er wird in eine Zelle verlegt, wo bereits andere deutsche Kriegsgefangene sitzen. Dort besteht noch die alte Wehrmachtshierarchie. Korpsgeist und faschistische Ideale spiegeln sich in diesem Mikrokosmos. Niebuhr durchschaut allmählich, dass er sich unter unbelehrbaren Nazis befindet und distanziert sich von ihnen, isoliert sich und wird letztlich von ihnen ausgestoßen. Während der Monate seiner Haft in dieser Zelle begreift er schmerzhaft, welche Schuld er als deutscher Soldat auf sich geladen hat. …

Wolfgang „Kohlhaase, einer unserer besten Drehbuchautoren, hat beherzt die ‚unerhörte Begebenheit‘ um Mark, die Novelle, wie er es nannte, aus Hermann Kants reflexionsreichem Roman herausgelöst und sie mit Regisseur Frank Beyer zu einem eigenständigen Filmkunstwerk umgeformt. Dies scheint mir die eleganteste Lösung bei Literaturverfilmungen zu sein: der Roman behält, der Film erhält sein Eigenleben, seinen Eigenwert. Beide existieren, wirken selbständig. Der Film will nicht Literatur auf die Leinwand bringen, er will Film sein und mit seinen Mitteln eine Geschichte erzählen, die der Roman mit seinen, d. h. ganz anderen Mitteln erzählt. Ein bedeutender Film ist entstanden. Mark Niebuhrs Erlebnisse werden sehr dicht, fast atemberaubend erzählt – ohne Pause, ohne Wiederholung, ohne Leer- oder Anschlußphasen…“
Günter Agde: „Eine ‚unerhörte Begebenheit‘. ‚Der Aufenthalt‘“
Quelle: Filmportal

Hermann Kant
Hermann Kant, Foto: Burkhard LangeHermann Kant, 1926 in Hamburg geboren, war im Zweiten Weltkrieg Soldat und von 1945-49 in polnischer Kriegsgefangenschaft, u.a. in Warschau. Von 1952 bis 1956 studierte er Germanistik in Berlin und arbeitete danach als wissenschaftlicher Assistent und Redakteur.

Hermann Kant lebt seit 1962 als freier Schriftsteller. 1978-1989 war er Präsident des Schriftstellerverbandes der DDR und in dieser Funktion sehr umstritten, so beim Ausschluss von Schriftstellern aus dem Verband und der Ausbürgerung zahlreicher Schriftsteller aus der DDR.

Wichtige Romane von Hermann Kant sind u.a. „Die Aula“ (1965), „Das Impressum“ (1972), „Der Aufenthalt“ (1976).

Diese drei Bücher wurden von Sławomir Błaut ins Polnische übersetzt: „Aula“ (Die Aula) 1968, „Stopka redakcyjna“ (Das Impressum) 1975, „Pobyt“ (Der Aufenthalt) 1984.

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