Für Jugendliche

Was sind „indigene Völker“?

Was wissen wir über das Leben der „indigenen Völker“ wirklich? Viel zu wenig! Dieser Beitrag informiert euch über die indigenen Völker im Amazonas-Gebiet und ganz speziell über die Yanomami.

Mit den Begriffen „Indianer“ und „indigene Völker“ verbinden sich aufregende Bilder. Geheimnisvoll und faszinierend sind die Berichte und Geschichten von Wissenschaftlern und Forschern, die im Amazonasgebiet auf Menschen stoßen, die ihr Leben in traditioneller Weise gestalten und noch nicht mit unserer modernen Zivilisation vertraut sind. Schockierend sind jedoch die Fakten über die hemmungslose Verwüstung ganzer Landstriche und die Ermordung und Schändung ihrer Bewohner, wenn es darum geht, Bodenschätze, Weide-, Wald- und Wasserflächen für unsere „Zivilisation“ nutzbar zu machen.

Viele Fernsehzuschauer haben sich nun schon an die Berichte darüber gewöhnt, dass die Rodungen großer Regenwaldgebiete das Klima weltweit beeinflussen, und darüber, dass der Kulturschock mit unserer Zivilisation für die Ureinwohner zu einer Randexistenz mit Drogen und Alkohol führen kann. Aber was wissen wir über das Leben der „indigenen Völker“ wirklich? Viel zu wenig!

Die besten Informationen über die indigenen Völker im Amazonas-Gebiet gibt es in Brasilien selbst. Maßgeblich hierfür ist die Arbeit des Instituto Socioambiental (ISA), das sich seit 25 Jahren mit der Geschichte und der Entwicklung indigener Völker in Brasilien beschäftigt und sich für ihre Rechte einsetzt.

Das ISA hat dazu ein spezielles Webportal für Kinder entwickelt. Diese Webseiten haben wir ins Deutsche übersetzt!
ISA-Webportal für Kinder

Wer Englisch oder Portugiesisch lesen kann, findet noch mehr Informationen auf dem Portal „Povos Indígenas no Brasil“!
ISA: „Povos Indígenas no Brasil“


Indianer oder indigene Völker?

„Indigen“ heißt in wörtlicher Übersetzung “eingeboren”. Als indigen oder eingeboren bezeichnet man die Völker, Gruppen oder Ethnien, die auf einem bestimmten Land eingesessen sind. Das heißt, dass sie seit langer Zeit dort leben – im Unterschied zu der Gruppe, die in diesem bestimmten Land neu hinzukommen ist, etwa die Menschen aus Europa, als sie die Länder anderer Erdteile erobert und kolonialisiert haben.

Der Begriff „Naturvolk“ ist problematisch, da er einen Gegensatz zu den „Kulturvölkern“ unterstellt und den traditionell lebenden Gesellschaften unterschwellig „Kultur“ abspricht. Die meisten Menschen neigen dazu, ihre eigene Kultur beziehungsweise Zivilisation als die eigentliche und höher zu bewertende anzusehen und insofern anderen Völkern diese Attribute abzusprechen. Tatsächlich ist aber jede Wertung auf einer Entwicklungsskala problematisch, und wir müssen davon ausgehen, dass verschiedene Völker ganz unterschiedliche Vorstellungen haben vom Verhältnis zwischen Kultur und Natur und von der Entwicklung der menschlichen Kultur.



Vor allem sollten wir allen Menschen, die heute leben, als gleichwertigen Zeitgenossen begegnen. Wer einem anderen Volk unterstellt, kulturell „unterentwickelt“ zu sein, der gibt dadurch zu erkennen, dass er eigentlich keine Ahnung vom Reichtum und von der Komplexität des anderen Volks hat.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die indigenen Völker in Brasilien und in ganz Nord- und Südamerika als „Indianer“ bezeichnet. Dieser Name geht auf ein Missverständnis zurück: Als die ersten Europäer das amerikanische Festland erreichten, hielten sie es für Indien. Die Einwohner nannten sie daher „Indianer“. In Korrektur dieses Missverständnisses werden die Nachkommen der ursprünglichen Bevölkerung Amerikas heute in Fachkreisen auch „Amerindianer“ genannt. Der Begriff hat sich jedoch im Deutschen weniger durchgesetzt als in anderen Sprachen (portugiesisch „ameríndios“). Wir werden im Folgenden auch den Begriff „Indianer“ benutzen – und wissen, dass damit die indigenen Völker des amerikanischen Kontinents gemeint sind.

Brasilien und Südamerika

Als vor 500 Jahren die ersten Europäer nach Brasilien kamen, gab es schätzungsweise über 1.000 indigene Völker, denen zwischen zwei und vier Millionen Menschen angehörten. Heute existieren davon noch 233 Ethnien mit circa 230.000 Menschen, die mehr als 180 verschiedene Sprachen sprechen.



Die Indianer, die heute in Brasilien leben und nur weniger als ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, haben eine lange und bewegte Geschichte, die weit zurückreicht in die Zeit vor Kolumbus. Erst mit der Ankunft der Portugiesen im Jahr 1492 kamen die indigenen Völker mit der westlichen Zivilisation in Kontakt. Die Kolonialisierung hat ihr Leben, ihre Kultur und Umwelt dramatisch verändert. Oft mussten sie vor den Neuankömmlingen fliehen und in das Gebiet anderer indigener Völker eindringen. Die Aufteilung Südamerikas in verschiedene Länder (Brasilien, Venezuela, Bolivien, Argentinien etc.) und Bundesstaaten (in Brasilien: Amazonas, Mato Grosso, Roraima etc.) stimmt nicht mit der geografischen Verteilung der indigenen Völker überein. Viele Völker wurden durch die Schaffung dieser neuen Grenzen getrennt.

Der Prozess der Kolonialisierung war ein Prozess der Gewalt: Zahlreiche Völker wurden ganz oder teilweise ausgelöscht, das Land wurde enteignet, Traditionen, die das physische und kulturelle Überleben sicherten, wurden unterdrückt und zerstört. Während sich neue nationale Gesellschaften bildeten, verschwanden alte ethnische Identitäten. Seit einigen Jahrzehnten gibt es aber auch erfolgreiche Bemühungen, die stark dezimierten Nachkommen der traditionellen Bevölkerung zu schützen. Dabei geht es unter anderem um die Anerkennung spezieller Rechte, den Kampf um die Wiedergutmachung historischer Ungerechtigkeit, um staatlich garantierte Schutzgebiete beziehungsweise Besitzrechte an Ländereien oder um natürliche Rohstoffe. An den entsprechenden Programmen arbeiten zum Beispiel die Vereinten Nationen (UNO), die International Labor Organisation (ILO) und die Organisation of American States (OAS).

Die Yanomami

Im tropischen Regenwald des nördlichen Amazonasgebiets leben die Yanomami mit einer Bevölkerung von über 30.000 Menschen, wobei der größere Teil auf brasilianischem Territorium lebt. Ihr Gebiet erstreckt sich über circa 192.000 Quadratkilometer auf beiden Seiten der Grenze zwischen Brasilien und Venezuela, in der Region zwischen den Flüssen Orinoco und Amazonas, am rechten Ufer des Rio Branco und am linken Ufer des Rio Negro. Ihr Schutzgebiet in Brasilien hat die Größe Portugals. Ständig dringen jedoch ungebetene Gäste in dieses Gebiet ein, auf der illegalen Suche nach Gold und anderen Bodenschätzen. Je mehr Menschen sich über die Lebensumstände der Yanomami genau informieren, umso größer sind die Aussichten, dass ein friedliches Zusammenleben zwischen den Völkern gesichert werden kann.



Auf den folgenden Seiten finden sich zahlreiche authentische Informationen über die Geschichte, die Kultur und die Kosmologie der Yanomami, über ihren Umgang mit der Natur und ihren Schamanismus. Verfasst wurden diese Texte von ihrem Sprecher Davi Kopenawa Yanomami und vom französischen Anthropologen Bruce Albert, der seit über 30 Jahren mit Davi befreundet ist und eng mit dem Volk der Yanomami zusammenarbeitet.
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