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Interviews mit Frauen aus der Gamingindustrie
Interview mit Olga Ciob: „Challenge Everything“

Gate to Ice
@ Olga Ciob

Olga Ciob, Konzeptkünstlerin und Art Director, ist seit 16 Jahren in der Videospielbranche tätig. Olga hat ihre eigene Concept-Art Seite und motiviert junge Frauen in die Gaming-Industrie eine Karriere zu machen.

Hallo Olga! Kannst du uns ein paar Dinge über dich erzählen?

Es fällt mir sehr schwer, über mich zu sprechen. Aber in wenigen Worten kann ich sagen, dass ich Künstlerin und Mutter bin. Obwohl ich hauptsächlich digital arbeite und den größten Teil meines Tages vor dem Computer verbringe, zieht mich der analoge Teil des Lebens immer mehr an. Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie, ich lese, reise gerne und arbeite im Garten.


Warum hast du dich entschieden, in die Gaming-Branche einzusteigen und wie war bis jetzt dein Weg?

Zu den wenigen PC-Spielen, die ich in der Schule mit meinem damaligen Freund und meinem jetzigen Ehemann gespielt habe, gehört „Need for Speed“ von Electronic Arts. Zu Beginn jeder Spielrunde erschien ein Slogan auf dem Bildschirm: „Challenge Everything“. Ich liebte diesen Slogan, meine Vorstellung von dem Unternehmen war großartig. Ich sah die Mitarbeiter der Firma als Götter der Technologie, versammelt in einem Olymp, wo gewöhnliche, sterbliche Menschen wie ich niemals eingeladen werden. Einige Jahre später, als ich in das Berufsfeld eingestiegen bin und als 2D-Künstlerin in einem Unternehmen arbeitete, das Software für E-Learning erstellte, stieß ich auf eine Stellenanzeige für die Position einer Pixel-Künstlerin bei EA Rumänien. In diesem Moment leuchteten bei mir alle Lichter auf! Meine Freund*innen waren sehr skeptisch und meinten, dass ich dort keine Chance auf einen Job hätte. Ich war noch eine Einsteigerin mit sehr wenig Erfahrung. Nach ein paar Tagen beschloss ich jedoch, mich zu bewerben, in dem Wissen, dass es nicht schaden würde. Lange Rede, kurzer Sinn, es folgten der Einstellungstest und das Vorstellungsgespräch und rund 16 Jahre später bin ich immer noch in der Videospielbranche tätig.
 

Olga Ciob Olga Ciob


Hattest du am Anfang eine Mentorin oder gab es Frauen in der Branche, die dich inspiriert haben?

Als ich in die Branche kam, gab es extrem wenige Frauen. Man konnte sie an den Fingern abzählen und die meisten waren in der Personalabteilung. Ich war die Einzige in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Ich hatte eine Kollegin in der Programmierung und eine in der QA-Abteilung. Das war in einem Unternehmen mit mehr als 70 Mitarbeiter*innen. Ich hatte keine Mentor*in, weil zu dieser Zeit Mentoring in Rumänien nicht so viel praktiziert wurde. Hier kämpfte jede*r für sich. Die meisten in der Branche wollten die Besten und Unentbehrlichsten werden. Niemand versuchte, eine Gemeinschaft zu schaffen. Noch schlimmer war es, dass alle versuchten, sich zu isolieren und kleine "Clubs" mit eingeschränktem Zugang zu gründen. Diese Clubs waren eine Art "Boy's Club".
Daniel Simon hat mich am meisten inspiriert, als er während der Veranstaltung "Behind the Iron Curtain“ einen Vortrag hielt. Ich kann ehrlich sagen, dass seine Rede meine Mentalität und damit meine Karriere verändert hat. Seine Rede hat mir die Augen geöffnet und ich werde ihm dafür immer dankbar sein. Das Einzige, was ich bedaure, ist, dass ich seine Rede erst nach meiner Zeit an der Universität gehört habe.

Was ist der schwierigste Teil deines Jobs?

Das Schwierigste im Job einer künstlerischen Leitung ist es, Menschen mit äußerst begrenzten künstlerischen Kenntnissen zu überzeugen. Sie haben manchmal starke Meinungen und sehr viel Macht. Es fällt ihnen schwer, meinen Entscheidungen oder meinen Lösungen zu vertrauen.


Welche Arten von Spielen magst du und was ist dein Lieblingsspiel?

Ich spiele sehr wenig, da ich dafür keine Zeit mehr habe. Meine Freizeit investiere ich lieber in meine künstlerische Weiterentwicklung. In meiner Jugend, als ich etwas mehr Freizeit hatte, habe ich Mortal Kombat, NFS und Zuma gespielt. Jetzt spiele ich nur noch, wenn ich Projektforschung mache. Meistens schaue ich mir Playthough auf YouTube an.

Kannst du dich mit einer weiblichen Figur identifizieren? Wenn ja, mit welcher?

Im Moment kann ich mich mit keinem Charakter identifizieren.

Hast du dich jemals in dieser Branche diskriminiert gefühlt?

Nicht diskriminiert, sondern ausgegrenzt. Aber das war vor 15 Jahren.  Inzwischen kann ich mit Freude sagen, dass sich die Dinge geändert haben. Jetzt liegt der Schwerpunkt auf Inklusion und der Schaffung einer vereinten und vielfältigen Gemeinschaft. Aber in dieser Richtung gibt es noch viel zu tun. Dennoch werden bedeutsame Fortschritte erzielt.

Hast du eine Botschaft für Mädchen, die eine Gaming-Karriere starten wollen?
Fangt einfach damit an! Es gibt für alle einen Platz.

Olga ist Konzeptkünstlerin und Sie können ihre Kunstwerke hier ansehen:

https://www.artstation.com/olgaciob

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