Luisa Francia

Luisa Francia: Narrengold

Rezension

Luisa Francias Kriminalroman bietet einen spannenden und unterhaltsamen Blick auf Afrika, der unaufdringlich und eher nebenbei klassische Afrika-Klischees durchbricht. Vor allem die Fahrt in den Norden des Landes erscheint als eine Art Initiationsreise in die fremde Kultur. Die Ich-Erzählerin freundet sich mit ihrem Fahrer Mamadou und dessen Familie an. Sie erfährt die Gründe für Militärkontrollen und Korruption, lernt im afrikanischen Alltag zu überleben und genießt unterschiedliche Vorstellungen von Zeit, die sprichwörtliche afrikanische Gastfreundschaft.

Darüber hinaus deckt der Roman die Kontinuität kolonialer Praktiken und Herrschaftsverhältnisse zwischen Europa und Afrika auf. Die skrupellose Durchsetzung europäischer Wirtschaftsinteressen im unabhängigen Mali wird vor allem an der Figur des Geschäftsmannes Maurice Gaillard deutlich. Gestützt auf die politische Elite des Landes bereitet der französische Unternehmer die Ausbeutung afrikanischer Uranvorkommen vor. Dabei nimmt er die Schließung einer archäologischen Grabungsstätte ebenso in Kauf wie die Auslöschung eines ganzen Dorfes: Der spannende Einstieg des Buches zeigt, dass nur einige Kinder überleben, als eine Gruppe von Weißen in einer Nacht- und Nebel-Aktion die einfachen Hütten mit Bulldozern niederwalzt.

Auch die klassische Form der Entwicklungszusammenarbeit ist im Roman präsent. Luisa Francia beschreibt das Milieu europäischer bzw. US-amerikanischer Wirtschaftsvertreter, Diplomaten und Entwicklungshelfer, die trotz ihres Engagements in Afrika teils in tiefer Angst und Misstrauen gegenüber den Afrikanern leben, zu denen sie privat kaum Kontakt haben.

Eine alternative Form der Zusammenarbeit zeichnet sich in der Freundschaft zwischen Alex Felder, Mamadou und dessen Cousine Fanta ab: Gegenseitige Hilfe und Unterstützung führt zur Aufklärung des Todes von René Gaillard sowie der Machenschaften seines Vaters. Gleichzeitig deckt die deutsche Detektivin damit den Mord an Fantas Familie auf - vor den offiziellen Gerichten des Landes kam die Zwangsumsiedlung nie zur Verhandlung. Alex Felder ihrerseits überlebt nur, weil sie von einer Tuareg-Familie vor dem deutschen Söldner versteckt wird, der überall nach ihr sucht, nur nicht im afrikanischen Milieu der kleinen Leute.

Am Ende des Romans kehrt die Ich-Erzählerin nach Europa zurück, doch über einen Gegenbesuch ihrer neuen Freundin Fanta in Deutschland wird die deutsch-afrikanische Freundschaft und Kooperation in die Zukunft verlängert.

Sonja Lehner