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Über das Projekt

Viele Länder Afrikas sind stark oral geprägt: Die Weitergabe von Informationen und der Transfer von Wissen erfolgen zu einem großen Teil mündlich. Insbesondere traditionelles, indigenes Wissen – z.B. Wissen zu Formen des Zusammenlebens, zu Heilkunde, Landwirtschaft, Mythen & Märchen und Initiationsriten – wird mündlich von einer Generation zur anderen weitergegeben und dabei selten schriftlich fixiert.

Starke orale Kulturen in afrikanischen Ländern

Die Alphabetisierungsrate ist in vielen afrikanischen Ländern niedrig. Viele Menschen sind so genannte funktionale Analphabeten. Sie haben Lesen und Schreiben gelernt, nutzen diese Fähigkeiten aber selten. Dadurch gehen diese Fähigkeiten zu einem großen Teil wieder verloren. Häufig vertrauen auch die Menschen, die lesen und schreiben können, eher dem persönlichen Gespräch und Rat als schriftlichen Informationsquellen in gedruckter oder elektronischer Form. Dies stärkt die orale Kultur, die davon lebt, dass Wissen und Mythen mündlich weitergegeben werden.

Anschluss an die Wissensgesellschaft

Wir erleben weltweit die Ablösung der Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft durch die Wissensgesellschaft: Wissenschaftliches und technisches Wissen gewinnt in allen Lebensbereichen an Bedeutung. Durch das Internet stehen immer mehr Informationen immer mehr Menschen zur Verfügung. Die Kluft zwischen den Menschen, die Zugang zu digital verfügbaren Informationen haben und den Menschen, die nicht über die technische Infrastruktur, die finanziellen Mittel, das Know-How und die kulturellen Voraussetzungen zum Zugang zu diesen Informationen verfügen, vergrößert sich ständig. Insbesondere lebenspraktisches Wissen ist in afrikanischen Ländern wichtiger denn je. Denn dieses ist notwendig, um Hunger und Armut zu reduzieren, Gesundheit zu gewährleisten und eine aktive Teilhabe am sozialen und politischen Leben zu ermöglichen.

Mündlichkeit in der Literatur

Orale Kultur hat immer auch eine starke performative Komponente: Märchen werden erzählt und dramatisch ausgeschmückt, Gedichte werden in Spoken Word Sessions rezitiert, mit Trommeln und anderen musikalischen Elementen begleitet, Geschichten werden getanzt. Auch die zeitgenössische afrikanische Musik hat ihre Wurzeln zumindest teilweise in der oralen Kultur. Man denke nur an Hip-Hop, Rap und viele andere Stilrichtungen, die traditionelle Elemente aufgreifen, sie verfremden, variieren oder in einen neuen Kontext stellen.

Das Goethe-Institut schlägt Brücken

Abseits des Internets existiert daher eine Parallelwelt des mündlich tradierten, nicht verschriftlichten Wissens, das nur einem sehr kleinen Personenkreis zugänglich ist. Vieles davon ist für viele Menschen relevant und sollte daher – soweit möglich und sinnvoll – in globale Netze eingespeist werden, um auch anderen Interessenten zur Verfügung zu stehen.

Die Goethe-Institute in der Region Subsahara-Afrika befassen sich mit dem Themenschwerpunkt „Oralität“, um die Integration mündlich geprägter Kulturen in die globale Wissensgesellschaft voranzutreiben und eine Brücke zu schlagen zwischen mündlich und schriftlich dominierten Wissenssystemen. Dazu gehört zum einen die Teilhabe von Menschen in mündlich geprägten Kulturen am weltweiten Wissen, und zum anderen die Integration mündlich tradierten Wissens in globale Informationsnetze. Ein weiteres Ziel ist die Förderung oral geprägter künstlerischer Ausdrucksformen und die Vernetzung ihrer Akteure in afrikanischen Ländern und in Deutschland bzw. Europa…

Über die Website

Auf der Website „Word of Mouth“ stellen wir Informationen zusammen über Institutionen und Initiativen zum Thema Oralität in afrikanischen Ländern und in Deutschland. Und wir informieren über eigene Projekte, die wir in den Ländern südlich der Sahara durchführen und die sich mit mündlichen Traditionen und aktuellen Ausdrucksformen von Oralität beschäftigen.