Botschafter

Rimvydas Petrauskas, Rektor der Universität Vilnius, Historiker

Rimvydas Petrauskas Foto: Edgaras Kurauskas
In der Schule habe ich Deutsch eher zufällig gewählt. Gelernt habe ich mit unterschiedlichem Erfolg und unterschiedlicher Motivation, letztendlich war es aber eine meiner besten Entscheidungen.

Bei meinem Geschichtsstudium an der Universität Vilnius erkannte ich schnell den Wert dieser Sprache. Litauen war und ist historisch eng mit den deutschsprachigen Ländern verbunden, und Deutschland ist in unserer Region seit dem Mittelalter aktiv. Auch wenn es eine bewegte Geschichte ist, kommt man nicht umhin, den bedeutenden deutschen Beitrag zur Geschichte der baltischen Staaten zu verstehen. Dies wird zweifellos auch in Zukunft der Fall sein, und die deutsche Sprache wird bei Experten in verschiedenen Bereichen notwendig sein. Die Fähigkeit, das Land und seine Menschen anhand von Primärquellen kennen zu lernen, ist von großem Wert. Kulturelle, politische und historische Zusammenhänge lassen sich nicht übersetzen– sie können nur durch unmittelbares Lesen, Beobachtung und Kommunikation erkannt werden.

Ich hatte viele Gelegenheiten, meine Sprachkenntnisse an deutschen Universitäten zu vertiefen, Altdeutsch zu lernen, akademische Kontakte und persönliche Freundschaften zu knüpfen, deutsche Literatur kennenzulernen und mir eine reiche und vielfältige Kulturwelt zu erschließen. Auf Reisen durch Hansestädte, beim Besuch reizvoller Universitätsstandorte, beim Wandern oder Skifahren in den Alpen kehre ich nicht nur in die deutsche Umgebung zurück, sondern lerne auch die Wurzeln unserer gemeinsamen europäischen Kultur besser kennen.     

Die Mehrsprachigkeit ist Bestandteil unserer Zivilisation wie auch ein persönlicher Vorteil für jeden von uns. Wenn man eine neue Sprache lernt, beginnt man einen neuen Lebensabschnitt, der einen für immer begleitet. Nun, jetzt werde ich meinen Sohn ermutigen, die neuesten Informationen über Bayern München auf Deutsch zu lesen ...