Erlebnisse, Anekdoten, Berichte und Erinnerungen – Geschichte erzählt

Warten auf den Gravytrain – Das Leben des unerschütterten Seemanns Siegfried Reile
Von Hubert Eichheim

28. September 1969

In einem üppigen Garten an einer der breiten, von exotischen Bäumen bestandenen Straßen im damals vornehmen Villenviertel Maadi südlich von Kairo drängt sich ein Grüppchen Deutscher, Frauen und Männer, unter einer von Jasmin überwachsenen Pergola um den auf einem Hocker platzierten Grundig Satellit.

Die Nachrichten in deutscher Sprache gemischt mit den Pfeifgeräuschen des Kurzwellensenders müssen sich gegen die Schreie von Vögeln und den Luftschlägen von fliegenden Hunden durchsetzen, denen es die Frequenzen des Radiogerätes besonders angetan zu haben scheinen. Sigi Reile – bekennender Sozialdemokrat – und seine Frau Maleen haben zur Wahlparty eingeladen. Die versammelten Personen befinden sich in höchster Spannung. Sie alle sind Parteigänger oder zumindest Sympathisanten des Willy Brandt, der an diesem Abend die Mehrheit der Abgeordneten im Bundestag hinter sich zu versammeln versucht, um erstmals eine sozialdemokratisch geführte Regierung zu bilden. Die Gesellschaft strahlt zunehmend gute Laune aus, je wahrscheinlicher sich ein Bündnis SPD mit FDP als Ergebnis dieser Wahl herausstellt. Der betörende Duft des Yasmin und die Wirkung des auf dem schwarzen Markt erworbenen Whiskys tun das Ihre dazu.

Für die bei dieser Party anwesenden Deutschen ist dieser Abend ein besonderes Ereignis. Zu jener Zeit waren wir Deutsche im Ägypten des Abdel Nasser von den üblichen Informationsquellen der internationalen Welt beinahe total abgeschnitten. Eine deutsche Tageszeitung oder ein Nachrichtenmagazin kam frühestens zwei Wochen nach ihrem Erscheinen in Kairo an und war dann auch nicht allen Interessenten zugänglich, selbst wenn die strenge Zensur der Regierung ein Auge zugedrückt hatte. Es galt als besonderer Vorzug, wenn man einen Diplomaten kannte, der einem eine völlig zerlesene FAZ zusteckte.

S.R. und seine Familie sind erst vor kurzem von Kalkutta mit zwei Söhnen und indischer Kinderfrau nach Kairo übersiedelt, wo er die Stelle des Programmreferenten am Deutschen Kulturinstitut übernehmen sollte. Ihr Haus im Villenviertel Maadi ist bereits Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Jeder ist gern zu Gast bei dem attraktiven Paar und schätzt seine ungezwungen-routinierte Gastlichkeit und die unprätentiöse Liebenswürdigkeit. Zweimal, dreimal die Woche laden die Reiles zu sich nach Hause ein, Ägypter der Kulturszene, Europäer aller Art und natürlich auch Kollegen des Goethe-Instituts. An den Wochenenden konnte man bisweilen eine eigenartige Autokolonne auf der Wüstenstraße nach Alexandria beobachten, in der die Familie Reile sich mit Tross zum Badeort Agami zwischen Alexandria und El Alamein begab. Selbstverständlich waren alle Dienstboten einschließlich des Kochs Ibrahim und immer auch einige Gäste dabei.

An dem Abend des Wahltags muss es gewesen sein, dass ich erstmals von Sigi Reile den Satz hörte: „Du brauchst nur etwas Geduld. Der Gravytrain kommt immer wieder vorbei“. Das sagte er zu einem Kollegen, der seine damals anhaltenden Schwierigkeiten mit seiner Dienststelle beklagte. Das Schöpfen aus der Sauciere der Chancen ist diesem ungewöhnlichen Mann öfter gelungen als vielen anderen Zeitgenossen und Kollegen.

1922 Bremen

Siegfried Rudolf Richard Reile wurde am 22. Oktober 1922 in Bremen als sowjetischer Staatsbürger geboren. Sein Vater Emil Reile und zwei von dessen Brüdern waren 1912 von Lodz /Pabianice im damals russischen Polen nach Bremen umgesiedelt, das sie als Ausländer nicht verlassen durften. Wie Bewährungssträflinge mussten sie sich regelmäßig bei der Polizei melden. Die Begeisterung für den Krieg verführte die drei Reilebrüder dazu, sich freiwillig zur deutschen Armee zu melden. Als Nichtdeutsche wurden sie jedoch zurückgewiesen. 1916 wurde dem Vater und dessen Brüdern dann die deutsche Staatsbürgerschaft angeboten unter der Bedingung, dass sie sich erneut freiwillig zum Kriegsdienst meldeten. Diesmal verzichteten die drei mit der Begründung, „nun doch lieber erst den Sieg abzuwarten.“

1923 Hamburg

Nach Abschluss des deutsch-sowjetischen Vertrags von Rapallo 1923 wurden die Eltern und ihre fünf Kinder, darunter auch der einjährige Siegfried, endlich deutsche Staatsbürger.

Ihre Freiheit nutzend zogen sie sofort von Bremen nach Hamburg in den kleinbürgerlichen Stadtteil Eimsbüttel-Moorkamp, in die Fettstraße 1, die allgemein Schmalzgasse genannt wurde. Dort betrieb der Vater zusammen mit einem Herrn Focke einen Großhandel für Kristallglaswaren und Schneidewaren (Tafelbestecke usw.). Für die Kinder war die Schmalzgasse ein Traumgelände. Sie konnten dort ungestört ausgelassen spielen und aus ausgemusterten Fahrrädern, Rollern und anderen Gefährten ihre eigenen Fahrzeuge basteln, mit denen sie die Schmalzgasse verunsicherten. Ansonsten prägten Handkarren mit Ziehhunden und Pferdefuhrwerken das Straßenbild, nur selten störte ein Automobil.

Ostern 1929 wurde Sigi in die Volksschule Hamburg-Moorkamp eingeschult. Jungen und Mädchen wurden getrennt unterrichtet. War das große Hoftor geöffnet, stellten sich die Klassen auf und marschierten nach dem Klingeln in die Klassenräume. Schiefertafeln, Stifte, Radiergummi und Lehrbücher gab es für alle Schüler kostenlos. Die Lehrer waren streng aber gerecht, sie achteten auf Sauberkeit, Ordnung und Respekt. Feierstunden schlossen mit der Hymne „Stadt Hamburg an der Elbe Auen“ und dem „Deutschlandlied“. Jung-Siegfried schaffte problemlos nach vier Jahren den Übergang in das neusprachliche Gymnasium Hamburg-Uhlenhorst mit Englisch als erster Fremdsprache, was sich später als schicksalhaftes Hindernis herausstellen sollte.

Eimsbüttel war damals ein kleinbürgerliches Wohnviertel, bewohnt von Handwerkern, Seeleuten, kleinen Beamten und Kaufleuten. Die Rotfrontkämpfer der kommunistischen Partei und Reichsbanner schwarz-rot-gold der SPD beherrschten die Straßen. Die gewaltigen Demonstrationszüge der KPD aus den Arbeitervierteln der Vororte in die Innenstadt liefen etwa so ab: ein Agitator rief per Sprachrohr rückwärtsgewandt den von Müttern mit Kinderwagen und Versehrten auf Krücken und in Bollerwagen verladenen Demonstranten die Frage zu „Was haben wir Arbeitslosen?“ die im Chor zurückgebrüllte Antwort lautete „Hunger!“ Frage: „Was wollen wir Arbeitslosen?“ Antwort: „Arbeit und Brot“. Derartige Demonstrationen waren an der Tagesordnung und bestimmten nicht nur die Erlebniswelt der Erwachsenen.

Mit dem Schwarzen Freitag der New Yorker Börse am 29. Oktober 1929 endete die turbulente Zeit und eine scheinbar friedliche, letztendlich unheilvolle Entwicklung begann. Die Nationalsozialisten mit ihrer paramilitärischen Sturmtruppe SA traten mehr und mehr in den Vordergrund. SA-Leute und Rot-Front Angehörige standen sich in ihrer Gewaltbereitschaft nichts nach und auch die SPD verfügte mit ihren Reichsbanner-Mitgliedern über erprobte Straßenkämpfer.

Die Geschäfte der väterlichen Firma entwickelten sich zeitweise so gut, dass die Familie aus dem wenig attraktiven Moorkamp in ein feudaleres Wohnviertel nahe der Außenalster umziehen konnte. Man führte nun auch ein reges geselliges Leben, einerseits mit Geschäftspartnern des Vaters, andererseits mit alten Freunden aus der russisch-polnischen Heimat bei Schnaps, Bier, selbst bereiteter Grützwurst und Streuselkuchen. Dazu spielte man auf dem neu erworbenen Grammophon mit dem riesigen Schalltrichter schwermütige russische Weisen und die neuesten deutschen Schlager wie Oh Donna Clara.

Der erzwungene Schulwechsel bedeutete für Siegfried Trennung von seinen Spielkameraden. Oft lief er den langen Weg von einer Stunde bis zur Schmalzgasse, wo er seine alten Freunde fand. Aber auch der Hafen mit den Landungsbrücken wurde immer häufiger Ziel seiner Ausflüge. Die Ozeanriesen des Norddeutschen Lloyd hatten es ihm angetan. Da saß er stundenlang auf einem dicken eisernen Poller und wartete auf das Ablegemanöver und träumte beim Spiel der Bord Blaskapelle „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ von fernen Ländern.

Inzwischen war S.R. Pfadfinder geworden, hatte sich dann auch noch der patriotischen Scharnhorst Jugend angeschlossen und wie sein ältester Bruder auch dem Jungdeutschen Orden (Jung DO), einer rechts angesiedelten Splittergruppe mit eigener Hymne, deren Mitglieder sich mit der rechten Hand am Herzen und den Worten „Treu Deutsch!“, Erwiderung „Alle Wege!“ begrüßten. Schon 1934 wurden alle Jugendverbände aufgelöst und in die Hitlerjugend integriert. Da er noch unter 14 war, musste S.R. dem Deutschen Jungvolk beitreten, danach der Marine-HJ. Die Eltern standen politisch der Zentrumspartei nahe, ihr politisches Ideal war aber die „Zeit der Zarenherrschaft in Polen und die letzten kaiserlichen Glanzjahre ihrer neuen Heimat.“

Die Probleme der Migration waren längst überwunden, als die väterliche Firma 1932 vor dem Konkursrichter landete. Der erreichte bürgerliche Wohlstand zerschmolz, die Familie gab die Stadtwohnung auf und zog in ein Wochenendhäuschen im dem entlegenen Vorort Harburg. Der älteste Bruder meldete sich zur Reichswehr, die anderen drei Geschwister verließen die Schule und ergatterten immerhin je eine der damals raren Lehrstellen (als Konditor, Gärtner, Verkäuferin). Nur Siegfried durfte mit Schulgeldermäßigung weiterhin eine höhere Schule besuchen.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten war zunächst weder für den jungen S.R. noch für die Familie Reile negativ spürbar. Man gewöhnte sich an die neue Ordnung, begrüßte die Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt und der öffentlichen Sicherheit und lobte die scheinbare Wiedergewinnung der durch den Versailler Vertrag verloren gegangenen nationalen Würde.

1935 Berlin

Auch für Vater Reile begannen sich die wirtschaftlichen Verhältnisse zu stabilisieren. Nach einem Vergleich mit den Gläubigern der alten Firma meldete er seine eigene Firma Emil Reile, Handelsvertretungen an. Mit Hilfe von alten Freunden wurde er Lieferant des Kaufhausriesen Karstadt, folgte dem Sog der Zeit und zog mit seiner Firma nach Berlin. Der Familie blieb nichts Anderes übrig als nach einiger Zeit nachzukommen. Siegfried hatte auch keinen Zweifel, in der Reichshauptstadt seine Schulbildung in der begonnenen Richtung fortsetzen zu können. Zu seiner großen Enttäuschung fand er in keinem Gymnasium der umliegenden Stadtbezirke Aufnahme, weil er die Sexta (so hieß damals die erste Klasse Gymnasium) in Hamburg mit Englisch als erster Fremdsprache absolviert hatte, während alle höheren Lehranstalten in Berlin mit Französisch begannen. Auf der Realschule Schöneberg, in der Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet wurde, fand er schließlich den Anschluss mit der Absicht, später auf die Oberstufe eines Gymnasiums überzuwechseln.

Als ein Mitschüler beiläufig von einem Verwandten erzählte, der als Funkoffizier der Handelsmarine zur See fuhr, fing er Feuer und Flamme, packte im März 1939 die sich bietende Gelegenheit beim Schopf, begann die entsprechende Ausbildung ( Internationaler Seefunk, Hochfrequenztechnik, Funknavigation, Internationaler Seefunk, Notdienst auf See, Allgemeine Schifffahrtskunde, Gesellschaftskunde) und sagte mit dem Abschluss der Mittleren Reife der Schule ade.

1940 zur See

Die Ausbildung wurde beschleunigt, weil die Handelsflotte dringend qualifiziertes Personal benötigte. Im März 1940 legte er vorzeitig die Prüfung 1. Kl. ab und erhielt sofort die erste Versetzung an Bord. Von diesem Zeitpunkt bis zur Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 verrichtete S.R. Dienst als Funkoffizier auf nicht weniger als 27 Schiffen mit wechselnder Flagge, darunter Prisenschiffe, Eisbrecher, Hochsee-Bergungsfahrzeuge sowie Munitions- und Truppentransporter in den Seegebieten Nordatlantik, Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer von Marseilles bis zur türkischen Küste. Er war gerade 17 Jahre alt und schon vollverantwortlicher Funkoffizier, als das Schiff „Frielinghaus“ im norwegischen Hafen Narvik von einem englischen Torpedo getroffen wurde und sank. S.R. und seine Kameraden konnten in Rettungsbooten und schwimmend das nahe Ufer erreichen. Das sollte beileibe nicht sein letzter Schiffbruch sein. Insgesamt musste er nach Luftangriffen, Torpedobeschuss und Minentreffern sieben Mal „aussteigen“, wie die Seeleute das nannten.

Als S.R. wegen einer schweren Fieber Erkrankung im Sommer 1943 in einem Marine Lazarett in Thessaloniki lag, lernte er die Tänzerin Ruth Lindhüber kennen, die mit dem Berliner Skala Ballett und dem Reichstheaterzug zur Wehrmachtsbetreuung in Griechenland auf Tournee war, um die deutschen Besatzungstruppen bei Laune zu halten. Im Sommer 1944 heirateten die beiden während eines Kurzurlaubs in Berlin.

Kurz vor Ende des Krieges musste S.R. den wohl dramatischsten „Ausstieg“ von dem Kreuzfahrschiff „General Steuben“ durchführen, den er wie folgt beschreibt: „In der zweiten Januarhälfte 1945 führte die Steuben drei Transporte mit Verwundeten und Flüchtlingen von Pillau nach Swinemünde aus. Während unserer Rückfahrt von Swinemünde nach Pillau erhielten wir in der Nacht des 30. Januar über Funk die Meldung von der Torpedierung und dem Untergang der „Wilhelm Gustloff“ durch ein sowjetisches U-Boot. Wenige Tage später nahmen wir am 09. Februar in Pillau wie bei den vorherigen Transporten etwa 4000 bis 5000 Verwundete und Flüchtlinge auf und verließen den Hafen mit Kurs auf Swinemünde. Vom Untergang der Wilhelm Gustloff hatten nur wenige Besatzungsangehörige Kenntnis, und Verwundete wie Flüchtlinge wähnten sich auf dem großen, in Friedenszeiten für Kreuzfahrten in das Mittelmeer und Norwegen komfortabel ausgestatte Schiff sicher und gerettet vor dem Angriff der Roten Armee. Das Abendessen in der Offiziersmesse verlief wie gewöhnlich. Serviert wurde wie im Frieden auf Luxusschiffen üblich auf edlem Porzellan und Silberplatten. Unglaublich, aber wahr, diese großen Passagierschiffe hatten während des ganzen Krieges unbeschädigt als Wohnschiffe in sicheren Ostseehäfen verbracht und wurden dann, mit kriegserfahrener Besatzung ergänzt, für die Evakuierung von Verwundeten und Flüchtlingen aus dem Königsberger Kessel in den Westen eingesetzt. Für die meisten von uns war der Seekrieg seit Jahren und bei aller Vorsicht und Bereitschaft zu raschem Handeln Alltag. Dennoch hielten wir einen erneuten erfolgreichen Angriff des gleichen sowjetischen U- Boots auf einen deutschen Geleitzug für unwahrscheinlich.

Um 00:00 Uhr begab ich mich von der an Steuerbordseite gelegenen Funkstation auf dem Bootsdeck zu meiner Kammer, um eine kurze Ruhepause einzulegen. Wenige Minuten später erschütterte der erste Torpedotreffer die Steuben. Nach einem kurzen Beben traf der zweite Torpedo das Schiff und ich begab mich sofort die wenigen Schritte zurück in den Funkraum. Über Funk erfuhren wir, vom Geleitschutz-Torpedoboot, dass ein feindliches Unterseeboot im Raum operiere und mit Wasserbomben bekämpft werde. Ich erteilte den diensttuenden Funkgasten die Weisung, mit dem Torpedoboot Verbindung zu halten und Befehle der Schiffsleitung abzuwarten. Um Klarheit über die Lage (den Schaden und deren voraussichtliche Folgen) zu erhalten, eilte ich auf die Brücke, um Einzelheiten zu erfahren. Während der wenigen Minuten meines kurzen Wortwechsels mit dem Kommandanten und dem Wachoffizier erfuhr ich, dass wegen der Wassereinbrüche das Schiff rasch sinke, und ich mich mit dem Funkpersonal an den Rettungsarbeiten beteiligen und die eigene Sicherheit suchen möge. Mit dieser Weisung kehrte ich zurück in den Funkraum und teilte den vollzählig anwesenden acht Funkgasten mit, dass sie sich in Anbetracht der Situation in eigener Verantwortung an der Rettung von Menschenleben beteiligen und zum gegebenen Zeitpunkt das eigene Überleben sichern mögen.

Ich ging zurück in den Funkraum, nahm die Verschlüsselungsunterlagen an mich, zog in meiner Kammer den Mantel an, schob die Unterlagen in den Mantelausschnitt und schnallte den Pistolengurt um, damit ich die Unterlagen nicht verliere, legte die gelbe Pressluft-Schwimmweste mit dem Rettungskragen an und begab mich an Deck. Die Steuben hatte bereits schwere Schlagseite nach Backbord. Versuche der Mannschaft, die Rettungsboote auf der Steuerbordseite herabzulassen, scheiterten wegen der schnell zunehmenden Schräglage. Auf dem Bootsdeck abgestellte Kinderwagen und zwei cm Vierlings Flugabwehrkanonen mit zugehöriger Munition in Kisten gerieten ins Rutschen und gingen auf der anderen Seite über Bord. Inzwischen war es gelungen, einige Boote auf der Steuerbordseite zu Wasser zu bringen, die bereits überfüllt waren. Die unter dem Bootsdeck gelegenen Decks wimmelten von schreienden Verwundeten und Flüchtlingen in einem chaotischen Gemenge. Geordnete Aktionen zur Rettung waren in Anbetracht Tausender in Panik fallender hilfloser Menschen gar nicht mehr möglich. Wer Glück hatte, kam aus dem Inneren des Schiffes ins Freie, die meisten schafften es nicht mehr, um das Leben kämpfend dem Gewühl in den durch die starke Schlagseite schräg liegenden Aufgängen die Ausgänge zu erreichen. Einige Verwundete aus den unteren Decks (Leichtverwundete waren in den unteren, Schwerverwundete in den oberen Decks untergebracht) haben versucht, sich mit der Pistole den Ausweg freizuschießen. Das Inferno hielt an bis zum Untergang nach etwa 20 Minuten.

Ich erkannte aufgrund einschlägiger Erfahrungen in den vorangegangenen Kriegsjahren … dass ich nur dann eine Chance zum Überleben habe, wenn ich dem Chaos fernbleibe. Den Untergang vor Augen, die Szene war erhellt von Leuchtfallschirmen und Scheinwerfern unseres Geleitschutzes, warf ich gemeinsam mit zwei Funkgasten eines der zahlreich vorhandenen viereckigen Rettungsflöße über Bord in das glücklicherweise ruhige Wasser und sprang aus etwa 8 m Höhe hinterher. Die beiden Funkgasten folgten und wir halfen uns gegenseitig aus dem eisigen Wasser in das Floß. Um uns herum schwammen Verwundete und Flüchtlinge, die nach uns ebenfalls über Bord gesprungen waren und denen wir versuchten zu helfen. Hierbei klammerten sich so viele Menschen an das Floß, dass es kenterte. Ich trieb aus dem Bereich des Floßes ab und konnte mich nicht mehr an ihm festhalten. Meine Rettungsweste hatte ich zuvor mit Pressluft gefüllt, und ich war deshalb nicht in Gefahr zu ertrinken. Allerdings verlor ich wegen der Kälte bald das Bewusstsein. Im Halbdämmern hörte ich eine Stimme meinen Namen rufen und ich wurde von einem Rettungsboot des Torpedoboots, in dem sich auch einige gerettete Besatzungsmitglieder der Steuben befanden, aufgenommen. Vage Erinnerungen habe ich von einem kurzen Aufenthalt im halbgeschlossenen Panzerschutz einer Bordkanone. Die Besatzung des Torpedoboots hatte für die Unterbringung der Geretteten ihre Unterkünfte zur Verfügung gestellt und ich hatte mit einigen anderen das Glück, mich bis zur Ankunft in Kolberg in der Kammer des Kommandanten aufwärmen zu können.“

Das geschah am 10. Februar 1945. Bis zur Kapitulation am 8. Mai waren es noch drei Monate. Es folgten weitere Einsätze und ein weiterer Minentreffer auf dem Schiff „Mar del Plata“ vor Aarhus. Dann war der Krieg war zu ende. S.R. geriet in britische Kriegsgefangenschaft, aus der ihm in Hamburg die Flucht gelang, indem er einen englischen Wachposten mit zwei gefundenen Sammelalben einer Zigarettenserie der Firma Reemtsma mit dem Titel „Deutschland Erwache“ bestach. Er setzte sich nach Lübeck ab. Von dort machte er sich zu Fuß auf den Weg nach Berlin.

Berlin 1945

Von zerschossenen Panzern stammten die reifenlosen Räder an dem Karren, mit dem S.R. im Juli 1945 durch die Trümmer Berlins ratterte und alte Flaschen sammelte. Schon nach wenigen Wochen konnte er vier Flaschensammler einstellen. Das war der Anfang der Firma FLAREI (für FLAschen REIle), die S.R. mit seinem Bruder in das Gewerberegister eintragen ließ. Die Flaschen verkauften sie mit gutem Gewinn an Spirituosenfabriken, die harten Alkohol für die Sowjetarmee herstellten. Im Dezember begab er sich auf eine Reise über die grüne Grenze in die britische Besatzungszone, um bei Korkenfabrikanten in Ostfriesland Tauschgeschäfte einzuleiten: Waren aus der Produktion in der sowjetischen Besatzungszone gegen Korken für Medizinflaschen aller Größen. Bei Überschreitung der Zonengrenze bei Uelzen wurde er von britischen Soldaten wegen illegalen Grenzübertritts verhaftet. Man vermutete einen kommunistischen Agenten und behandelte ihn entsprechend. Ein Militärgericht in Celle verurteilte ihn wegen „Verstoß gegen die Anordnung der Militärregierung“ zu vier Monaten Gefängnis, die er im Hungerwinter 1945/46 in der Strafanstalt Celle verbüßte.

1946 Senftenberg

Nach der Entlassung setzte er seine Geschäfte zusammen mit seinem Vater Erich und Bruder Emil fort, indem sie Getränkehersteller, Arzneimittelfirmen und die inzwischen in Westberlin stationierten amerikanischen Besatzer mit Glaswaren belieferten. Es kam zur Gründung eines Herstellungsbetriebs für veredeltes Rohglas in Lautawerk bei Senftenberg, Niederlausitz, von wo es auch intensiven Interzonenhandel mit westdeutschen Firmen gab, die er mit Beleuchtungsglas belieferte. Im Spätherbst 1950 wurde er bei einer so genannten „Volkskontrolle“ in Senftenberg verhaftet. Die Anklage lautete auf Wirtschaftsverbrechen, stellte sich zwar in zwei Prozessen als haltlos heraus, führte aber zu einer Verurteilung zu vier Monaten verschärfter Haft. Für S.R. war das ein deutlicher Hinweis, dass er in dem entstehenden Arbeiter- und Bauernstaat als freier Unternehmer keine Zukunft hatte. Im Frühjahr 1951 entschloss er sich, nach Westberlin zu fliehen, um mit seinem Bruder die alten Geschäftsverbindungen wieder aufzunehmen. Doch dieser zeigte keine Neigung dazu.

1951 zur See

Der gescheiterte Unternehmer besann sich auf sein internationales Seefunkpatent. Der Gravytrain war wieder zur Stelle. S.R. erhielt er ein Angebot, als 1. Funkoffizier einen vormaligen US-Truppentransporter für 2.000 Passagiere von den Bermudas nach Indonesien zu überführen. In Indonesien angekommen wechselte er auf das Schiff „Bintang Samudra“, das Mekka Pilger nach Djiddah in Saudi Arabien sowie Truppen und Umsiedler innerhalb des indonesischen Territoriums beförderte.

1955 Burma

Ein Einstellungsangebot der indonesischen Küstenwache schlug er aus, weil sich inzwischen die Aussicht ergeben hatte, im Chiffrier- und Fernmeldedienst des Auswärtigen Amtes unterzukommen. 1955 begann er im gehobenen Dienst an der deutschen Gesandtschaft in Rangun (Burma), wo er neben dem Fernmeldedienst auch in der Wirtschaftsabteilung mitarbeitete. Ein halbes Jahr später traf auch seine Frau dort ein, obwohl sich schon zuvor zwischen den Eheleuten deutliche Zeichen einer beginnenden Zerrüttung eingestellt hatten.

1959 Bonn

Wegen Mangel an Chiffrierfachleuten wurde S.R. jedoch drei Jahre später in die Zentrale des Auswärtigen Amtes in Bonn versetzt. Bevor er den Dienst antrat, unterzog er sich einer Schlaftherapie, um von den täglich konsumierten 80 Zigaretten abzukommen. Dazu gesellte sich die inzwischen gereifte schwere Ehekrise. Die folgende Scheidung veranlasste die damalige Gattin dazu, ihn bei der Sicherheitsabteilung des AA als Kommunist mit Verbindungen zu Rotchina und der DDR zu denunzieren. Es kam zu einem arbeitsgerichtlichen Verfahren „Reile gegen Bundesrepublik Deutschland“. Zwar gewann S. R. das Verfahren, doch musste er seine Stelle in der geheimdienstlich sensiblen Fernmeldeabteilung gegen eine Abfindung und ein gutes Dienstzeugnis verlassen.

1961 Rourkela

Ehe kaputt! Job weg! Doch das konnte Sigi Reile nicht erschüttern. Er packte sein Funkerpatent aus und heuerte auf dem Bananendampfer „Wesermünde“ an, wo er die Urlaubsvertretung des Funkoffiziers übernehmen konnte. Nicht nur das. Er wandelte die Fahrt in die Karibik in eine Hochzeitsreise um. Im Auswärtigen Amt hatte er die Maleen Engels kennen und lieben gelernt. Der Entschluss zur Heirat wurde am 26. Juli 1961 umgesetzt. Im Herbst desselben Jahres wurde ihm die stellvertretende Leitung des mit der Betreuung deutscher Mitarbeiter betrauten German Social Center (GSC) des Stahlwerks Rourkela in Indien angeboten. Der Vertrag war für zwei Jahre terminiert. Jetzt kamen ihm seine Erfahrung mit Menschen unterschiedlicher Kulturen in Indonesien und Burma zugute. Und die junge Familie erhielt Nachwuchs, Sohn Marcus wurde im deutschen Hospital geboren.

1963 Goethe-Institut Kalkutta

Eines Tages erschien in Rourkela der neue Leiter des Goethe-Instituts Calcutta, Dr. Hans Meinel, mit dem Auftrag, in Rourkela eine Nebenstelle des Goethe-Instituts zu errichten. S.R. stand ihm dabei zu Seite, knüpfte die notwendigen Verbindungen zu den Provinzbehörden und nahm an den Gesprächen teil. Das imponierte dem Dr. Meinel so sehr, dass er auf die Idee kam, S.R. als Verwaltungsangestellten nach Calcutta zu holen; denn er selbst brachte so gut wie keine Verwaltungserfahrung mit, die aber dringend notwendig gewesen wäre angesichts des chaotischen Zustands des dortigen Goethe-Instituts. Mit der Zentralverwaltung des Goethe-Instituts in München wurde eine Festanstellung im Gehobenen Dienst für S.R. vereinbart. Dieser brachte nun mit Geschick die Verwaltung des Instituts in Ordnung und übernahm auch Deutschunterricht in der Grundstufe nach einem Hospitationsaufenthalt am Goethe-Institut Blaubeuren. Das war die einzige Ausbildungsmaßnahme, der sich S.R. unterziehen musste. Vier Jahre blieb die Familie Reile in Calcutta, wo ein weiterer Sohn (David) geboren wurde. Im Sommer 1967 nahm S.R. einen mehrere Monate dauernden Heimaturlaub. Auf einem Schiff der Indian Steamship Co. machten sich die Reiles mit den beiden Kindern auf die Reise. Als das Schiff in den Suezkanal einfahren wollte, brach der Sechstagekrieg zwischen Israel und Ägypten aus. Das Schiff musste um das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet werden. Als S.R. endlich seinen Urlaub antreten konnte, waren sechs Wochen zur See vergangen.

1968 Kairo

In Deutschland angekommen, musste er im Tropeninstitut in Tübingen seine Tropentauglichkeit bestätigen lassen. In der Wartezone der Klinik kam er neben einem etwa gleichaltrigen Herrn zu sitzen, der sich als Leiter des Deutschen Kulturinstituts in Kairo herausstellte. Dr. Klaus Ferkinghoff war sofort von der Idee angetan, S.R. als Programmreferent an sein Institut in Kairo zu holen. Eine Rückfrage bei seinem Kollegen Lechner am Goethe-Institut Calcutta bestätigte ihm die Eignung von S.R. für die Stelle. So blieb der Zentrale des Goethe-Instituts nichts übrig, als der Versetzung nach Kairo verbunden mit einer Höherstufung zuzustimmen. Im Oktober 1968 trafen die Reiles samt Gesinde in Ägypten ein, bezogen die schon erwähnte Villa in Maadi und blieben 6 Jahre. Hier wurde ihr dritter Sohn Tobias geboren.

1974 Addis Abeba

Als die abwechslungsreiche und erfolgreiche Zeit in Kairo zu Ende ging und S.R. keine Lust verspürte in das Mutterhaus aller Goethe-Menschen in München, das er ohnehin nur von gelegentlichen Besuchen kannte, versetzt zu werden, bot ihm die Zentrale die Leitung des deutschen Kulturinstituts in Addis Abeba an. Die Hoffnung auf einen angenehmen Aufenthalt in einem der interessanteren afrikanischen Länder zerstob noch wenige Wochen vor der Übersiedlung. Eine Militärjunta stürzte den Kaiser Haile Selassie I. Es folgten stürmische Jahre, in denen aus einer feudalen Monarchie eine Volksdemokratie osteuropäischer Prägung unter der brutalen Führung des Mengistu Haile Miriam entstehen sollte. Auch wenn die Tätigkeit des Instituts vom Regime nicht empfindlich eingeschränkt wurde, musste die Familie mit den drei schulpflichtigen Kindern gewaltige Einschränkungen in Kauf nehmen. Nachdem wegen des Bürgerkriegs in Äthiopien fast keine Deutschen mehr dort geblieben waren und niemand sich auf eine frei gewordene Stelle in der Verwaltung meldete, übernahm 1975 Maleen Reile eine Halbtagsstelle am Institut als Sachbearbeiterin. 11 Jahre blieben die Reiles in Addis Abeba. Die Kinder konnten die Schule abschließen und die deutsche Botschaft war glücklich über einen so versierten Mann, der seine hervorragenden Kontakte zu wichtigen Persönlichkeiten des Landes aufrecht halten konnte und klaglos mit der schwierigen Situation fertig wurde.

1984 München

1984 erlitt S.R. einen Hörsturz. Sollte das ein Vorbote für erweiterte gesundheitliche Probleme sein, war es höchste Zeit in ein Land zu kommen, wo eine angemessene ärztliche Betreuung garantiert war. S.R., der inzwischen 63 Jahre alt war, trat in den vorgezogenen Ruhestand. Die Familie zog in ihr 300 Jahre altes aufwendig renoviertes Bauernhaus im Allgäu und mietete am Viktualienmarkt in München eine kleine Wohnung. Maleen konnte nun ihre Tätigkeit in der Zentrale des Goethe-Instituts fortsetzen zunächst in der Presseabteilung, dann in der Abteilung für Kulturprogramme. Jetzt stellte sich das Haus im Allgäu als Fehlerwerb heraus. Den drei Jungen gefiel die einsame Lage nicht und die Eltern schafften es nicht, im Winter fast täglich den mehrere hundert Meter langen Weg bis zur Landstraße vom Schnee frei zu räumen. Also blieb man bis zum Verkauf des Hauses hauptsächlich in München. Die Faschingsfeste im Haus Reile wurden Legende.

1986 zur See

S.R. wollte zunächst noch einmal in den Handel einsteigen. Er gründete eine Firma zur Versorgung deutschen Auslandsvertretungen. Da er keine geeigneten Partner dafür fand, ließ er die Pläne sausen und wandte sich noch einmal seinem ursprünglichen Beruf zu. An der Seefahrtschule Hamburg-Altona frischte er im Sommer 1987 seine Kenntnisse im Internationalen Seefunkverkehr auf und legte in der Oberpostdirektion die Prüfung zur Erneuerung seines Seefunkzeugnisses I. Klasse ab. Dann umrundete er als Funkoffizier auf dem Containerschiff „Helga Wehr“ noch zweimal die Welt und schloss sich in München seiner Familie an.

1990 Moskau

Dort hatte sich Maleen Reile in ihrer Abteilung inzwischen so gut eingearbeitet, dass ihre Chefin Kathinka Dittrich van Weringh sie 1991 zur Gründung eines Goethe-Instituts als persönliche Assistentin nach Moskau mitnahm. S.R. musste nun seiner Frau folgen und tat das auf seine Weise. Schnell und routiniert knüpfte er dort ein Netz von Verbindungen. Kaum verwunderlich, dass die Deutsche Botschaft ihm die Stelle eines Verwaltungsdirektors der zusammengeführten deutschen Schulen (der BRD und der DDR) Moskaus übertrug, wo es die Integration der so unterschiedlichen Systeme mit Fingerspitzengefühl zu lösen galt. Kurz vor Weihnachten 1990 unternahm ich eine Dienstreise nach Moskau, das damals noch unter der Mangelwirtschaft litt. Obwohl mein Aufenthalt nur wenige Tage dauern sollte, schleppte ich für die Reiles einen schweren Koffer mit Weihnachtsgebäck, Wurstwaren, Kaffee und sonstige für russische Verhältnisse seltene Lebensmittel mit mir, mit denen sie ihre russischen Freunde bescherten.

1994 Kiew

Noch einmal bin ich den Reiles an ihrem Dienstort begegnet, nämlich einige Jahre später in Kiew, wo Maleen als Verwaltungsleiterin des neu gegründeten Goethe-Instituts ihren letzten Posten versah, bevor auch sie in den Ruhestand trat. Sie wohnten gleichsam kaserniert zusammen mit allen Kolleginnen, Kollegen und anderen westeuropäischen Ausländern, eingepfercht in einer für Ausländer vorgesehenen Wohnanlage mit Polizeibewachung. Nur wer so oft in Schiffskajüten gelebt hatte, konnte das aushalten.

1997 Mallorca

„Da möchte ich nicht einmal an die Wand gemalt sein.“ war ein häufig verwendeter Spruch von S.R., wenn er von Ländern und Städten sprach, die er im Laufe seines Lebens gestreift hatte. Tatsächlich musste er fast an allen seinen Standorten auf viele Annehmlichkeiten verzichten. Endlich konnte das Ehepaar nun seinen letzten Wohnort selber auswählen. Ihre Wahl fiel auf Mallorca. In Cala Millor kauften sie sich ein Haus. Zu ihnen zog Sohn Marcus, der dort eine Praxis für Physiotherapie einrichtete. Als dieser eine Familie gründete, die sich bald vergrößerte, zogen Sigi und Maleen in eine bequeme Penthouse-Wohnung, von wo sie den Blick aufs Meer haben. Während sich Maleen um die Enkelkinder kümmert, geht Sigi täglich mit seinem Hund Juma den Strand entlang und erzählt ihm von dem Gravytrain, der vor ihm so oft gehalten hat.



Nachwort des Verfassers

Sigi Reiles Biographie hatte mich seit Jahren beschäftigt, zumal sie ja auch aus der Sicht des Goethe-Instituts von besonderem Interesse ist. Ich habe ihn wiederholt zu einer Niederschrift seines Lebens zu bewegen versucht. Im vergangenen Jahr erhielt ich endlich von ihm eine Reihe von Aufzeichnungen, die sich vor allem auf seine Jugend und die Jahre bis etwa 1970 bezogen. Diese sind naturgemäß viel umfangreicher und auch persönlicher als meine zusammenfassende Darstellung und enthalten noch zahlreiche interessante Details, auf die ich hier nicht eingehen konnte. Direkte Übernahmen aus S.R.s Aufzeichnungen sind in dem Text als wörtliche Reden (Anführungszeichen oder Schrägdruck) gekennzeichnet.
Von Hubert Eichheim