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Frank Göhre
Ein deutscher „Roman noir“

Ein Mord auf einem Autobahnrastplatz, der Bruder des Mordopfers, der sich auf die Suche nach dem Mörder macht, jede Menge Milieugeschichten aus der Gegenwart und der Vergangenheit – das sind die Ingredienzen von Frank Göhres neuem Krimi.

Von Holger Moos

Göhre: Verdammte Liebe Amsterdam © CulturBooks Nach zehn Jahren Schaffenspause hat Frank Göhre, 2011 für sein letztes Werk Der Auserwählte mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, mit Verdammte Liebe Amsterdam einen neuen Krimi veröffentlicht. Dieser wurde gleich wieder positiv rezipiert und schaffte es im März 2020 auf die Krimibestenliste: „Unterhalb der Spießerlatte: schwarze Romantik, raues Leben. Das kann nur Göhre.“ Genre-Experte Thomas Wörtche hält Göhre für einen Meister seines Faches: „Wenn die Bezeichnung „Roman noir“ überhaupt eine Berechtigung hat, dann für das Gesamtwerk von Frank Göhre“ (Deutschlandfunk Kultur). Und düster ist Göhres aktuelles Werk in der Tat.
 
Worum geht es? Der Hamburger Restaurantbetreiber Georg „Schorsch“ Köster erhält die Nachricht, dass sein Bruder Michael ausgeraubt und ermordet auf einer Autobahnraststätte aufgefunden wurde. Schorsch hat den Eindruck, dass die Polizei sich nicht richtig um die Aufklärung des Falles kümmert. Er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Von Hamburg nach Amsterdam

Die Spur führt Schorsch nach Amsterdam, wo sein Bruder ein verschwundenes Mädchen suchte. Suse, so heißt dieses Mädchen, hat sich in einen Kleinkriminellen, den Marokkaner Arif, verliebt und beklaut mit ihm Touristen. Wie vorher sein Bruder gerät auch Schorsch ins dortige Drogen- und Prostituierten-Milieu.
 
Zusätzlich zur Hauptgeschichte präsentiert Göhre einen weiteren Erzählstrang, der in die Vergangenheit der beiden Brüder führt. Sie waren nicht nur beide dem gleichen Mädchen verfallen , sondern teilten auch ein dunkles Familiengeheimnis.

Atemlos und hellwach

Außerdem treten viele Nebenfiguren auf, die ein kleines Gesellschaftspanorama entfalten. Es spielen mit: prügelnde und korrupte Polizisten, tyrannische Väter, pädophile Stiefväter, geldgierige Frauen, um nur einige zu nennen.
 
Der Erzählstil Göhres ist schnörkellos. Er schreibt kurze Sätze und knappe Dialoge. Gekonnt wechselt Göhre die Zeitebenen und die Erzählperspektiven, sodass beim Lesen eine gewisse Atemlosigkeit entsteht und man immer hellwach bleiben muss. Der schmale Band ist, mit den Worten von Thomas Wörtche, „reine Substanz“ oder, so Karsten Herrmann auf literaturkritik.de, „wie ein starker Espresso“.
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Frank Göhre: Verdammte Liebe Amsterdam
Hamburg: CulturBooks, 2020. 168 S.
ISBN: 978-3-95988-147-0

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