Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Katapult
So witzig kann Sprache sein

Muss man, wenn man über Sprache schreibt, viele Worte verlieren? Mitnichten. Kürzlich ist ein Buch über Sprache erschienen – mit zahlreichen Bildern und manchmal fast ohne Text.

Von Holger Moos

100 Karten über Sprache © Katapult Nach Büchern mit Infografiken, die die Sicht auf die Welt verändern oder die Welt retten sollen, hat das Team von Katapult, dem „Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft“, nun ein Buch mit 100 Karten über Sprache herausgebracht.
 
Wie bei den Vorgängern dieses Werks haben die Katapult-Mitarbeiter*innen das Thema wieder sehr weit gefasst und nicht an Humor gespart. Man lernt unübersetzbare Wörter aus diversen Sprachen kennen: In Italien gibt es ein eigenes Wort für „die Schläfrigkeit nach einem reichhaltigen Essen“, in Ungarn für „ein Hemd, aber keine Hose und Unterhose tragen“ (wörtlich übersetzt: „einen auf Donald Duck machen“) und in Finnland für „sich zu Hause in Unterhosen betrinken“. Es sollte uns in Deutschland zu denken geben, dass vergleichsweise wenig Lebensfreude oder Exzentrik versprühende Wörter wie Waldeinsamkeit, verschlimmbessern und Kummerspeck unübersetzbar sind.

effizient, aber trantütig

Was die Sprechgeschwindigkeit betrifft, sind zum Beispiel Deutsch oder Englisch eher lahme Sprachen. Japaner*innen und Spanier*innen sind da deutlich fixer. Allerdings hat sich auch herausgestellt, dass in allen Sprachen ähnlich viel Information pro Sekunde transportiert wird. Somit sind das Deutsche und Englische effizienter, denn man benötigt weniger Worte. Im Ergebnis kommt also immer das Gleiche raus, aber was oft zählt, ist ja der Eindruck, den man hinterlässt: „Eine Spanierin und eine Engländerin, die eine semantisch gleiche Bestellung beim Bäcker aufgeben, können etwa zur gleichen Zeit das Geschäft wieder verlassen. Die Spanierin muss dafür mehr Wörter verwenden als die Britin, wirkt im Vergleich aber weniger trantütig.“
 
Und falls man sich fragt, wie all die chemischen Elemente zu ihrem Namen kamen, so erfährt man auf einer Doppelseite zumindest, welche chemischen Elemente nach Orten benannt sind. Es gibt auch eine Karte mit kuriosen Straßennamen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Deutschland kann man „Im Höschen“, „Im Funkloch“ oder im „Durchschnitt“ leben, aber auch im „Flötenhalterweg“ oder in der „Kampfbahn Katzenbusch“. In der Schweiz wohnen manche Menschen „Im Paradies“, auf dem „Teppich der Erinnerung“ oder wanken den „Promilleweg“ entlang. In Österreich besteht die Gefahr, im „Pechgraben“ oder im „Ursprung“ zu landen, für Unentschlossene gibt es noch diese Adresse: „Zwischen den Wegen“.

Kommen, gehen, Balken werfen

Man lernt auch viel Lebenspraktisches. So etwa, welche Handgesten in verschiedenen Ländern als beleidigend gelten. Nicht überall ist es der Mittelfinger. Der ehemalige US-Präsident George Bush senior musste etwa auf einem Staatsbesuch in Australien lernen, dass ein falsch ausgeführtes Victory-Zeichen nicht angebracht war. Auch ein Orgasmus wird nicht überall gleich angekündigt. Bei uns heißt es: „Ich komme“, in manchen Ländern: „Ich gehe“, wieder woanders: „Ich beende“ – oder auch: „Ich beende, aber vorher werf' ich einen Balken.“
 
100 Karten über Sprache ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt, danach aber immer wieder gerne zur Hand nimmt, weil man sich unmöglich alles, was man darin über Sprache lernt, merken kann. Und es macht auch einfach Spaß, darin zu suchen, denn man findet das Gesuchte aufgrund der exzellenten grafischen Aufbereitung auch schneller wieder als in einem herkömmlichen Sachbuch über Sprache.
  • 100 Karten über Sprache, Blauwale © Katapult
  • 100 Karten über Sprache, Ländernamen © Katapult
  • 100 Karten über Sprache, H(a)i © Katapult
  • 100 Karten über Sprache, Mann © Katapult
  • 100 Karten über Sprache, Tierlaute © Katapult
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank 100 Karten über Sprache
Greifswald : Katapult, 2020. 208 S.
ISBN: 978-3-948923-00-6

Top