Deutsche Minderheiten
in Mittel-/Osteuropa und Zentralasien

  • Deutsche Minderheit in Sibirien 3 Foto: Goethe-Institut/Jörg Müller
    Deutsche Minderheit in Litkowa, Sibirien
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    Deutsche Minderheit in Litkowa, Sibirien
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    Deutsche Minderheit in Litkowa, Sibirien

Förderung deutscher Minderheiten

Das Goethe-Institut unterstützt im Auftrag der Bundesregierung deutsche Minderheiten in Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien durch kulturelle und bildungspolitische Maßnahmen.

Im Mittelalter (ab dem 12. Jahrhundert) und in der Neuzeit (18. – 19. Jahrhundert) haben sich Siedler deutscher Herkunft im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa sowie im Russischen Reich niedergelassen. Sie folgten meist dem Ruf der Herrschenden, kamen als friedliche Bauern, Handwerker und Kaufleute, wirkten am Aufbau ihrer neuen Heimat unter anderem durch Dorf- und Stadtgründungen mit und schufen eine eigene Kultur. Einige leben heute noch als deutsche Minderheit in Staaten Ostmittel- und Südosteuropas sowie Zentralasiens. Sie erlebten eine bewegte und bewegende Geschichte.

Förderschwerpunkt des Goethe-Instituts ist vor allem die Vermittlung landeskundlichen Wissens und eines aktuellen Deutschlandbilds, gefolgt von außerschulischem Deutschunterricht und Sprachkursen für Erwachsene, der Vermittlung methodischer und didaktischer Fähigkeiten für den Deutschunterricht, der Beschaffung von Lehrmitteln für Bibliotheken und Kulturorganisationen sowie der Unterstützung von Eigeninitiativen deutscher Minderheitenorganisationen.

Vor Ort: Goethe-Institute in 15 Ländern unterstützen die deutschen Minderheiten

In Russland, Polen, der Ukraine und der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Rumänien, der Republik Moldau, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Estland, Lettland und Litauen unterstützen 13 Goethe-Institute mit zahlreichen Maßnahmen, Projekten und Programmen die deutschen Minderheiten.

Hintergrund

Bis heute wird die deutsche Minderheit in allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion mit dem Sammelbegriff „Russlanddeutsche“ bezeichnet. Bereits zur Zeit des Großfürsten Iwan III. (1462 – 1505) wurde Fachleuten, Unternehmern und Kaufleuten in ein eigenes Wohngebiet im heutigen Moskauer Stadtteil Lefortowo angesiedelt, „Deutsche Vorstadt“ (nemezkaja sloboda) genannt. Zar Peter der Großen (1682 – 1725) förderte die „Sloboda“, deren Spezialisten ihn auf vielfältige Weise anregten. Die meisten deutschen Zuwanderer aber, meist bäuerlicher Herkunft, wurden im 18. und 19. Jahrhundert von den Zaren in den neu eroberten Gebieten an der Wolga und am Schwarzen Meer angesiedelt. Die Initiative hatte Zarin Katharina die Große ergriffen und den Siedlern 1763 in einem Manifest persönliche Freiheit, Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst und Landbesitz versprochen.

Ab den 1870er-Jahren wurden diese Vorrechte zum Teil zurückgenommen, während des Ersten Weltkriegs steigerte sich die antideutsche Stimmung, die auch die Russlanddeutschen traf. 1924 wurde in der jungen Sowjetunion die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen gegründet, in der Deutsch neben Russisch und Ukrainisch Amts- und Unterrichtssprache war. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurden, aufgrund eines Erlasses des Obersten Sowjets vom 28. August 1941, fast alle Deutschen aus den europäischen in die zentralasiatischen Teile der Sowjetunion zwangsumgesiedelt, vorwiegend nach Sibirien, Kasachstan und östlich des Ural, um eine ihnen unterstellte Kollaboration mit dem Dritten Reich zu verhindern. Der Gebrauch der Muttersprache war zeitweise verboten, die kulturelle Entfaltung eingeschränkt.

Erst 1955 werden die Beschränkungen in der Sondersiedlung (z.B. monatliche Meldepflicht) aufgehoben und 1964 erfolgte die Rehabilitierung, das Rückkehrverbot in die ehem. Siedlungsgebiete blieb aber bestehen. Lebten vor 1939 rund 2,5 Millionen Deutsche in der Sowjetunion, so sind es heute ungefähr 800.000 Personen, die zur deutschen Minderheit in Russland gehören. Die deutsche Minderheit wurde zwar juristisch rehabilitiert, hat aber nach wie vor nicht die gleichen Rechte wie die anderen Minderheiten Russlands. 1987 wurde ein neues Passgesetz verabschiedet, dass die Ausreise des Russlanddeutschen ermöglicht. Viele sind nach 1989 in die Bundesrepublik ausgesiedelt.

Programm

Das Goethe-Institut Moskau lädt jährlich um die 100 Jugendliche und Erwachsene aus Deutschland und der Russischen Föderation zu Studienreisen in das jeweils andere Land ein. Die Teilnehmer aus Russland kommen aus Orten mit einem hohen Anteil russlanddeutscher Bewohner und werden in Wettbewerben ermittelt.

Darüber hinaus werden pro Jahr zahlreiche Sprachkursstipendien in Deutschland und vor allem an den Sprachlernzentren in Russland ausgeschrieben, um die sich Deutschlehrerinnen und -lehrer sowie Mitarbeiter russlanddeutscher Begegnungszentren bewerben können. Mitarbeitern russlanddeutscher Sprachkursanbieter vermittelt das Goethe-Institut Praktika und Hospitationen an den Sprachlernzentren des Goethe-Instituts.

Die Einsatzorte der 13 Sprachassistenten, die zurzeit in Russland tätig sind, reichen von der Wolga bis nach Sibirien. An den Sprachlernzentren des Goethe-Instituts in Samara, Wolgograd, Nowosibirsk, Omsk und anderen Städten geben sie Deutschunterricht und unterstützen Kulturprojekte der russlanddeutschen Minderheit.
Seit 2012 gibt es das Projekt „Freunde vor Ort“, bei dem ein Team von Sprachassistenten mit einem Rucksack voller Materialien in kleine Ortschaften fährt, um dort mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und sie zum Deutschlernen zu motivieren. 

In den russlanddeutschen Begegnungszentren beteiligen sich die Sprachassistenten am Unterricht, vermitteln aktuelle Informationen aus Deutschland und organisieren Kulturveranstaltungen.

Das Goethe-Institut St. Petersburg konzentriert sich mit der fachlichen Förderung im Schulbereich und mit Kulturprojekten vor allem auf die deutschen Minderheiten in der Nordwest-Region der Russischen Föderation. Kooperationen mit regionalen Bibliotheken tragen dazu bei, deutsche Informationsbestände aufzubauen und zu pflegen. Seit 2006 beteiligt sich das Goethe-Institut St. Petersburg auch an dem bewährten Programm des Jugendaustausches und ermöglicht Repräsentanten der deutschen Minderheit die Teilnahme an Seminaren zu Landeskunde, die einmal im Jahr in Deutschland stattfinden.

Das im Frühjahr 2009 eröffnete Goethe-Institut in Nowosibirsk richtete 2011 den ersten Deutschlehrertag in Sibirien aus. In Sibirien fördert das Goethe-Institut zahlreiche kulturelle Projekte, wie Jugendtheater-Festivals, bei denen Schüler auch selbst Theaterstücke auf Deutsch schreiben und spielen, Gastspielreisen deutscher Theater, Lesereisen deutscher Autoren, Übersetzerworkshops und Wanderausstellungen, aktuell etwa "Russlanddeutsche unter den Völkern des Permer Gebiets".

Kontakt
www.goethe.de/russland/minderheiten
www.goethe.de/russland/sprachassistenten
Ein Projekt der Sprachassistenten in Russland:
freunde-vor-ort.ru/index.php/de
Informationen über Sprachlernzentren in Russland
Film über das Sprachassistentenprogramm in Russland
Film über ein Projekt der Sprachassistenten, „Freunde vor Ort“

Hintergrund

Polens Grenzen wurden im Laufe seiner Geschichte oft willkürlich verändert, bis hin zu seiner völligen Auflösung durch die drei Teilungen des Landes unter den benachbarten Großmächten. Bereits im Mittelalter hatten sich, insbesondere in Schlesien, Pommern, Brandenburg und Preußen Deutsche niedergelassen. Sie wirkten am wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau dieser Regionen wesentlich mit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die sog. Westverschiebung Polens. Aus den östlichen, von der Sowjetunion besetzten Gebieten wurden Polen in den Westen umgesiedelt, in Regionen wie Schlesien, Pommern oder Ostbrandenburg, aus denen die Deutschen vertrieben worden waren. Weitere Deutsche verließen seit Mitte der 1950er-Jahre als Aussiedler und Spätaussiedler das Land. Die Verbliebenen wurden nicht als Minderheit anerkannt, der Gebrauch der Muttersprache war ihnen in der Öffentlichkeit verboten. Lebten in Vorkriegspolen rund 740.000 Deutsche, so sind es 2011 noch rund 148.000, die sich vorwiegend in Oberschlesien und in den Masuren zu ihrer deutschen Herkunft bekennen.

Erst nach dem politischen Umbruch von 1989 verabschiedete das Parlament Gesetze, die den Deutschen Minderheitenrechte einräumten. Deutschsprachige regionale Zeitungen und kulturelle Vereinigungen wurden gegründet, seit dem Schuljahr 1992/93 gibt es muttersprachlichen Unterricht an Grundschulen, dazu ein deutsches Gymnasium sowie eine deutschsprachige Universität.

Programm

Das Goethe-Institut Krakau fördert die deutsche Minderheit vor allem im Bereich der Sprache. Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer sind eingeladen, an Fortbildungsveranstaltungen zur Methodik und Didaktik des Deutschunterrichts sowie zu literarischen und historischen Themen teilzunehmen. Darüber hinaus unterstützt das Goethe-Institut Bibliotheken mit Lehrmittelspenden und entwickelt Unterrichtsmaterialien.
 
So produzierte es beispielsweise mit dem Haus für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit das Comicbuch Geheimnisvolles Oppelner Land. Eine Entdeckungsreise mit Bobby und Molly, das im Landeskunde-Unterricht an polnischen Grundschulen und Gymnasien eingesetzt wird. In deutscher und polnischer Sprache erzählen die Cartoons des Comiczeichners und Autors Artur Klose von den Legenden, historischen Ereignissen, berühmten Persönlichkeiten und architektonischen Sehenswürdigkeiten Schlesiens.
 
Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit entstand das Projekt Grenztour als Erlebnis, das Schüler und Lehrer zu landeskundlich historischen Exkursionen einlädt. Da Deutsch in Polen mittlerweile als Minderheitensprache anerkannt wurde, ist dort – wie auch in Ungarn – ein ständiger Arbeitskreis zur Vermittlung der deutschen Sprache im Unterricht der Minderheitengebiete tätig.

Kontakt
www.goethe.de/polen

Hintergrund

Die Ukraine besteht als unabhängiger Staat seit 1991. Auf dessen Gebiet lebten seit dem 18. und verstärkt seit Beginn des 19. Jahrhunderts verschiedene Gruppen von Deutschen, die von russischen Zaren oder habsburgischen Kaisern angesiedelt wurden: die Schwarzmeer-, Krim-, Bessarabien-, Bukowina-, Wolhynien- und Galizien Deutschen, 1939 rund 880.000 Personen. Danach wurden sie entweder nach Deutschland umgesiedelt oder in die zentralasiatischen Teile der  Sowjetunion zwangsdeportiert. Heute leben noch 30 – 40.000 Deutsche in der Ukraine, vorwiegend am Schwarzen Meer (Odessa) und in Transkarpatien. 

Programm

Der Arbeitsbereich Deutsche Minderheit am Goethe-Institut Kiew unterstützt die rund 33.000 Angehörigen der deutschen Minderheit im Land mit einer Vielzahl sprachlicher, bildungspolitischer und kultureller Maßnahmen. Im Mittelpunkt der Förderung stehen außerschulische Deutschkurse, Stipendien zur Teilnahme an Sprachkursen der Sprachlernzentren – Partner des Goethe-Instituts – sowie ein vielfältiges Jugendprogramm mit Workshops, Seminaren und Intensivdeutschkursen. Deutschlehrerinnen und -lehrer sowie Funktionsträger der deutschen Minderheit werden regelmäßig zu Fortbildungen beziehungsweise Sprachkursen und Landeskundeseminaren eingeladen. Darüber hinaus vermittelt das Goethe-Institut jährlich vier Sprachassistenten an ukrainische Organisationen der deutschen Minderheit. Mit ihren Projekten laden die Sprachassistenten Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu Streifzügen durch Sprache, Kultur, Politik und Geschichte der Bundesrepublik ein und vermitteln ein aktuelles Deutschlandbild.
 
So konzipieren und leiten die Sprachassistenten Seminare zur Landeskunde und Jugendszene in Deutschland, Toleranz- und Bewerbungstrainings, veranstalten Lesereisen mit deutschen Autoren, Workshops mit Künstlern aus Deutschland, Fotoausstellungen und Filmabende, organisieren deutschsprachige Theatergruppen und vieles mehr.

Kontakt
www.goethe.de/ukraine/minderheiten
www.goethe.de/ukraine/sprachassistenten
„Schaufenster Enkelgeneration“. Kurzfilme zu jungen Menschen der deutschen Minderheit in der Ukraine
www.goethe.de/ukraine/enkelgeneration

Hintergrund

Nach dem Stand der letzten Volkszählung in der Tschechischen Republik von 2011 bezeichneten sich noch 18.700 Personen als Angehörige der deutschsprachigen Minderheiten.
Vor 1939 lebten in der Tschechoslowakei 3,2 Millionen, die als »Sudetendeutsche « bezeichnet wurden. Vor dem Zweiten Weltkrieg galt Prag als eine Stadt, in der weltweit das schönste Deutsch gesprochen wurde und in der Literaten wie Egon Erwin Kisch und Franz Kafka in deutscher Sprache schrieben.
Zusammengefasst unter dem Dachverband „Landesversammlung der Deutschen Vereine in der Tschechischen Republik e.V.“ sind heute landesweit 22 selbständig registrierte Verbände und 15 Begegnungszentren aktive Akteure der darin organisierten Mitglieder.


Programm

Das Goethe-Institut Tschechien entwickelt im Rahmen seiner sprach- und bildungspolitischen Arbeit seit Jahren kontinuierlich eine Vielzahl von Maßnahmen, die der Förderung verschiedener Zielgruppen rund um die Begegnungszentren der deutschsprachigen Minderheiten dienen bzw. im Zusammenhang mit der Verbreitung und Pflege der deutschen Sprache in der Tschechischen Republik in enger Zusammenarbeit mit den Begegnungszentren entwickelt werden.
Es unterstützt die Sprachkurse an den Begegnungszentren mit der Bereitstellung aktueller Lehrmittel und organisiert methodisch-didaktische Fortbildungen für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer. Poetry-Slams, Musikworkshops, Lesereisen, Konzerttourneen und Theateraufführungen für Deutschlernende und ihre Lehrkräfte in den Minderheitengebieten begleiten dieses Angebot.


Kontakt
www.goethe.de/tschechien
„Schaufenster Enkelgeneration“. Kurzfilmprojekt zu jungen Menschen der deutschen Minderheit
www.goethe.de/tschechien/enkelgeneration

Hintergrund

Das Gebiet der heutigen Slowakei gehörte im Mittelalter und in der Neuzeit zum Königreich Ungarn, dann zur österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Zwischen 1918 und 1991 gehörte die Slowakei zur Tschechoslowakei. Bereits im 12. Jahrhundert haben sich hier Deutsche niedergelassen, insbesondere in der Zips und in den Bergbaugebieten der Slowakei sowie in Städten wie Kaschau/Košice oder Preßburg/Bratislava.

Anfang des 20. Jahrhunderts bürgerte sich für alle die Bezeichnung „Karpatendeutsche“ ein. Zwischen November 1944 und Januar 1945 flohen viele vor der herannahenden Roten Armee. Die Zurückgebliebenen und die Rückkehrer wurden 1945-1947 vertrieben. Von rund 128.000 Deutschen, die in der Slowakei im Jahre 1938 gezählt worden waren, blieben Ende 1947 noch etwa 20.000 im Land und wurden einem starken Assimilationsdruck ausgesetzt.

In der heutigen Slowakischen Republik leben schätzungsweise 6.000 bis 10.000 Angehörige der deutschen Minderheit. Der Karpatendeutsche Verein ist mit seinen circa 4.800 Mitgliedern heute die bedeutendste Organisation der deutschen Minderheit in der Slowakei. 2004 wurde die Jugendorganisation IKeJA-KDJ gegründet, die gute Kontakte zu den anderen Minderheiten im Land sowie zu den deutschen Minderheiten in Europa hat.

Programm

In enger Zusammenarbeit mit dem Karpatendeutschen Verein und anderen Partnern initiiert und unterstützt das Goethe-Institut  in der Slowakei verschiedene Aktivitäten zur Förderung der deutschen Minderheit in der Slowakischen Republik. Dazu gehören die Fortbildung der Lehrkräfte an Schulen der deutschen Minderheit, die Entwicklung von Lehrmaterialien für den frühen Deutschunterricht, sprach- und landeskundliche Ferienprogramme für Jugendliche mit Schüleraustausch, die Abnahme der Prüfungen des Goethe-Instituts und die Vermittlung eines aktuellen Deutschlandbildes mit Kulturveranstaltungen für Schüler und Lehrkräfte. Workshops und Lesungen mit deutschen Autoren ermöglichen einen intensiven Kontakt mit der deutschen Sprache. Ein Beispiel dafür sind die „Deutschen Projektwochen“ mit Muttersprachlern an den Schulen. Zuerst gibt es Sprachübungen (mit Hilfe von Sprachspielen und Materialien, die die Schulen als Grundausstattung vom Goethe-Institut erhalten), dann wird gemeinsam ein Theaterstück inszeniert und öffentlich vorgeführt.

Die Deutschen Lesesäle in Košice und Banská Bystrica versorgt das Goethe-Institut mit Lehrmitteln und Literatur, die allen Schulen und Minderheiten im Einzugsgebiet zur Verfügung stehen.

Das Goethe-Institut in der Slowakei unterstützt ebenfalls Projekte, die sich mit der Geschichte der deutschen Minderheiten in der Slowakei auseinandersetzen und neue Einblicke geben, zum Beispiel die Produktion des Dokumentarfilms „Die Gäste – Hauerland“ von Vladimir Štric, oder aktuell den Film „Die letzten Mohikaner“ (Arbeitstitel, 2016) von Anna Gruskova. Ziel dieses Films ist es, den Reichtum der Sprachen und die Bedeutung auch der kleinen Minderheitensprachen hervorzuheben. Auf dem Gebiet der Slowakei gehörte Deutsch seit dem Mittelalter bis zum Ende des zweiten Weltkriegs zu den wichtigsten Kommunikationssprachen. In der Berührung mit den anderen Sprachen der jeweiligen Region entwickelte es sich zu einer Kontaktsprache, die in sich Spuren von intensiven kulturellen Austauschprozessen trägt, die den multiethnischen Raum Zentraleuropas prägten. Der Film wird Interviews mit Vertretern von drei Generationen zeigen, die mit der deutschen Sprache in der Slowakei aufwuchsen oder noch immer aufwachsen. Er wird Aufnahmen aus verschiedenen Regionen bringen, in denen Deutsch auch heutzutage noch zu Hause ist (Bratislava, Nemecké Pravno/Deutsch Proben, Medzev/Metzenseifen und Chmelnica/Hopgarten).

Die Slowakei war auch am Projekt „Schaufenster Enkelgeneration“ beteiligt – filmischen Porträts der 3. Generation über ihr Verhältnis zur deutschen Sprache und der Minderheitenidentität.


Links
www.goethe.de/slowakei
Kurzfilme "Schaufenster Enkelgeneration"
www.goethe.de/ins/cz/de/spr/eng/enk/slw.html

Hintergrund:

Im heutigen Slowenien leben als anerkannte Minderheiten Italiener und Ungarn. Nach offiziellen Angaben aus dem Jahr 2002 geben 1.628 Personen an, Deutsch als Umgangssprache im Haushalt zu verwenden. Ungefähr 600 Personen davon bekannten sich als Deutsche oder Österreicher. Damit umfasst die deutschsprachige Bevölkerung in Slowenien nur 0,1 % der Gesamtbevölkerung.

Die Gotscheer, die Zarzer und die Untersteirer zählen zu den drei wichtigsten deutschsprachigen Volksgruppen in Slowenien. Die Gotscheer bilden eine Sprachinsel im Südosten Sloweniens und zeichnen sich besonders durch ihren alten deutschen gesprochenen Dialekt aus dem 14. Jahrhundert aus.

Programm:

Die deutsche Minderheit wird in Slowenien nicht als autochthone nationale Gemeinschaft anerkannt, weshalb ihr auch viele Rechte, wie z.B. der muttersprachliche Unterricht, nicht zugestanden wird. Es gibt dennoch zahlreiche öffentliche Bemühungen zur sprachlichen und kulturellen Förderung. Sechs Verbände und drei Vereine bemühen sich, die deutsche Kultur und Sprache der deutschsprachigen Minderheiten in Slowenien am Leben zu erhalten. Der Kulturverein deutschsprachiger Frauen „Brücken“ wurde beispielsweise am 01.12.2000 auf Anregung der in Maribor und Umgebung lebenden deutschsprachigen Einwohner Sloweniens gegründet. Das Bestreben des Vereins ist es, die sprachlichen, ethnischen und kulturellen Besonderheiten der deutschsprachigen Bevölkerung in Slowenien bestehen zu lassen. Das Goethe-Institut Ljubljana kooperiert mit diesen Vereinen und führt gemeinsame Projekte und Kulturveranstaltungen durch. In Zusammenarbeit mit dem im Jahr 2010 gegründeten Hugo-Wolf-Kammerchor, einer Initiative des Kulturvereins deutschsprachiger Frauen „Brücken“, werden beispielsweise deutschsprachige Lieder musikalisch umgesetzt. Weiterhin fördert das Goethe-Institut Ljubljana die deutsche Minderheit vor allem im Bereich der Sprache. Es bietet ebenfalls zahlreiche Sprachkurse für Jugendliche und Erwachsene auf allen Sprachniveaus an. 

Links zum Thema:

www.drustvo-mostovi.si 
www.gottscheer-gedenkstaette.at/gottschee_landsmanschaften4.htm
Schaufenster Enkelgeneration Slowenien (Goethe-Institut)
https://www.youtube.com/watch?v=fje2fOPlDT4

Hintergrund

Erste westliche Siedler ließen sich auf dem Gebiet Ungarns zur Zeit Karls des Großen nieder, nachdem dieser das Awarenreich zerschlagen hatte. Im 12. Jahrhundert wurden die Zipser und die Siebenbürger Sachsen ins Königreich gerufen, weitere Gruppen ließen sich im 13. – 14. Jahrhundert nieder. Nach der Vertreibung der Osmanen, die Ungarn zwischen 1540 und 1690 beherrscht hatten, riefen die Habsburger private und kirchliche Grundherren, die später so genannten Donauschwaben, ins Land. Sie siedelten in Transdanubien (auch „Schwäbische Türkei“ genannt), im Banat, im Sathmarer Land und in anderen Regionen Ungarns.

Im 19. Jahrhundert waren sie einem starken Magyarisierungsdruck ausgesetzt. Vor 1939 zählte die deutsche Minderheit in Ungarn um die 600.000 Angehörige. 1945 wurde ein großer Teil aufgrund des Potsdamer Abkommens vertrieben, andere zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt. Erst 1955 durften sie wieder eine staatlich kontrollierte Interessenvertretung gründen. Heute pflegen die Angehörigen der deutschen Minderheit in Ungarn ein lebhaftes Kulturleben und unterhalten mehrere deutschsprachige Zeitungen.

Programm

Rund 62.000 Bürgerinnen und Bürger Ungarns bezeichnen sich heute als Ungarndeutsche, rund 87.000 als Angehörige des ungarndeutschen Kulturkreises. Nach den Roma bilden sie damit die zweitgrößte Minderheit im Land. In Zusammenarbeit mit der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen unterstützt das Goethe-Institut Budapest die Angehörigen der deutschen Minderheit vor allem im Bereich der Sprachförderung und mit kulturellen Angeboten. Dazu gehören Fortbildungsstipendien für Deutschlehrerinnen und -lehrer aller Schulformen in Ungarn und Deutschland, Stipendien für Kinder und Jugendliche sowie Musik-, Theater-, Film- und Literaturprogramme. Darüber hinaus fördert das Goethe-Institut Bildungseinrichtungen der deutschen Minderheit mit Sachspenden.
 
Mit seinen Aktivitäten sichert das Goethe-Institut die Qualität und Attraktivität des Deutschunterrichts an den Nationalitätenschulen, vermittelt ein aktuelles Deutschlandbild, stärkt die Identität der deutschen Minderheit und bietet Schülern und Schülerinnen, Lehrerinnen und Lehrern Einblicke in die aktuelle deutsche Kulturszene.

Kontakt
www.goethe.de/ungarn
www.goethe.de/ins/hu/de/spr/eng/dtm.html

Hintergrund

Rumänien entstand als Königreich 1878. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden ihm aufgrund der Pariser Vorortverträge auch Siebenbürgen, das Banat, Bessarabien und die Bukowina angegliedert. 1931 wurden insgesamt 760.000 Deutsche in Großrumänien gezählt. Aufgrund des Zweiten Wiener Schiedsspruchs (1940) musste es auf Bessarabien, Teile der Bukowina und Siebenbürgens verzichten. Die Bessarabien-, Bukowina- und Dobrudscha Deutschen wurden aufgrund des Hitler-Stalin-Paktes „heim ins Reich“ umgesiedelt. Die nationalsozialistische „Deutsche Volksgruppe in Rumänien“ schaltete die verbliebenen Angehörigen der deutschen Minderheit gleich. 1945 wurden die arbeitsfähigen Deutschen des Landes zur sog. Wiederaufbauarbeit in die Sowjetunion deportiert. Während der kommunistischen Diktatur sind viele im Rahmen der sog. „Familienzusammenführung“ ausgesiedelt, ein wahrer Exodus erfolgte nach der politischen Wende von 1989.

Heute leben noch rund 60.000 Angehörige der deutschen Minderheit in Rumänien, vorwiegend die im 12. Jahrhundert eingewanderten, seit der Reformation lutherischen Siebenbürger Sachsen und die im 18. Jahrhundert angesiedelten, vorwiegend katholischen Banater Schwaben. Politisch werden sie vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien repräsentiert. Zu den bekanntesten Vertretern der Rumäniendeutschen gehören die Nobelpreisträgerin Herta Müller und der heutige Staatspräsident Rumäniens Klaus Johannis.

Programm

Deutsche bilden nach Ungarn, Roma und Ukrainern heute die viertgrößte Minderheit in Rumänien. Das Goethe-Institut Bukarest engagiert sich für sie mit Sprachförderung, Kulturprogrammen und Bibliothekskooperationen. Da Schüler und Lehrer an den deutschen Schulen oft keine Muttersprachler mehr sind, richten sich die Fortbildungsangebote des Goethe-Instituts besonders an Lehrerinnen und Lehrer, die an Schulen der deutschen Minderheit Sprach- oder Fachunterricht auf Deutsch erteilen. Das Goethe-Institut trägt außerdem dazu bei, die Versorgung mit deutschen Lehrbüchern sicherzustellen und unterstützt Kultureinrichtungen der deutschen Minderheit mit Lehrmaterial.

Kontakt
www.goethe.de/rumaenien

Hintergrund

Erste deutsche Siedler kamen ab 1764, zur Zeit der Zarin Katharina die Große, in den Kaukasus. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen sich vor allem radikale Pietisten aus dem Württembergischen hier nieder. Auch Wissenschaftler und Künstler, Forschungsreisende und Unternehmer und Auswanderer zog es zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Transkaukasus, unter ihnen zum Beispiel den Unternehmensgründer Werner von Siemens. Handwerker und Kaufleute ließen sich in Tblissi nieder.1921 wurde Georgien sowjetisch, 1941 wurden rund 24.000 „Kaukasiendeutsche“ in die zentralasiatischen Teile der Sowjetunion deportiert, einige durften erst ab 1979 zurückkehren. 1940 lebten etwa 40.000 Deutsche in Georgien. Heute zählen sich rund 1.500 Personen zur deutschen Minderheit in Georgien.

Programm

Mit Unterstützung der Deutschen Botschaft fördert das Goethe-Institut in Tblissi die deutsche Minderheit in Georgien mit 12 Sprachkursstipendien im Jahr. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden von einer Organisation der deutschen Minderheit in Georgien, Einung, vorgeschlagen. Darüber hinaus unterstützt das Goethe-Institut Sommercamps für Deutschlehrerinnen und Lehrer und fördert kulturelle Projekte, die sich mit den deutsch-georgischen Beziehungen auseinandersetzen.
 
Dabei standen in den vergangenen Jahren vor allem Projekte im Mittelpunkt, die sich der Geschichte deutscher Wissenschaftler, Künstler, Unternehmer und Kolonisten im Südkaukasus widmeten.

Kontakt
www.goethe.de/georgien

Hintergrund

Vor 1939 gab es in Kasachstan noch keine zusammenhängende deutsche Minderheit – diese wurde erst nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion (1940) dorthin auf Befehl Stalins aus den europäischen Teilen der damaligen UdSSR zwangsumgesiedelt. Bis 1989 lebten, überwiegend in Nordkasachstan, noch 1,2 Millionen Deutsche, die nicht zuletzt wegen des wachsenden Nationalismus und der schwierigen wirtschaftlichen Situation nach der Wende das Land verließen. Seit einiger Zeit aber gibt es Rückkehrer, die sich vom wirtschaftlichen Aufschwung des Landes anlocken lassen.

Zurzeit gehören ca. 200.000 Personen zur deutschen Minderheit in Kasachstan. Nach Kirgistan kamen Deutsche schon in den 1860er-Jahren, nachdem Russland die zentralasiatischen Tataren-Khanate erobert hatte. Ab 1880 durften sich strenggläubige Mennoniten, denen im europäischen Teil Russlands die Einberufung zum Kriegsdienst drohte, in Turkestan, auf dem Gebiet des heutigen Kirgistan, niederlassen.1989 lebten in Kirgistan noch rund 100.000 Deutsche, die dann aus ähnlichen Gründen wie die Kasachstandeutschen das Land verließen; heute sind noch ca. 9.000 Personen im Land geblieben.

Programm

Das Goethe-Institut Almaty unterstützt die deutsche Minderheit in Kasachstan und in Kirgistan vor allem mit Sprachkursen. Ende 1999 gründete das Goethe-Institut in sechs ehemaligen Siedlungsschwerpunkten der deutschen Minderheit Sprachlernzentren. Die dort angebotenen Kurse und Sprachprüfungen stehen nicht nur den Angehörigen der deutschen Minderheit offen, sondern allen, die Interesse an der deutschen Sprache haben. Neben den Sprachlernzentren bieten in neun Städten Kasachstans und Kirgistans seit 2001/2002 deutschlandkundliche Informationszentren deutsche Printmedien und Literatur an. Im Rahmen des Sprachassistenten-Programms entsendet das Goethe-Institut in jedem Jahr vier junge deutsche Muttersprachler nach Kasachstan und Kirgistan. Sie unterstützen die Sprachlernzentren in ihrer Projektarbeit, geben Deutschunterricht und vermitteln ein aktuelles Deutschlandbild.

Kontakt
Deutsche Minderheiten in Kasachstan, Kirgistan
Sprachassistenten in Kasachstan, Kirgistan über sich:
www.deutsch-zentrum.com/sprachassistentinnen

Hintergrund

Die Deutschbalten wurden ab dem 12. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Staaten Estland, Lettland und Litauen angesiedelt, insbesondere vom Schwertbrüder- und dann vom Deutschen Orden. Mit dem Hitler-Stalin-Pakt und den darin festgeschriebenen Umsiedlungsverträgen endete 1939 die 800-jährige Geschichte der rund 64.000 Deutschen im Baltikum. Besonders in Estland und Lettland gehörten die Deutschen meist der Oberschicht an, in Litauen waren es überwiegend Handwerker, Kaufleute und ab dem 19. Jahrhundert Bauern. Denjenigen, die sich gegen die Aussiedlung ausgesprochen hatten, war es nach der Deportation in die asiatischen Teile der Sowjetunion erst im Jahre 1955 wieder erlaubt, in ihr Heimatland zurückzukehren. Heute werden die Interessen der deutschen Minderheit, zu der um die 5.000 Personen zählen, von zahlreichen Kulturgesellschaften und Verbänden vertreten. Allein in Litauen sind 23 Kulturgesellschaften aktiv.

Programm

Die Goethe-Institute in Tallinn, Riga und Vilnius unterstützen Angehörige der deutschen Minderheit vor allem mit Sprachkursen, aber auch mit Kulturprogrammen. Sie bieten Workshops, Vorträge und Diskussionen zur Landeskunde und Kultur Deutschlands an und organisieren Konzerttourneen und Lesereisen. Deutschlehrerinnen und -lehrer sind eingeladen, an Fortbildungen wie zum Beispiel Deutsch lernen mit dem Internet teilzunehmen.

Kontakt
www.goethe.de/estland
www.goethe.de/lettland
www.goethe.de/litauen