Von Ideen gestürzt: Die Berliner Mauer

Headliner Berlin Wonderland

Das Goethe-Institut begeht im November und Dezember gemeinsam mit der Friedrich-Naumann-Stiftung und Caminos de la Libertad den 30. Jahrestag des Mauerfalls mit einer Fotografie-Ausstellung und einer Filmreihe zum Thema.

 
Berlin Wonderland 2019 Hausbesetzung in der Kinzigstraße, 1990

„Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“ Diese ungelenke Aussage des Politikers Günther Schabowski löste am 9. November 1989 eines der ikonischsten historischen Ereignisse der jüngeren Vergangenheit aus – den Fall der Berliner Mauer. Scharen ausreisewilliger Bürgerinnen und Bürger der DDR läuteten an den Grenzposten das Ende der Teilung der Welt ein in Ost und West, Kommunismus und Kapitalismus. Was folgte, war eine Phase der Freiheit und des Optimismus, aber auch der Enttäuschung und Verunsicherung. Zum dreißigjährigen Jubiläum erinnert das Goethe-Institut an diesen Wendepunkt der Weltgeschichte.
 
Im Goethe-Institut Mexiko wird zum Jahrestag des Mauerfalls die Ausstellung „Berlin Wonderland“ zu sehen sein, die Fotografien und Zeitzeugenaussagen zu einem Porträt der Jahre 1990-96 kombiniert, in der das Niemandsland Berlin-Mitte zu einem Anziehungspunkt für Lebenskünstlerinnen und -künstler wurde – eine Zeit, die den Charakter der Stadt bis heute prägt. Zudem organisiert das Goethe-Institut, neben einer Filmreihe im eigenen Haus, auch Filmvorführungen zum Thema „Mauerfall und Wende“ in Zusammenarbeit mit der Cineteca Nacional, dem Museo Memoria y Tolerancia und dem Centro de Artes Vivas. Termine und Details können dem untenstehenden Kalender entnommen werden.
 
30 Jahre Mauerfall: 30 Jahre Film zu Ost, West und Wende
Filmreihe im Auditorium des Goethe-Instituts Mexiko

 
Im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums des Mauerfalls zeigt das Goethe-Institut Mexiko unter dem Titel „30 Jahre Mauerfall: 30 Jahre Film zu Ost, West und Wende“ eine neue Filmreihe in seinem Auditorium. Im November und Dezember werden sechs deutsche Filme aus den letzten dreißig Jahren präsentiert, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Mauer, Mauerfall und Wiedervereinigung beschäftigen. Gezeigt werden die Filme in der chronologischen Reihenfolge der Geschichten, die sie erzählen. Im Anschluss an jede Vorführung gibt es eine Gesprächsrunde mit eingeladenen Expert*innen.
 
Deutsche Teilung
 
Die Berliner Mauer brach als Grenze zwischen Ost und West die deutsche Bevölkerung entzwei und wurde für viele ostdeutsche Bürger*Innen zum Hindernis, das es zu überwinden galt. Dem Zwiespalt zwischen dem Verbleiben in der DDR und der Flucht in die BRD widmen sich die ersten zwei Filme der Reihe: In „Westen“ reist eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn aus der DDR aus und landet in einem Notaufnahmelager, wo sie die kritischen Fragen der Behörden zunehmend unter Druck setzen. In „Westwind“ finden zwei ostdeutsche Schwestern während des Sommerurlaubs ihre erste große Liebe und sehen sich nun der schwierigen Entscheidung gegenüber, ob sie in ihrer Heimat verbleiben oder ihren westdeutschen Freunden in die BRD nachfliehen sollen.
 
Deutsche Wende
 
Der wachsende Druck auf die Führungsriege der DDR führte im Herbst 1989 schließlich zum Fall der Mauer und zur Öffnung der Grenze. „Nikolaikirche“ gibt aus Sicht einer angesehenen DDR-Familie Einblicke in die Leipziger Montagsdemonstrationen kurz vor Mauerfall. Der Dokumentarfilm „Die Mauer“ wirft einen tiefgehenden Blick auf das symbolischste Bauwerk des Kalten Krieges im Augenblick seiner Auflösung und liefert eindrucksvolle Bilder der Tage vor und nach dem Fall der Mauer.
 
Deutsche Einheit?
 
Die letzten zwei Filme der Reihe behandeln schließlich die Chancen und Herausforderungen der deutschen Einheit. Wurden zahlreiche Bürger*Innen in der DDR einst selbst zu Flüchtenden („Westen“, „Westwind“), sind es in „Wir sind jung. Wir sind stark.“ Jugendliche aus Rostock, die ein Asylantenheim im wiedervereinten Deutschland brutal angreifen. In „Berlin is in Germany“ schließlich wird ein ostdeutscher Gefängnisinsasse nach langer Haft in das vereinte Berlin entlassen und findet sich plötzlich in einer Welt wieder, die ihm völlig fremd ist. Beide Filme behandeln das Aufeinandertreffen zweier Systeme und die Frage nach ihrer Kompatibilität sowie nach der Möglichkeit des Schaffens einer gemeinsamen, gesamtdeutschen Mentalität.