Ausstellung ANGOLA CINEMAS – Eine Fiktion von Freiheit

Angola Cinemas / Cine Impala, Namibe, 2013 © Walter Fernandes

Do, 04.05.2017 –
So, 14.05.2017

Kulturzentrum Gasteig

Angola Cinemas / Cine Impala, Namibe, 2013

Foto-Ausstellung zur Kino-Architektur in Angola

Die Bilder des angolanischen Fotografen Walter Fernandes öffnen einen völlig neuen Blick auf die historische Kino-Architektur in den afrikanischen Tropen: Architekten entwarfen Filmpaläste, die sich von Form und Funktionalität den klimatischen Bedingungen anpassten und das moderne Leben und Bauen in den Tropen widerspiegelten. Die Bauten entstanden zwischen 1930 und dem Ende der portugiesischen Kolonialzeit 1975 und zeugen von einer überraschenden Experimentierfreude - ihre futuristische Ausprägung ist einzigartig.

Die Fotos dokumentieren nicht nur die architektonische Geschichte der Kinos, sondern zeigen, wie die Gebäude dem simplen Kinobesuch einen eleganten Rahmen gaben. Aus den ursprünglich als geschlossene Räume konzipierten Lichtspielhäusern entwickelten sich in den 1960ern Freiluftkinos mit Terrassen-
bars – eine Bauweise, die sehr viel besser zum tropischen Klima des Landes passt.
Ins Kino zu gehen war in den Jahren vor der Unabhängigkeit 1975 ein gesell-
schaftliches Ereignis, hier fielen zum ersten Mal soziale Schranken und die Befreiung vom Kolonialismus schien zum Greifen nah. Die Bilder sind daher auch ein Meilenstein der Stadtsoziologie, ein Dokument städtischer Strukturen im 20. Jahrhundert. Die wechselnden Einstellungen einer Gesellschaft und ihr Umgang mit der sich abzeichnenden Unabhängigkeit finden sich in der Kinoarchitektur wieder.

Aber was ist aus den Filmtheatern geworden? Wie sieht ihre Zukunft aus? Viele der Architekten sind namenlos geblieben, es gibt kaum Dokumentationen, Pläne, Zeichnungen oder andere Unterlagen.
Mit den Fotos will das Goethe-Institut dazu beitragen, die von Zerfall und Abriss bedrohten Bauten zu erhalten, die vergessene Ära und ihre unbekannten Architekten wiederzuentdecken.

Die angolanische Architektin und Kuratorin Paula Nascimento, die 2013 den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig für den Pavillon Angolas erhielt, betont den großen Beitrag, den die Kinoarchitektur für die kulturelle Identität Angolas leistet: „In einer jungen Gesellschaft, die gerade einen Krieg hinter sich hat, in dem viele Strukturen ganz oder teilweise zerstört wurden, gehört es zum Aufbau einer nationalen Identität unbedingt dazu, sich Gedanken zu machen, was vom kulturellen Erbe wiederhergestellt und was eingerissen werden soll.“

Gemeinsam mit dem Steidl Verlag hat das Goethe-Institut einen Fotoband zur historischen Kino-Architektur Angolas herausgegeben. Es ist die erste umfassende Dokumentation dieser Architektur.
 
Die Ausstellung ist eine Kooperation des DOKfests München mit dem Goethe-Institut.

Vorab findet am 4. Mai von 18:00 - 19:00 Uhr im Carl-Amery-Saal (Vortragssaal der Bibliothek/1.Stock) des Gasteigs ein Gespräch mit Miguel Hurst (Angola), dem Herausgeber von ANGOLA CINEMAS statt. Im Anschluss wird die Ausstellung eröffnet.
 

Zurück