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Keine Jungfrau in Nöten

Szenenfoto
Szenenfoto | © Strophic Productions Limited

David und Nathan Zellner interpretieren mit ‘Damsel’ das klassische Western-Genre auf ihre eigene Weise. Das Endergebnis ist zwar kein einwandfreies Vergnügen, muss auf seinem Weg durch den Wilden Westen aber niemals gerettet werden.

Von Sarah Ward

Sie gehen ihren eigenen Weg im Western-Genre, David und Nathan Zellner behandeln Damsel als einzigartige Schöpfung: Ihr Film porträtiert weder das cineastische Äquivalent eines Sheriffs, der stets den Konventionen folgt, noch einen Außenseiter, dessen Selbstbewusstsein auf die Probe gestellt wird, und auch kein Opfer, das gerettet werden muss. Stattdessen handelt die Geschichte vom herzensguten aber wenig heldenhaften Samuel Alabaster (Robert Pattinson), der gerne seine Herzensdame heiraten möchte, und der so gar nicht bescheidenen Penelope (Mia Wasikowska), der besagten Geliebten. Die Vorzüge beider Protagonisten kommen hervorragend zur Geltung. Die Handlung ist listig und albern, ungewöhnlich und doch mitreißend; zugleich ist sie geistreich und bestimmt und lässt sich auf nichts festnageln.

EIN EINFACHER PLAN

Samuel hat scheinbar eine einfache Mission: Penelope finden, ihr einen Antrag machen und dann bis ans Ende aller Tage glücklich zusammen leben. Die Sache hat allerdings einen gewaltigen Haken, denn die Braut in spe ist möchte davon nichts wissen und Samuel hat auch nicht alle Tatsachen auf den Tisch gelegt. Während Samuels Suche in abgefahrenere Gebiete driftet, tritt die ironische Beziehung des Films mit seinem Titel zum Vorschein.

Die australische Schauspielerin Mia Wasikowska Die australische Schauspielerin Mia Wasikowska | © Strophic Productions Limited Damsel verbindet die Liebe für das klassische Western Genre mit einem Bewusstsein für moderne Interpretationen und dem Selbstbewusstsein, seinen eigenen Platz darin zu finden. Die verspielte Erzählweise und Struktur könnte leicht in weiterführende Geschichten versponnen werden, jede ihrer Archetypen in eine andere Richtung befragend, mal amüsant, mal gedankenvoll und mit gut getimten Einblicken.

EIN VIELSCHICHTIGES ERGEBNIS

Die Zellners, die sowohl als Drehbuchautoren, Regisseure und Schauspieler agieren, verstehen, dass jede Reise ihren eigenen Rhythmus hat, ebenso wie die Protagonisten. Für den Vorläufer Kumiko the Treasure Hunter war es unabdingbar das richtige Tempo zu finden, nicht nur um den Zuschauer in die Geschichte des Film hineinzuziehen, sondern auch in die Gedankengänge seines Titelgebenden-Protagonisten. Denselben Ansatz verfolgen sie auch hier. So bewegt sich Damsel nicht nach einem altbekannten Beat oder stimmt die gewohnten Töne an. Wenn beispielsweise Robert Pattinson den Song Honeybun schnulzig daher trällert, unterstreicht dies den unkonventionellen Humor des Films.
 
Pattinsons Post-Twilight Filmografie ist beeindruckend. In Damsel lässt er sich auf den Ton der Zellners ein und dennoch ist er nicht der schillernde Star des Films. Hier zu erklären warum Mia Wasikowska ihm die Schau stiehlt, würde zu viel verraten, aber inmitten des Humors, der Hommage und dem fortschrittlichen Denken des Films ist sie nicht wegzudenken. Zugegeben – die Handlung des Films könnte auf die eine oder andere Wendung verzichten - aber weder Wasikowskas Charakter, noch der Film selbst ist am Ende eine Jungfrau in Nöten.

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