Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Berlinale Blogger 2018
Willem Dafoes Verbindung zu Australien

Willem Dafoe wurde mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Willem Dafoe wurde mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet. | © Richard Hubner / Berlinale

Als der ikonische Regisseur Wim Wenders die Bühne betrat, um Willem Dafoe den Goldenen Ehrenbär für sein Lebenswerk zu überreichen, war er überschwänglich in seiner Würdigung. „Jeder Schauspieler ist einzigartig und Willem Dafoe umso mehr“, erklärte der Filmemacher. „Wie andere ist er unvergleichlich, doch Willem Dafoe eben umso mehr. Er ist ein Unikat, aber selbst dann ist er es eben umso mehr.“

Von Sarah Ward

Eine Begabung für komplexe Charaktere

Dafoe hatte Wim Wenders ausgewählt, um ihm die schillernde Statuette zu überreichen. Dieser sprach über die Fähigkeit des Schauspielers Bösewichte menschlich erscheinen zu lassen und auf der anderen Seite tugendhafte Figuren mit Komplexität auszustatten. Das betrifft nicht nur ihr bisher einziges gemeinsames Projekt Faraway, So Close! aus dem Jahr 1993, sondern auch die bis dato 122 anderen Leinwandauftritte Dafoes. „Er spielt all diese Charaktere mit einer gewissen Zuneigung für sie: den Guten, den Schlechten, den Hässlichen ebenso wie den Schönen, den Verqueren, den Ambitionierten und den Wilden“, führte Wenders aus.

Willem Dafoe in 'The Hunter'. Willem Dafoe in 'The Hunter'. | © Ascot Elite Entertainment / Matt Nettheim „Er ist der einzige Schauspieler auf der Welt der Christus und den Antichristen, und sogar die Zeit selbst, gespielt hat – sowie jede menschliche Nuance dazwischen“, resümierte Wenders. Aber neben den hochverdienten Lobeshymnen für Dafoes Arbeit, Talent und Einfluss kam noch ein weiterer Kommentar. „Ich habe den Film, den du für heute Abend ausgewählt hast, noch nie gesehen, und daher bin ich wahrscheinlich nicht die einzige Person in diesem Raum, die es kaum abwarten kann The Hunter zu sehen.“

Die Australien-Beziehung

Während zehn von Dafoes besten Arbeiten in der Retrospektive zu sehen sind, konnte nur ein Film bei der Preisverleihung gezeigt werden und Dafoe hat sich für eine absorbierende, enigmatische und doch unterbewertete australische Produktion entschieden: The Hunter von Daniel Nettheim. Der Film folgt der Suche eines Angestellten nach dem vermeintlich ausgestorbenen Tasmanischen Tiger. Dafoes Protagonist durchlebt eine vielfältige Reise durch die bemerkenswerte australische Wildnis.

Aus einer Karriere voller großartiger Darbietungen ist diese eine seiner besten schauspielerischen Leistungen und so ist es leicht zu erkennen, weshalb Dafoe gerade The Hunter für so einen bedeutsamen Anlass ausgewählt hatte. Der Film ist ein Paradebeispiel für sein Talent mit Stille zu arbeiten sowie seiner expressiven Fähigkeit die gesamte Vielfalt an Gefühlen mit einer kleinen Geste oder einem verstohlenen Blick auszudrücken. Der nachdenkliche, unaufdringlich fesselnde Film könnte nicht besser zusammenfassen wofür Dafoe steht; und gleichzeitig demonstrieren, warum er so eine einnehmende Präsenz auf der Leinwand ist.
 
The Hunter ist nur einer von mehreren Filmen, die Dafoe im letzten Jahrzehnt in Australien gedreht hat. Auch seine Filmographie vom anderen Ende der Welt ist eklektisch und umfasst den in Brisbane gedrehten Vampir-Streifen Daybreakers, die bald anlaufende Comicadaption Aquaman sowie den Dokumentarfilm Mountain, dem Dafoe seine charakteristische Stimme als Erzähler leiht.

Top