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Berlinale Blogger 2018
Außergewöhnliche wahre Geschichte, gewöhnlich auf dem Bildschirm

Daniel Brühl in '7 Days in Entebbe'
Daniel Brühl in '7 Days in Entebbe' | © Liam Daniel

‚7 Tagen in Entebbe‘ hat eigentlich alle Zutaten, die ein guter Film braucht, nur leider geht das Rezept nicht auf.

Von Sarah Ward

Zehn Jahre nachdem er den Goldenen Bären der Berlinale mit Elite Squad gewann, kehrt der brasilianische Regisseur José Padilha mit einer weiteren explosiven, Realität durchtränkten Geschichte zum Festival zurück - oder so erscheint es zumindest auf dem Papier. Der Film basiert auf der wahren Geschichte der Entführung des Air France Fluges 139  im Jahr 1976 und der Rettungsmission der israelischen Verteidigungskräfte - Codename Operation Entebbe, deren Details perfekt zu dem normalerweise energischen Stil des Filmemachers und seinem scharfen Blick für die düstere Realität zu passen scheinen. Doch genauso wie die Passagiere in Uganda als Geisel festgehalten werden, hängt auch 7 Tage in Entebbe in der Schwebe.

DIE WOCHE DIE DIE GANZE WELT MIT ANSIEHT

In täglichen Kapiteln über die Woche hinweg verteilt, durchläuft der Film den Vorfall aus drei verschiedenen Perspektiven. Mitten im Gewühl des Dramas stehen die Radikalen, deren Aufgabe es ist die Situation unter Kontrolle zu halten, und die Deutschen Wilfried Böse (Daniel Brühl) und Brigitte Kuhlmann (Rosamund Pike), die sich zunehmend Gedanken über die Vorgehensweise ihrer palästinensischen Kollegen Sorgen machen. Zurück in Israel versuchen Premierminister Yitzhak Rabin ( Lior Ashkenazi) und Verteidigungsminister Shimon Peres (Eddie Marsan) eine Lösung zu formulieren, die nicht nur die Gefangenen befreit, sondern das Land in die beste politische Position bringt, während sich der Soldat (Ben Schnetzer) und seine Militärkollegen darauf vorbereiten, diesen Plan in die Tat umzusetzen.

MECHANISCHER HANDLUNGSABLAUF

Obwohl die Handlung von Anfang an für Spannung und Nervenkitzel bestimmt ist, setzt Padilha die außergewöhnlichen Umstände des wirklichen Lebens in nichts mehr als eine oberflächliche Nachstellung um. Tatsächlich erweist sich die Darstellung der 70er-Jahre schnell als eines der überzeugendsten Elemente des Filmes. Alles andere folgt entweder genau nach Vorschrift  (die Motivationskrise der Deutschen zum Beispiel und auch die faschistischen Anschuldigungen, die mit der Aussortierung jüdischer Passagiere einhergehen) oder ohne jegliche Wirkungskraft (Action-Szenen die keine emotionale Reaktion hervorrufen) oder als solche, die in Theorie sehr eindrucksvoll wären, aber leider in der Umsetzung mangeln. So werden die spannendsten Szenen des Filmes mit denen der Probe und Aufführung der Batsheva Dance Company verknüpft, im Bemühen, die Spannung zu steigern.

Damit haben die Schauspieler Brühl, Pike, Ashkenazi und Marsan eine schwierige Aufgabe: Das überraschend träge Drehbuch von 71s Gregor Burke zum Leben zu bringen und irgendwie mit der abwesenden Spannung von Padilha umzugehen. Weder das Drehbuch noch die Regieführung basieren auf genügend Details, um einen wirklichen Einblick in die Vorgehensweise der Entführung und Reaktion darauf zu gewähren, was die Aufgabe den Film interessant zu gestalten, nun an die Schauspieler weiter gibt. Eine Szene gegen Ende des Films, in der Pike´s erschöpfte, einsame Täterin ihr Bedauern über ein nicht-angeschlossenes Telefon kundtut, stellt in einer wirklich perfekten, wenn auch nicht beabsichtigten Weise deren Kampf dar. So hat 7 Tagen in Entebbe eigentlich alle Zutaten, die ein guter Film braucht, nur leider geht das Rezept nicht auf.

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