Klimablog Einen Mode-Gang zurückschalten

Rhys Twist an der Nähmaschine
Schneider Rhys Twist bei der Arbeit. | © Gina Robilliard

Wenn man das Atelier meines Schneiders Rhys betritt, fühlt man sich auf herrliche Weise in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt: Der Blick schweift über altmodische Nähmaschinen, glänzende dunkle Holzböden und Rhys selbst in dem schmucken Anzug aus seiner eigenen Kollektion. Daneben komme ich mir gleich ziemlich schäbig und schlicht vor.

Der Welpe, auf den ich heute aufpasse, saust zwischen den großzügig geschnittenen Räumen umher, vorbei an den ebenfalls glamourös gekleideten Mitarbeitern. Er bellt fröhlich, als ich ihn schnell wieder einfange; dann lässt er sich kurzerhand auf einem Stapel alter Hemden nieder. Ihm wird eine Schüssel Wasser angeboten und mir ein Glas Sekt aus der Hausbar. Sofort fühlen wir uns beide gar nicht mehr so fehl am Platz.

Ich bin hier, um eine Kostümhose in Auftrag zu geben. Dementsprechend bin ich fast genauso aufgeregt wie der Welpe, der jetzt ungeniert im Raum umherschnüffelt auf der Suche nach teuren Dingen, auf denen er herumkauen kann. Der Besuch beim Schneider hilft meiner Meinung nach dabei, die Einstellung zu Mode zu ändern und ein besseres Gespür dafür zu bekommen, wie sie produziert wird. Wenn wir etwas mehr Geld investieren und zumindest ein paar Stücke haben, die von lokalen Fachleuten gemäß unserer Wünsche und Maße hergestellt werden, dann schätzen wir die Kleidung und die für ihre Herstellung benötigten Fähigkeiten direkt mehr. Und nicht nur das: Diese Kleidungsstücke halten auch länger, sodass wir insgesamt nicht so oft neue kaufen müssen. Qualität vor Quantität – das wäre eine vernünftige Kaufmentalität.

Schneider Rhys Twist Schneider Rhys Twist | © Gina Robilliard Mich frustriert zunehmend, wie heutzutage Frauenkleidung hergestellt wird. Eine Kostümhose aus dem mittleren Preissegment kostet im Laden zwischen 150 und 250 Dollar. In der Umkleide sitzt sie noch ganz gut; allerdings ist das auch kein Ort, an dem man zu besonders hoher körperlicher Aktivität neigen würde. Trägt man sie aber außerhalb der Umkleide und läuft Tag für Tag mit ihr durch die Sonne, wird sie zum stickigen Gefängnis; sie klebt auf der Haut wie ein schwitziger, kratziger Kokon. Etwas Vergleichbares aus Naturfasern zu finden, ist in Sydney – obwohl dies in den feuchten Sommern wesentlich angenehmer wäre – fast unmöglich. Nach gerade einmal sechs Monaten platzt die Kunstfaserhose dann aus allen Nähten – wenn sie nicht vorher schon Flusen-übersät oder in einem Anfall wutentbrannter Verachtung weggeworfen wurde.

Dieser deprimierenden Wegwerfkultur entgegenzuwirken, macht auch aus wissenschaftlicher Perspektive Sinn: Steigen wir auf maßgefertigte Kleidung aus Naturfasern um, reduzieren wir unseren CO2-Fußabdruck erheblich. Die Lebenszeit einer individuell geschneiderten Wollhose ist laut Rhys bis zu viermal so lang wie die einer Billig-Alternative. Und man entscheidet sich für ein biologisch abbaubares Produkt, das in der Herstellung nur halb so viel Energie verbraucht wie eins aus Polyester (125MJ/kg für Polyester im Vergleich zu 63 MJ/kg für Wolle laut des Advanced Composites Manufacturing Centre der Plymouth University, 2006), was folglich den CO2-Ausstoß senkt.

Der Welpe der Autorin zwischen den Schöpfungen von Rhys Twist. Der Welpe der Autorin zwischen den Schöpfungen von Rhys Twist. | © Gina Robilliard Diese erhöhte Achtsamkeit im Umgang mit Kleidung wäre ein realistischer Beitrag zu dem Bestreben, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Und mal ehrlich: Wäre es wirklich so schlimm, wenn wir uns nicht mehr den fast wöchentlich wechselnden Trends der Modegurus unterordnen? Im Grunde ist es doch so, wie Oscar Wilde einst sagte: „Mode ist das, was man selber trägt. Geschmacklos ist das, was die anderen tragen.“