Jugendarbeitslosigkeit in Süditalien StartNet für duale Ausbildung

Netzwerkarbeit
Netzwerkarbeit | © StartNet

Das Pilotnetzwerk StartNet Italien setzt sich für die Verbesserung des Übergangs von der Schule in den Beruf in Süditalien ein. Der Arbeitsmarkt hat sich dort in den letzten Jahren zwar verbessert, doch ist die Herausforderung noch groß. Das liegt vor allem am Mismatch zwischen dem, was der Arbeitsmarkt braucht und dem, was die Jugendlichen als Berufsziel haben. StartNet setzt genau an diesem Punkt an und möchte Unternehmer und Schüler zusammenbringen.

„Apulien und Basilikata sind zwei Regionen Südeuropas, die ganz besonders von der Jugendarbeitslosigkeit getroffen sind. Zukunftsmöglichkeiten für Jugendliche gibt es dort mit Sicherheit, man muss nur etwas gegen dieses Mismatch unternehmen“, erzählt Angelika Bartholomäi, Projektleiterin von StartNet Italien.
StartNet in Apulien und Basilikata © StartNet Doch warum ist der Süden so stark von diesem Ungleichgewicht im Arbeitsmarkt betroffen? „Das Problem in Apulien ist, dass es viele Familienbetriebe, Klein- und Kleinstbetriebe gibt, die nicht in eine Ausbildung investieren können“, erklärt Bartholomäi. Starke Familienstrukturen sind bei einer hohen Jugendarbeitslosigkeit dennoch wichtig, da sie einen auffangen, wenn man beruflich still steht. Im Norden Italiens, wie etwa der Lombardei oder dem Piemont, gibt es große industrielle Betriebe, die finanziell in die Ausbildung ihrer jungen Mitarbeiter investieren können. „Uns wird zum Beispiel auch klar gesagt: Wir brauchen Schweißer. Eigentlich gibt es viele Jugendliche, die kein Abitur machen und so etwas locker machen könnten.“ Doch gibt es kaum duale Ausbildungsmöglichkeiten. Angebot und Nachfrage sind da, man muss sie nur zueinander führen und für Unternehmen und Jugendliche bessere Partnerschaften zu schaffen.

Innovation der traditionellen Arbeitsbereiche

Die fünf Handlungsfelder Die fünf Handlungsfelder | StartNet Italien In regelmäßigen Netzwerktreffen planen die Partner Projekte in fünf verschiedenen Handlungsfeldern, darunter auch im Bereich der Berufsorientierung, die langfristig Verbesserung bringen sollen. Diese sind der Pfeiler, auf dem die Initiativen von StartNet aufbauen. Eine Serie lokal ausgerichteter Knowledge Camps, an denen Partner, Unternehmen und Schulen teilnehmen, fungiert als Treffpunkt zum Austausch und zur Vernetzung. „Es geht darum, für bestimmte Berufsfelder bessere Zusammenarbeiten zu schaffen. Vor allem die Unternehmerseite zieht da momentan richtig an und versucht, sich mehr mit den Schulen zusammenzubringen. Die Berufsfachschule für Tourismus trifft sich dann beispielsweise mit einem großen Arbeitgeber im Tourismusbereich“, erklärt Bartholomäi. Doch nicht nur im Tourismus und in den Bereichen der Blue Economy und der Kulturgüter sind Partnerschaften durch Netzwerkarbeit und die daraus resultierende Ausbildung von Fachkräften naheliegend. „Handwerk, Landwirtschaft, lebensmittelverarbeitende Industrie. Das ist, was traditionell im Süden schon vorhanden ist.“ Öl, Wein, Obst und Gemüse sind Exzellenzprodukte, die in die ganze Welt exportiert werden. Bei diesen Arbeitsfeldern besteht einerseits Innovationsbedarf, andererseits ist aber auch ganz hohes Innovationspotential da, das man international gestalten kann. Digitalisierung und Industrie 4.0 spielen dabei zukünftig sicher auch eine Rolle, doch geht es bei den traditionellen Arbeitsfeldern erstmal darum die Ressourcen, die man hat, auszubauen.

Zukunftsmöglichkeiten aufzeigen, um Schulabbruch vorbeugen

„Die Jugendlichen, die wir persönlich erlebt haben, sind zum Teil sehr verunsichert, weil sie nicht wissen, was aus ihnen werden soll“, beschreibt Bartholomäi die Situation. Daher sollen Kinder von Anfang an mit der Arbeitswelt vertraut werden und sich damit beschäftigen, was eigentlich ihre Talente und Wünsche sind.
Das Projekt OR.CO. Digitsys bezieht daher nicht nur die Schulaktivitäten, sondern das gesamte familiäre und soziale Umfeld der Kinder mit ein, um ihnen verschiedene Zukunftsmöglichkeiten vor Augen zu führen. „Durch die Förderung des Fonds ‘Con i bambini‘ haben wir die Möglichkeit, ein Modellprojekt zu entwickeln, wie man Jugendliche am vorzeitigen Schulabbruch hindert. Dazu wurden 6 Pilotprojekte in Apulien und Basilikata ausgewählt, die in sozial oder wirtschaftlich schwachen Gegenden liegen. Dadurch versuchen wir die jungen Leute im Territorium zu halten.“
Das Projekt Skills Camp ist hauptsächlich im wachsenden Wirtschaftssektor der Mechatronik angesiedelt, wo die apulischen Arbeitgeber starken Handlungsbedarf sehen. „Es herrscht Fachkräftemangel, aber die Schulen können dazu kaum etwas anbieten. Hier versuchen wir den Ansatz des deutschen dualen Systems einzubringen“, erklärt Bartholomäi die Idee des Projekts. Auf der Initiative basierend soll gemeinsam mit den Handelskammern in Apulien, den Betrieben, der Region und ANPAL ein Pilotprojekt lanciert werden, das Aspekte einer Berufsschule aufweist. Dazu bedarf es neben der Ausbildung der Schüler natürlich im Vorfeld die Ausbildung der Lehrer. Train the Trainer-Programme sind jedoch nicht nur bei so ambitiösen Projekten notwendig, sondern auch schon im Schulalltag der Sekundarstufen. Daher wird bei Buildung futures Lehrerausbildung mit den Bedürfnissen der Schüler kombiniert, um die Schule zu einem Ort zu machen, an dem Jugendliche ihre Zukunft aufbauen können. Eine Studie, die durch Fokusgruppeninterviews und quantitative Erhebungen das Projekt begleitet, wird die Arbeitswelt der nächsten 5 Jahre in Apulien und in der Basilikata projizieren und deutlich machen, welche Berufsbilder in verschiedenen Arbeitsbereichen gefördert werden müssen.

StartNet Europe

Das Netzwerk StartNet ist nicht lokal auf Italien begrenzt, sondern hat auch eine europäische Komponente, StartNet Europe. Am Goethe-Institut Brüssel werden ähnliche Initiativen in anderen europäischen Ländern gesammelt, um einen Austausch zu fördern. Die Initiativen nordeuropäischer Länder sind zwar in einigen Punkten weiter, haben aber dafür andere Probleme als in Südeuropa. In Finnland sind es zum Beispiel die Stellen im Industriebereich, die oft unbesetzt bleiben: „Dort gibt es kaum Industriefacharbeiter, weil so viele Leute zur Universität gehen. Das ist ein anderes Problem als das, was Apulien hat. Hier fehlen zum Teil wirklich die Arbeitsplätze.“ Doch auch wenn die Ausgangssituationen verschieden sind, ist es dennoch interessant sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Dafür baut StartNet Europe gerade eine Austauschplattform auf. „Im Moment sind wir ganz gut über Europa verteilt, von Spanien bis nach Rumänien und bis nach Finnland.“ Durch diesen Austausch kann sich viel entwickeln und das Netzwerk ausgebaut werden, um der Jugendarbeitslosigkeit in Europa weiter entgegen zu wirken.
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