Europäisches Jahr des Kulturerbes Cartaditalia

Biblioteca Nazionale Braidense
Biblioteca Nazionale Braidense. Ort der Präsentation der Cartaditalia 2018. | © Goethe-Institut Brüssel

Auf Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates der Europäischen Union wurde das Jahr 2018 zum „Europäischen Jahr des Kulturerbes“ erklärt.Existiert ein Thema, bei welchem dem Anschein nach größere Einigkeit herrscht, als beim Kulturerbe? 

Wer würde es wagen, die Bedeutsamkeit der Erinnerung an die Vergangenheit, des Erhalts der Denkmäler und der Bewahrung der wichtigsten Zeugnisse der Geschichte zu leugnen? Doch hinter dieser aufgesetzten Irenik (jene der begeisterten Menschenmassen, die anlässlich der „Tage des Kulturerbes“ zu den Schlössern und Patrizierhäusern strömen, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind) verbergen sich tiefe und manchmal zerstörerische Spannungen, die vor allem in den letzten Jahren immer stärker zu Tage treten. Letztes Jahr wurden gegen Ende des Sommers in den Vereinigten Staaten mehrere Statuen von Christoph Kolumbus zerstört oder beschädigt, um ihren Symbolcharakter für den imperialistischen Kolonialismus des Westens anzuprangern. Allein dieses Beispiel – unter den vielen, die in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgten – zeigt, dass das Konzept des Kulturerbes selbst problematisch und umstritten ist und welches Konfliktpotential den konkreten Gepflogenheiten innewohnt, die mit dem Kulturerbe in Zusammenhang stehen.

Um dem europäischen Publikum eine Orientierungshilfe auf diesem faszinierenden, aber sehr komplexen Gebiet mit zahlreichen, mitunter widersprüchlichen Verflechtungen zur Verfügung zu stellen, hat das Italienische Kulturinstitut Brüssel beschlossen, dem Europäischen Jahr des Kulturerbes eine Sonderausgabe des Magazins CARTADITALIA zu widmen, die von Paolo Grossi herausgegeben wurde.

Diese in vier Sprachen (Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch) erscheinende Sonderausgabe von CARTADITALIA, die mit der Unterstützung mehrerer Partner (der italienische Herausgeber Treccani, Google Arts & Culture, der deutsche Bertelsmann Verlag, das Goethe-Institut usw.) veröffentlicht wurde, soll eine Bestandsaufnahme des politischen und wissenschaftlichen Diskurses zum Thema Kulturerbe bieten.

Um diese schwierige und manchmal schier unmöglich erscheinende Aufgabe gewissenhaft in Angriff nehmen zu können, war es zunächst erforderlich, eine europäische Perspektive einzunehmen. Zu diesem Zweck hat CARTADITALIA Forscherinnen und Forscher sowie Fachleute aus ganz Europa um Beiträge gebeten und dank des Ansehens und der Kompetenzen von Pier Luigi Sacco, wissenschaftlicher Leiter dieser Ausgabe, auch erhalten. Er legte fest, wer mit der Ausarbeitung der jeweiligen Themenbereiche betraut wurde und hat es bewerkstelligt, dieses Thema mit seinen unzähligen Facetten auf analytische Weise zu untersuchen.

Somit bietet diese 500 Seiten starke, dem „Kulturerbe“ gewidmete Ausgabe von CARTADITALIA eine ausführliche Übersicht über die wichtigsten Fragestellungen zum Thema: die Rolle der UNESCO, der Ansatz des Rates der Europäischen Union, das Kulturerbe in Kriegsgebieten, das Kulturerbe als Gemeingut, das Kulturerbe in Zeiten des Klimawandels, das Kulturerbe und der soziale Zusammenhalt, das Kulturerbe und die neuen digitalen Technologien, die Verwaltung der Archive, die Zukunft der Museen, der Kulturerbe-Tourismus, die Zugänglichkeit des Kulturerbes usw.

Entstanden ist ein umfassender Leitfaden zum Thema Kulturerbe, ein völlig neues und unerlässliches Hilfsmittel für alle Akteure der Kulturszene in der Europäischen Union.