Im Hier und Jetzt Über das Projekt

Über das Projekt
© Goethe-Institut

Die tschechische und die deutsche Gegenwartslyrik zeigen große Vitalität, Vielfalt und frische Phantasie. Und doch ist die allgemeine gesellschaftliche Wahrnehmung der Lyrik geringer als noch vor einigen Jahren. Der Kreis der Leser ist überschaubar und überwiegend sind es kleine Verlage, die der Lyrik auf den Buchmarkt verhelfen. Veranstaltungen mit Lyrik erfreuen sich hingegen größeren Interesses, insbesondere Autorenauftritte und Performances. Hier zeigt sich die Lyrik zweifellos als innovatives Medium.

In Zusammenarbeit mit Partnern hat das Goethe-Institut in Prag eine Veranstaltungsreihe vorbereitet, die zentrale Themen, Trends und Akteure der tschechischen und deutschen Lyrikszene vorstellt und eine Diskussion über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Dichterwelten anregt. 

Kuratoren: Petr Borkovec und Dagmar Leupold

Einzelne Veranstaltungen:

Phantomschmerz
Die einführende Debatte widmet sich der Entwicklung der Lyrik nach 1990, ihrer aktuellen Situation, ihren Gewinnen und Verlusten sowie den wichtigsten formalen und thematischen Trends. Ist Lyrik in Deutschland und Tschechien eher engagiert, geht sie mehr auf aktuelle Themen ein, oder ist sie eher durch Innerlichkeit und Rückzug in die eigene Welt geprägt?
Moderation: Urs Heftrich
Es diskutieren: Dagmar Leupold, Petr Borkovec, Karel Piorecký, Daniela Seel
5.5.2016, 19:00 Goethe-Institut, Masarykovo nábř. 32, Prag
 
Vermessung der Welt
Wie nehmen Dichter, die seit den 1990er Jahren bis heute vorrangig präsent sind, die Lyrik von heute wahr? Wie hat sich ihr Blick auf das Gedicht verändert, wie ihr Schaffen?
Mit Marcel Beyer und Petr Hruška. Moderation: Petr Vizina
10.10.2016, 19:00 Goethe-Institut, Masarykovo nábř. 32, Prag
 
Die „untote“ Avantgarde
Der Begriff der Avantgarde wird meist mit dem 20. Jahrhundert verbunden. Doch bis heute wirkt die Avantgarde nach. Auf tschechischer Seite im Post-Surrealismus und seinen zeitgenössischen Formen, auf deutscher Seite im Experimentieren mit Sprache als dem eigentlichen Gegenstand der Poesie, im Vortrag von Lyrik, in ihrer Performativität.
Mit: Adam Borzič, Ann Cotten, Steffen Popp, Jakub Řehák. Moderation: Pavel Novotný
8.11.2016, 19:00 Goethe-Institut, Masarykovo nábř. 32, Prag

In Form    
Eine Wiederbelebung der dichterischen Formen ist zu beobachten. Vers, Metrum und Rhythmus kommen erneut ins Spiel, das Sonett erlebt eine Renaissance. Entflieht, wer im Jahr 2016 Daktylen zählt, der Welt oder taucht er in sie hinein?
Wie ist dieses Spiel der Formen zu deuten, wie dieses Laboratorium der Poesie zu verstehen?
Mit: Jonáš Hájek, Ondřej Hanus, Marion Poschmann, Jan Wagner. Moderation: Petr Borkovec
27.2.2017, 19:00 Goethe-Institut, Masarykovo nábř. 32, Prag
 
Feinstaub
„Jeder, der lebt, wird zum Teilhaber des Entsetzens seiner Zeit“, formuliert Wilhelm Genazino in seiner Dankesrede für den Kleist-Preis.
„Feinstaub“ soll als politische Metapher verstanden werden: ein schädliches, global präsentes Element, das wir mit der Luft, die wir atmen, in uns aufnehmen. Nicht anders ist es mit der gesellschaftlichen Atmosphäre.
Mit: Olga Pek, André Rudolph, Tobias Lehmkuhl.
Moderation: Dagmar Leupold
3.4.2017, 19:00 Goethe-Institut, Masarykovo nábř. 32, Prag

Kuratoren:

Dagmar Leupold (geb. 1955)
Lyrikerin und Prosaautorin, Übersetzerin aus dem Italienischen. Kuratorin der Veranstaltungsreihe. Zahlreiche Auszeichnungen,  darunter den Aspekte-Preis für das beste Prosa-Debut. 2013 erschien der Roman Unter der Hand, der für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Seit 2004 leitet sie das Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen. 2013 kuratierte sie das forum:autoren beim Literaturfest München.

Petr Borkovec (geb. 1970)
Dichter, Prosaautor, Redakteur, Dramaturg der Lesungen im Café Fra, Kurator der Veranstaltungsreihe. Mit seinem Werk gehört er zu den führenden Autoren der zeitgenössischen tschechischen Lyrik. Er ist Träger des Preises Cena Jiřího Ortena (1995), des südtirolischen Norbert C. Kaser Preises (2002), des Hubert Burda Preises (2002) und der Auszeichnung Prémie Tomáše Hrácha (2003; für die Übersetzung von Oresteia, mit M. Havrda). Zuletzt ist auf Tschechisch 2015 der Gedichtband Wernisch erschienen, 2014  auf Deutsch der Gedichtband Liebesgedichte. Er ist Mitherausgeber des Lyrik-Jahrbuches Nejlepší české básně 2015 (Die besten tschechischen Gedichte 2015).

PM: DAS GESPRÄCH DER DEUTSCHEN UND TSCHECHISCHEN LYRIK ERÖFFNET DAS GOETHE-INSTITUT MIT PHANTOMSCHMERZ