Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Towel Art Performance
Folding Europe

Towel Art by Hen & Mai
© Quast & Knoblich

Im Keller des Lancaster Gate Hotels im Zentrum Londons nimmt das Publikum für die humorvolle Performance „Folding Europe“ langsam seine Plätze ein. Im Hintergrund spielt Fahrstuhlmusik und den Anwesenden wird ausgiebig Obst und Wasser gereicht. Handtücher im Blau und Gelb der Europaflagge hängen über den Stuhllehnen. In der nächsten Stunde wird das Publikum die Kunst erlernen, alle Arten von Krisen zu bewältigen, indem sie aus Handtüchern interessante Figuren falten. „Ein Handtuch sagt mehr als 1000 Worte“, wird uns Gästen erklärt.

Von Naomi Larsson

Entwickelt wurde die eindringliche Theater Performance von den beiden in Berlin lebenden Künstlern Hendrik Quast und Maika Knoblich. Ihre Charaktere Hen und Mai, zwei Experten im Handtuchfalten, präsentieren dem britischen Gastgewerbe die Handtuchkunst zum ersten Mal. Ihre Hauptkompetenz? Wie man in Zeiten politischer Veränderungen mit schwierigen Gefühlen umgehen kann.

Letztendlich benutzen alle Menschen Handtücher


Die Veranstaltung wurde für die Veranstaltungsreihe Europe Actually des Goethe-Instituts London in Auftrag gegeben, die sich mit der Frage nach dem europäischen Gemeinschaftsgefühl befasst. Gerade da, wo politische Ungewissheit und Spannungen herrschen, braucht es kulturelle Verbindungen und Grenzüberschreitungen. Quast und Knoblichs Performance ist vom Brexit inspiriert und geht mit Humor – wenn auch durch ein ungewöhnliches Konzept – an die Krise heran. Die Performance findet am Wochenende des ursprünglich geplanten Brexits statt und ist daher thematisch besonders relevant.
 
Was haben also Handtücher mit der Krise zu tun? „Letztendlich benutzen alle Menschen Handtücher“, erklärt Mai. Hen und Mai präsentiereb ihre Falttechniken als eine Methode zur Krisenbewältigung. Großbritannien ist „momentan eine traumatisierte Gesellschaft“, wie Mai sagt, Handtuchkunst sei die Antwort. Durch die Kunst, Hanftücher zu falten, könnte man Gefühle ausdrücken, sich entspannen und miteinander verbunden fühlen. Mit Handtuchkunst könnten wir über den Brexit hinwegkommen. Ach, wenn es doch so wäre!
 
„Jede Trennung fühlt sich gleich an: wie ein Schlag in den Magengrube“ sagt Hen in seiner Eröffnungsrede, wobei er ein vogelförmiges Handtuch auf der Schulter trägt. „Über den Brexit zu jammern ist keine Lösung, wir müssen wieder etwas fühlen.“ Hen and Mai, beide in blauem Blazer, beginnen mit einer PowerPoint-Präsentation und erzählen die (erfundene) Geschichte der Handtuchkunst, die bis zurück zu Kleopatra reicht.
 
Hen & Mai erzählen dem Publikum von ihrer Tour im November, als sie Gegenden des Vereinigten Königreichs besuchten, wo vornehmlich für den Brexit gestimmt wurde. Die beiden wollten herausfinden, was die Leute dort dachten und fühlten. Später erfahre ich, dass die Künstler tatsächlich vor Ort waren, um ein Gespür für das politische Klima im Vereinigten Königreich und Inspiration für ihre Performance zu bekommen. Auf dieser Reise wurde den beiden klar, dass Großbritannien deswegen so gespalten ist, weil viele Menschen sich abgehängt und außen vor fühlen. Einige wollten mit ihrer Stimme für den Brexit eine deutliche Aussage machen.
 
Nach einer dramatischen Handtuchkunstvorführung von Hen in einem schwach beleuchteten Zimmer, wird dem Publikum gezeigt, wie man eine Schildkröte falten kann.Tatsächlich ist das Handtuchfalten äußerst beruhigend – womöglich haben die beiden Künstler doch Recht. Vielleicht kann das Falten von Handtüchern uns wirklich allen helfen.
 
In der dritten Szene sehen wir Mai in einem Hotelzimmer im Bett unter einer Decke – über das ganze Zimmer verstreut sind Werke ihrer Handtuchkunst. Sie ist von Schwänen umgeben, aus der Schublade kommen zwei Schlangen und aus der Toilette klettert ein Hummer.

Als die Performance vorbei ist, scheint das Publikum verwirrt zu sein. Doch bringt man die Performance mit dem Brexit in Verbindung, dann spiegelt die allgemeine Verwirrung im Land die Lage sehr treffend wieder. Riccardo, ein Zuschauer, meint es sei „erfrischend“ gewesen, ein solches Stück zum Thema Brexit zu sehen, weil tagtäglich so viel „Trübsal geblasen wird. Es ist nett, zur Abwechslung darüber lachen zu können.“
 
  • Folding Europe Towel Art Performance Foto: Rupert Hitchcox © Goethe-Institut London
  • Folding Europe Towel Art Performance - interaction Foto: Rupert Hitchcox © Goethe-Institut London
  • Folding Europe Towel Art Performance - bed Foto: Rupert Hitchcox © Goethe-Institut London
  • Folding Europe Towel Art Performance - bed Foto: Rupert Hitchcox © Goethe-Institut London
  • Folding Europe Towel Art Performance - bathroom Foto: Rupert Hitchcox © Goethe-Institut London



 

Top