Lucy Jones

Lucy Jones © Lucy Jones Lucy Jones kommt aus Großbritannien und lebt seit 1998 in Berlin. Sie studierte Germanistik und Film bei W. G. Sebald an der UEA und machte später ihren Master in Angewandter Linguistik an der University of Surrey. Nach verschiedenen Tätigkeiten, unter anderem als freiberufliche Modefotografin, wurde sie Übersetzerin. Verbunden mit dieser Rückkehr zu ihren Wurzeln gründete sie 2008 Transfiction, ein Übersetzerkollektiv in Berlin Wedding. Sie schreibt auch Buchrezensionen (CULTurMAG ,Words Without Borders) und veranstaltet eine Lesereihe namens The Fiction Canteen für Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer in Berlin.


 

Drei Fragen an Lucy Jones

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzer geworden?

Vor vielen Monden studierte ich deutsche Literatur und dachte mir, dass ich in dieser Richtung arbeiten könnte. Ich wusste, dass ich etwas machen wollte, dass irgendwie mit Kunst zu tun hat -  Theater, Tanz, Literatur, etwas in dieser Art. Ich dachte, Barfrau in Islington zu sein, wo Harold Pinter Stammgast war, wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Nach dem Studium hatte ich aber den Drang, etwas vollkommen losgelöst von Büchern zu machen. Meine Eltern wären beide gerne bildende Künstler geworden. Beide waren sehr talentiert. Mein Vater hatte eine Dunkelkammer zuhause und verbrachte Jahre damit, selbst zu entwickeln und zu drucken. Das brachte mich dazu, es auch auszuprobieren und ich richtete eine Dunkelkammer in meiner Wohnung in Hamburg ein, um Mode-und Reportagefotografin zu werden. Ich mochte es, aus dem Haus herauszukommen und als Fotografin kontaktfreudig zu sein. Das änderte sich, als ich meine Tochter bekam. Plötzlich verbrachte ich mehr Zeit zuhause und las. Literaturübersetzung war also eine Art Heimkehr. Ich bin keinem der gewöhnlichen Pfade gefolgt. Und Fotografie liebe ich immer noch.
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Authentische Stimmen interessieren mich sehr, solche, die einen ab der ersten Seite packen und einen die Geschichte förmlich verschlingen lassen. Leider haben wir nicht viele solche Bücher gelesen, als ich Germanistik studiert habe. Ein Teil der Literatur die uns gegeben wurde war sehr intellektuell und schwer zugänglich. Das änderte sich als wir zu Kafka kamen. Er war spannend und bleibt einer meiner liebsten deutschsprachigen Autoren. Ich liebe das physische Unbehagen, das er durch seine Worte transportiert: Unbehagen in der eigenen Haut zu stecken, mit der Familie, mit dem eigenen Zuhause. All das kann ich nachempfinden. Amerika ist nach wie vor einer meiner Lieblingsromane.
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Wo wir schon bei authentischen Stimmen sind, kürzlich habe ich einen Ausschnitt aus Ellbogen von Fatma Aydemir übersetzt, was sehr direkt war. Der Roman handelt von einem 18-jährigen türkisch-deutschen Mädchen im Wedding, das sich von den traditionellen Werten ihrer Familie erstickt fühlt. Über eine Datingplattform gerät sie an eine zwielichtige Person in Istanbul und plötzlich wird ihr Leben interessant. Es würde sehr viel Spaß machen, das zu übersetzen.  

  • Stephan Abarbanell, Displaced (Morgenland). John Murray, 2017
  • Silke Scheuermann, The Hour Between Dog and Wolf (Die Stunde zwischen Hund und Wolf). Seagull Books, 2017.
  • Christian Schwägerl, Living in the Anthropocene (Menschenzeit). Synergetic Press, 2014.
  • Annemarie Schwarzenbach, Death in Persia.( Tod in Persien). Seagull Books, 2013.
  • Annemarie Schwarzenbach, Lyric Novella (Lyrische Novelle). Seagull Books, 2011.
  • Dennis Burmeister and Sascha Lange, Monument - Depeche Mode. Blumenbar, 2013.
  • Katrin Brack et al, Stages (Bühnenbild). Theater der Zeit, 2010.