Tess Lewis

Tess Lewis © Tess Lewis Tess Lewis ist Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Französischen und dem Deutschen. Ihre Übersetzungen beinhalten Werke von Peter Handke, Maja Haderlap, Christine Angot und Philippe Jaccottet.

Sie hat eine Reihe von Preisen gewonnen, einschließlich des ACFNY Translation Prize 2015 sowie einem Guggenheim Fellowship. Sie ist beratende Redakteurin für The Hudson Review und schreibt Essays und Rezensionen über europäische Literatur für zahlreiche Magazine und Zeitungen. 2014 und 2015 kuratierte sie das Festival Neue Literatur, New Yorks erstes jährliches Festival für deutsche Literatur auf Englisch.


 

Drei Fragen an Tess Lewis

War Übersetzer Ihr Traumberuf? Warum sind Sie Übersetzerin geworden?

Eigentlich wollte ich seit eh und je Lektorin werden. Ich habe zwei Jahrzehnte damit zugebracht, zu editieren und über übersetzte Literatur zu schreiben. Zu dieser Zeit habe ich ab und an ein paar Essays und Kurzgeschichten übersetzt. Obwohl ich es immer mochte zu übersetzen, hat es mich nie wirklich gepackt, bis ich einige Geschichten des österreichischen Autors Alois Hotschnig übersetzt habe. Die Nuancen und Modulationen seines Stils sind sehr subtil und es ist recht anspruchsvoll, sie ins Englische zu übersetzen. Es hat mich begeistert, eine mir so fremde Stimme zu bewohnen und es hat viel mehr Spaß gemacht, als herauszugeben. Nach wie vor ist jedes Projekt ein Abenteuer.
Welches ist Ihr deutsches Lieblingsbuch und warum?

Ich kann nicht nur einen Favoriten wählen, aber eines der Bücher, zu denen ich am öftesten wieder zurückkehre ist Radetzkymarsch von Joseph Roth. Roth fängt Geist und Schauspiel des Kaiserreichs Österreich-Ungarn in dessen letzten Tagen so lebendig ein, dass einen sein Roman in seinen Bann zieht, egal, wie oft man ihn liest.  
Gibt es ein Buch, das Sie unbedingt übersetzen wollen?

Ich würde mich sehr gerne an Siebenkäs (Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten) von Jean Paul versuchen, Deutschlands Laurence Sterne und wahnsinnig komischen Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, dem wir so viele unverzichtbare deutsche Wörter wie Weltschmerz, Doppelgänger, Angsthase, etc. verdanken. Und eines Tages, wenn ich mehr Erfahrung mit Metrum und Reim habe würde ich gerne Paul Fleming, einen Dichter aus dem 17. Jahrhundert übersetzen, dessen Poesie aufschreckend frisch erscheint.

  • Hans Magnus Enzensberger: Enzensberger’s Panopticon. Forthcoming Seagull Books
  • Lutz Seiler: Kruso. Scribe Publications, 2017
  • Klaus Merz: Stigmata of Bliss: Three Novellas (Jakob Schläft, LOS, Der Argentinier). Seagull Books 2017
  • Maja Haderlap: Angel of Oblivion (Engel des Vergessens). Archipelago Books, 2016
  • Anselm Kiefer: Notebooks: Vol. 1, 1998-1999 (Notizbücher). Seagull Books, 2015
  • Melinda Nadj Abonji: Fly Away, Pigeon (Tauben Fliegen auf). Seagull Books 2014
  • Alois Hotschnig: Ludwig’s Room (Ludwigs Zimmer). Seagull Books 2014
  • Doron Rabinovici: Elsewhere (Andernorts) Haus Publishing 2014
  • Alois Hotschnig: Maybe This Time (Die Kinder beruhigte das nicht) Peirene Press 2011
  • Peter Handke: Once Again for Thucydides (Noch einmal für Thucydides) New Directions 1998