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Die erste internationale Buchmesse in Basra - ein Startpunkt für die Öffnung von mehr kulturellem Raum

Larissa Bender auf der Buchmesse in Basra
Khaled Tawfiq © Goethe-Institut Irak

Von Schluwa Sama

Mit der Eröffnung der ersten internationalen Buchmesse in Basra durch das Publikationshaus Al-Mada eröffnet sich seit Langem wieder ein kulturell-kreativer Raum für die Bevölkerung Basras. Dabei sind auch Podiumsdiskussionen organisiert, unter anderem ein Panel vom Goethe-Institut Irak zu deutsch-arabischer Übersetzung, aber auch verschiedenste Panel von irakischen Autor*innen, Intellektuell*innen und auch ein ‚all-women‘ Panel. Diese sind prall gefüllt und zeigen den großen Bedarf Basras nach der Öffnung kultureller Räume.  
  Diskussion auf der Buchmesse in Basra Khaled Tawfik © Goethe-Institut Irak
Obwohl die südliche Hafenstadt Basra die ölreichste Provinz des Irak ist, ist die Stadt selbst in schlechtem Zustand. Bis heute noch sind in den Flüssen Tigris und Euphrat, die hier in Basra in den Schatt Al-Arab münden, versenkte Kriegsschiffe aus dem Iran-Irak Krieg (1980-1988) und dem anschließenden ersten Golfkrieg (1991) zu sehen. Dr. Adel, Archäologe an der Universität Basra, erklärt trotzdem, dass Basra seit einigen Jahren wieder aufblüht, wenn es um Kunst und Kultur geht. War die Union der Musiker*innen und Künstler*innen in Basra lange von politischen Parteien besetzt, so werden heute kulturelle Fragen von politischen getrennt was zur Folge hat, dass Kultur heute in Basra mehr Spielraum hat. Dr. Adel erzählt dies auf der internationalen Buchmesse Basra, dessen Zustandekommen er als Ergebnis dieser kulturellen Öffnung Basras sieht.

Tatsächlich ist die internationale Buchmesse in Basra ein riesiger Erfolg was die Besucher*innenzahlen angehen. Schätzungen von Al-Mada zufolge waren pro Tag ca. 30.000 Besucher*innen anwesend. Das ist vor allem dem Publikationshaus und Organisator der Buchmesse in Basra, Al-Mada zuzuschreiben. Der Gründer von Al-Mada, Fakhr Karim sitzt ebenfalls im Publikum der Podiumsdiskussionen, zufrieden mit dem was Al-Mada hier geleistet hat. Fakhr Karim kommt selber aus dem Irak und hat Al-Mada in den 1970er Jahren im Exil gegründet. Seit 15 Jahren ist Al-Mada wieder im Irak tätig und hat zum ersten Mal in Erbil die internationale Buchmesse organisiert, 2020 das erste Mal in Bagdad und nun 2021, das erste Mal in Basra. Al-Mada ist ansonsten in 17 Ländern vertreten und hat ca. 600.000 -700.000 Bücher bisher veröffentlicht.
  Buchmesse in Basra Khaled Tawfik © Goethe-Institut Irak

Der Organisationserfolg der Buchmesse in Basra ist vor allem den Mitarbeiter*innen von Al-Mada, die mit Plänen auf der Messe koordinieren und die Redner*innen mit Mikrofon und den wichtigsten Informationen versorgen, zu verdanken. Eine davon ist die junge Frau Fatima Jihad aus Bagdad, die liebevolle, aber bestimmte Anweisungen an ihre Kolleg*innen gibt. „Ich mag es aktiv zu sein und das Ergebnis meiner Arbeit direkt zu sehen, anstatt nur eine symbolische Arbeitsstelle zu haben“. Fatima, die seit 6 Jahren für Al-Mada arbeitet, grenzt sich mit dieser Aussage auch deutlich ab von den Arbeitsstellen im irakischen Staatssektor, bei denen es meist darum geht die Arbeitszeit abzusitzen.

Auf der internationalen Buchmesse in Basra sieht man häufig Stände, an denen Menschen Bücher und Zeitungen mitgegeben werden. Fatima erklärt, dass es sich hierbei um ein Projekt „kostenlose Bücher“ von Al-Mada handelt. Dabei geht es darum mehr Menschen Zugang zu Literatur zu verschaffen. In dem Buch, das diesmal verteilt wird, sind hauptsächlich Schriftsteller*innen aus Basra vertreten, wie zum Beispiel Muhamed Khuthair (geboren 1942), der vor allem für seine Kurzgeschichten und sein Memoire zu Basra „Basrayatha“ bekannt ist.
  Buchmesse in Basra Khaled Tawfik © Goethe-Institut Irak

Obwohl die lokale Kultur hier in Basra gefördert wird, sei Al-Mada ausdrücklich ein internationales Publikationshaus, das auch in Frankfurt und London vertreten ist. Zudem ist es aber auch der erste arabische Verlag, der Verkaufs,- und Urheberrechte beachtet und die Berner Konvention zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst (1886) anerkannt und ihr folgt.  Die Hoffnung von Al-Mada sei, dass die internationale Buchmesse weitere Kulturveranstaltungen nach sich zieht. Fatima erklärt, dass sie hier viel investiert hätten, denn die Ausstellungshalle an sich war vor der Messe sehr heruntergekommen. Al-Mada habe 15.000 Dollar allein in die Dekoration dieser Halle investiert, sodass der Wert und die Bedeutung von Literatur zum Ausdruck kommt und Besucher*innen sich hier tatsächlich wohlfühlen können.

Die Besucherin und Studentin Zahra aus Basra fühlt sich in jedem Fall wohl auf der Buchmesse zu sein: „Ich bin froh und stolz hier zu sein als eine Person aus Basra. Diese Buchmesse hier zu haben ist ein großes Event für uns.“ Sie hat aber auch Kritik: „Es wäre natürlich schön, wenn es hier nicht überwiegend um Konsum und das Kaufen von Büchern geht. Ich würde mir auch wünschen, dass es noch interaktiver zugeht und wir als Besucher*innen mehr im Austausch wären.“ Ansonsten sitzt und verfolgt sie die meiste Zeit die Podiumsdiskussionen: „Am meisten erhoffe ich mir, dass nun der Stellenwert von Kunst, Kultur und Literatur in Basra wieder steigt und wir mehr Räume zum Austausch und zur Diskussion haben.“

 

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