ausgezeichnet lyrik
Tomasz Różycki

Reich an Metaphern und Bedeutungen

Różycki zeigt in seinen Gedichten düstere Landschaften, Vergangenheit und Geschichte, aber auch Alltägliches und Banales. Skeptische Reflexionen über die Natur des Menschen, über das Wesen des Dichters und der Dichtung sowie über die Kultur im allgemeinen werden aufgelockert durch Ironie und Selbstironie.

Ameisen und Haie

Die Ameise frisst die Larve, so will es die Natur,
dann isst ein Kind die Ameise – das zwickt leicht an der Zunge,
die Neugierde zwickt immer. Am schönen Strand von Goa
verschlingt ein Hai das Kind, doch das sieht aus der Höhe
Gott und schnappt den Hai, wie später auch die Ratte,
das Tigerweibchen und den Elefanten. (...)

Dämonen

Nun ist der Sommer zu Ende, jäh verhüllen eines Abends
Spinnweben am Fluss die Wege und die leeren Plätze, ich gehe
und sammle das alles aus dem Gesicht. Ich dachte mir:
Hierherkommen, täglich, und alles erzählen,
was zwischen uns ist und der Welt, mit allen Einzelheiten;
(...)

Erstes Hypothikon

Wenn das eine Strafe ist, dann weiß ich, wann es passierte.
Am Morgen, denn jeder Morgen kündet Böses. Am Morgen,
denn morgens geschieht am meisten zwischen
Liebem Gott und Fußboden.
(...)

Tomasz Różycki Foto: Arkadiusz Branicki

Tomasz Różycki erzählt

Klebstoff oder Lautmalerei – was hält die Wörter zusammen?
Wenn ich schreibe, wiederhole ich im Kopf sehr oft den ersten Vers, den ersten Satz – er enthält das klangliche Muster der folgenden Verse, ihm füge ich weitere hinzu. Die Melodie lockt die Worte aus dem Äther hervor.
(...)

Gouverneurspalast

Als ich zu schreiben anfing, konnte ich nicht ahnen,
wofür ich mich entscheide, wieviel man damit verdient
und daß ich in so kurzer Zeit reich werde
und sofort alles bekomme, was ich mir wünsche.
(...)

Tomasz Różycki

Tomasz Różycki – geb. 1970, Dichter, Übersetzer, Essayist. Lebt in Opole. Zahlreiche Publikationen in polnischen und ausländischen Zeitschriften. Zahlreiche Preise (...)

Die Pause nutzen

Die Pause nutzen, auf den Hof hinaus gehen
und wenigstens für kurz kein Pauker sein,
die Luft tief in die Lungen saugen und mit Hilfe
einer Wolke kurze Winterreisen unternehmen
durch verschneite Fichten, Berge, Staub und Salz.
(...)

Übersetzer: Bernhard Hartmann

Bernhard Hartmann, geb. 1972 in Gerolstein/Eifel, Studium der Slawistik/Polonistik und Germanistik in Mainz, Wrocław, Roskilde und Potsdam, war wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Erfurt und Wien, übersetzt literarische und geisteswissenschaftliche Sachtexte aus dem Polnischen ins Deutsche.

Animation

Anita Kwiatkowska-Naqvi geb. 1986 in Krakau. Absolventin von Psychologie an der Warschauer Universität. Sie studiert Animation an der Filmhochschule in Łódź.

Webseite von Anita Kwiatkowska-Naqvi
April 2015
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