Freiluftmuseum in Nowy Sącz Eine Zeitreise

Hütte aus Lipnica Wielka im Freilichtmuseum in Nowy Sącz
Hütte aus Lipnica Wielka im Freilichtmuseum in Nowy Sącz | Foto: Przykuta, CC BY-SA 3.0

Freilichtmuseen gelten – ähnlich wie Regionalmuseen – als extrem langweilige Orte. Wie ungerecht dieses Vorurteil ist, beweisen das Volkskundliche Freilichtmuseum Nowy Sącz und das zugehörige Galizische Städtchen, zwei der verblüffendsten und faszinierendsten Orte, die man während einer Reise durch das Sandezer Land besuchen kann.

Die meisten Museen und Galerien geben – mit gutem Grund – einen Zeitpunkt des letzten Einlasses und damit gewissermaßen eine Minimalzeit an, die man für die Besichtigung des Objekts benötigt – in der Regel eine Stunde vor Schließung. Im Falle des Volkskundlichen Freilichtmuseum Nowy Sącz müsste diese Zeit auf mindestens zwei Stunden verlängert werden. Kein Wunder, denn das Gelände des Museums umfasst nicht weniger als 20 Hektar hügeliger Landschaft – wir befinden uns schließlich am Fuß der Sandezer Beskiden. Dies führt dazu, dass die Besichtigung des Museums eher an einen ausgedehnten Ausflug erinnert, bei dem man leicht außer Atem gerät – einen ganz außergewöhnlichen Ausflug.

Panorama-Ansichten von verschiedenen Gebäuden im galizischen Städtchen ansehen

Wie vor hundert Jahren

Was den Besucher am meisten verblüfft, und worauf die Kuratoren besonders stolz sind, ist die Sorgfalt, mit der die Architektur, das Alltagsleben und nahezu sämtliche Aspekte der Kultur des Sandezer Landes nachgebildet wurden. Bei fast allen Objekten (bis auf eines) handelt es sich um historische Gebäude, die an ihren ursprünglichen Standorten Brett für Brett abgetragen und im Museum originalgetreu wieder aufgebaut wurden. Das Museum ist in mehrere Areale unterteilt, die charakteristisch für bestimmte ethnische Gruppen oder soziale Schichten sind. Auch die Umgebung wurde entsprechend angepasst: Es gibt Blumen-, Obst- und Kräutergärten, und sogar das Gras ist auf unterschiedliche Länge geschnitten. Vor den Häusern stehen Brunnen, neben den Ställen Tränken, und in den Gärten Bienenstöcke. Entlang der Alleen, die die einzelnen Areale miteinander verbinden, stehen Kapellen und Kreuze. Und wenn wir in die Häuser hineinschauen, erblicken wir Möbel und Haushaltsgeräte, Knoblauchzöpfe, Kräutersträuße und Heiligenbilder. Bereits nach einer halben Stunde in dieser einzigartigen Umgebung fühlen wir uns wie in einem Historienfilm – oder als wären wir hundert Jahre in die Vergangenheit gereist.

Zu Besuch bei Lendizen, Lemken und Zigeunern

Die vier Hauptareale des Freilichtmuseums repräsentieren die Architektur der wichtigsten Bevölkerungsgruppen des Sandezer Landes: der Sandezer Lendizen, der Sandezer Goralen, der Pogórzanen und der Sandezer Lemken. Außerdem gibt es ein kleines Tal mit einem Lager der Karpatenzigeuner, eine Kolonie der Galiziendeutschen (auf dem Weg zum Galizischen Städtchen), ein Herrenhaus mit umliegendem Park (im Zentrum des Geländes) und drei sakrale Gebäude, die der religiösen Vielfalt dieser Region Rechnung tragen: eine römisch-katholische, eine evangelische und eine griechisch-katholische Kirche (mit einem wertvollen Ikonostas aus dem Jahr 1801). An dem durch das Gelände fließenden Bach sollen in Zukunft auch eine Wassermühle und ein Wassersägewerk entstehen.

…und anschließend eine Mahlzeit im Wirtshaus.

Am Ende unserer sicherlich anstrengenden Wanderung durch das Volkskundliche Freilichtmuseum Nowy Sącz wartet auf uns die wohl größte kulinarische Überraschung: ein Besuch im Wirtshaus des Galizischen Städtchens. Das Galizische Städtchen besteht – im Gegensatz zum Freilichtmuseum – nicht aus Originalgebäuden. Die meisten Objekte sind Rekonstruktionen oder Gebäude, die nach unverwirklichten Entwürfen entstanden. Und doch macht das Ganze einen äußerst sympathischen Eindruck. Das für uns interessante Objekt ist sicherlich das bereits erwähnte Wirtshaus, in dem Spezialitäten der galizischen und sandezer Küche angeboten werden. Die Speisekarte spiegelt die Geschichte dieser Region wieder, viele Gerichte sind stark von der ungarischen und österreichischen Küche beeinflusst. Es gibt sämige Suppen, Gulasch, Eierpfannkuchen und eingelegte Spezialitäten. Und selbstverständlich Bier. Kein Wunder, dass man am Ende einer solchen Zeitreise nur ungern in die Gegenwart zurückkehrt…